CHAM: Vom Städtlerwald zum Quartier Pfad: Ein Umweg für die Abkürzung

Die Gemeinde wird ein neues Baugesuch für die Verbindung vom Städtlerwald zum Quartier Pfad auflegen. Dies, obwohl der Kanton gegen den Weg ist.

Raphael Biermayr
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Über dieses Feld soll künftig ein Kiesweg führen. Das Baugesuch muss nun neu aufgelegt werden. (Bild: Stefan Kaiser (Cham, 8. November 2017))

Über dieses Feld soll künftig ein Kiesweg führen. Das Baugesuch muss nun neu aufgelegt werden. (Bild: Stefan Kaiser (Cham, 8. November 2017))

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Der Frühling ist da und mit ihm mehr Spaziergänger und Velofahrer. Wer von Cham nach Niederwil durch den Städtlerwald will, muss zwischen der Autobahnbrücke und dem Schützenhaus nach wie vor einen Umweg von etwa 500 Metern nehmen. Das erscheint für sportliche Personen machbar. Wenn es aber nach der Gemeinde Cham geht, sollte eine Direktverbindung bestehen. Diese ist Bestandteil des angestrebten Ausbaus des Wanderweg- und Langsamverkehrsnetzes.

Doch der Kanton hatte etwas dagegen, genauer das Amt für Raumplanung. Dieses hielt in einem Schreiben vom 20. Dezember fest, dass der Kiesweg über das Feld auf Grundlage des ersten Baugesuchs nicht bewilligungsfähig ist. Es geht dabei vor allem um formale Fehler. Die wichtigste Massnahme ist aber eine leichte Änderung der Wegführung, damit das kleine Waldstück auf der Pfadrüti-nahen Seite der Autobahnbrücke weniger in Mitleidenschaft gezogen wird. Denn dieses sei bedeutend als Aufenthaltsraum für Wildtiere im Zusammenhang mit der Brückenüberquerung. Das Baugesuch muss entsprechend abgeändert und erneut aufgelegt werden, was nach Auskunft der Gemeinde in den nächsten Wochen erfolgen wird.

Haben die Chamer vergessen, die kantonalen Stellen einzubeziehen? Nein, zeigt das Protokoll einer Sitzung vom 25. Januar von Kantons- und Gemeindevertretern. Demgemäss hat ein ehemaliger Co-Leiter des Amts für Wald und Wild im Rahmen der Vorprüfung positive Stellungnahmen verfasst. Das ablehnende Schreiben vom 20. Dezember habe die Gemeinde deshalb «erstaunt». Es ist also eine Konstellation, wie sie nach einem Wechsel in der Abteilungsleitung vermutlich vorkommen kann.

Auf den Bau des Wegs soll verzichtet werden

Doch in erwähnter ablehnender Stellungnahme des Amts für Wald und Wild, das unserer Zeitung vorliegt, steht noch mehr. Darin wird unter anderem festgehalten: «Die zusätzliche Wegstrecke von rund 500 Metern ist (...) verhältnismässig und zumutbar gegenüber der zusätzlichen Störung, die die neue Wegverbindung für die Wildtiere mit sich bringen würde. Im Interesse des Wildtierschutzes ist deshalb grundsätzlich auf den Bau des neuen Wegabschnittes zu verzichten.» Weil der Weg im gemeindlichen Verkehrsrichtplan von 2007 enthalten ist, verhallt dieser Vorbehalt des Kantons jedoch wirkungslos – «behördenverbindlich» heisst das amtliche Zauberwort.

Privatpersonen müssen sich nicht daran halten und bekämpfen den Weg. Robert Stierli etwa, der im – dem geplanten Weg nahe gelegenen – Pfad-Quartier wohnt (Ausgabe vom 13. November 2017). Mit zwei weiteren Parteien hat er gegen das erste Baugesuch Einsprache erhoben. Allen Einsprechern ist seitens der zuständigen Abteilung Planung und Hochbau jedoch die Legitimation abgesprochen worden. Dies, weil sie vom Vorhaben zu weit weg wohnten – im Fall von Stierli 160 Meter – und deshalb davon «nicht besonders berührt» seien, wie der entsprechende Gesetzesartikel in einem Schreiben zitiert wird. Stierli lässt das nicht gelten und erwähnt, dass er wöchentlich drei- bis viermal die bestehenden Wege nutze und sich «über die intakte Natur» freut. Er halte an seiner Einsprache fest respektive werde diese beim zweiten Baugesuch erneuern.