Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

CHAM: Vom Gärtnerhaus zur Gärtnerei

Das ehemalige Gärtnerhaus der Villa Villette ist ein bemerkenswertes Beispiel des sogenannten «Schweizer Stils». Seine Detailvielfalt und Kleinteiligkeit hat die 140 Jahre praktisch unverändert überstanden.
Andreas Faessler
Das ehemalige Gärtnerhaus der Villa Villette präsentiert sich heute weitgehend im Originalzustand. (Bild: Stefan Kaiser (Zuger Zeitung))

Das ehemalige Gärtnerhaus der Villa Villette präsentiert sich heute weitgehend im Originalzustand. (Bild: Stefan Kaiser (Zuger Zeitung))

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Als der vermögende Zürcher Bankier und Kunstsammler Heinrich Schulthess-von Meiss ab 1863 in Cham vom Architekten Leonhard Zeugheer die Villa Villette als repräsentativen Landsitz errichten liess, entschieden er und seine Frau, die Umgebung des Gebäudes im Stil eines ­eng­lischen Gartens zu gestalten, wie es dazumal en vogue war. Am Eingang des Parks wurde ein schmuckes Pförtnerhaus erbaut, ebenfalls von Zeugheer entworfen.

Um 1878 plante Schulthess-von Meiss die Erweiterung des Anwesens um ein sogenanntes Gärtnerhaus als nördlichen Abschluss des Parks. Es steht am Fusse des Kirchhügels an der Bahnlinie schräg gegenüber vom Pförtnerhaus. Entworfen hat es der damals in Paris lebende Architekt Max Peter Heinrich ­Vogel. Knapp 15 Meter lang, jedoch nur einen Drittel so breit ist das Haupthaus – bereits die Proportion ist bemerkenswert. Im Obergeschoss lag die Wohnung des Villette-Gärtners, die rückwärtigen, deutlich niedrigeren Anbauten dienten als Holz- respektive Waschhaus.

Wie das Pförtnerhaus ist auch das Gärtnerhaus im sogenannten «Schweizer Stil» gehalten. Solche ländlichen Gebäude waren vor allem im 19. Jahrhundert bei der oberen Gesellschaft beliebt, um sich ein Stück Alpen-Romantik zu gönnen. Architekt Vogel schuf ein repräsentatives bauliches Beispiel, indem er aus dem Vollen schöpfte und in seinem Entwurf fast die gesamte Bandbreite an Bautechniken und Zierelementen berücksichtigte, welche die Charakteristik des «Schweizer Stils» prägen. Der verspielte Riegelbau ist rundum reich mit fili­granen Holzarbeiten geziert – an Fassade, Balkonen, Ortgängen und Traufen finden sich kleinteilige Schnitzereien. Die Liebe zum Detail, wenn nicht gar ein Hang zur Übertreibung, kommt hier voll zum Tragen, wirkt fast schon überbordend. ­Alles ist aber so geschickt auf­einander abgestimmt, dass diese Üppigkeit in keiner Weise auf Kosten der Ästhetik geht. Obschon sich der Baustil stilistisch generell an der Schweizer Chalet-Architektur orientiert, sind beim Villette-Gärtnerhäuschen gewisse englische und französische Einflüsse auszumachen, was auf die internationale Tätigkeit Vogels zurückzuführen sein dürfte. Hervorzuheben ist, dass die gesamte Bausubstanz des Chamer Gärtnerhauses die Zeit unverändert überdauert hat. Einzig die Farbgebung hat durch wiederholte Renovationen variiert. Sie entspricht heute weitgehend wieder dem Originalzustand.

Anfang der 1980er-Jahre kaufte die Gemeinde Cham den Villette-Park mit allen Gebäuden. Die Parzelle mit dem Gärtnerhaus war für eine Erweiterung des Friedhofs vorgesehen. Da diese jedoch nicht umgesetzt worden ist, wurde das ehemalige Gärtnerhaus der Villa Villette Teil der gemeindlichen Gärtnerei und um ein modernes, grösseres Treibhaus erweitert. 1995 wurde das Gärtnerhaus einer umfassenden Restaurierung unterzogen.

Hinweis

Mit «Hingeschaut» gehen wir Details mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach. Frühere Beiträge finden Sie online unter www.zugerzeitung.ch/hingeschaut.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.