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CHAM: Warum Ruderer zu Kulturtätern wurden

«Zurückschauen und sich vorwärts bewegen», lautet das Motto fürs 100-Jahr-Jubiläum des Ruderclubs Cham. Diesen Wahlspruch – für Ruderer seit eh und je eine Binsenweisheit – gaben sie an Kulturschaffende weiter: als Impuls zu neuen Werken.
Romano Cuonz
Aus einem sechseinhalb Meter langen Stück des Nestlé-Mammutbaumes hat Daniel Züsli die Skulptur «Zurückschauen und sich vorwärts bewegen» geschaffen.

Aus einem sechseinhalb Meter langen Stück des Nestlé-Mammutbaumes hat Daniel Züsli die Skulptur «Zurückschauen und sich vorwärts bewegen» geschaffen.

Romano Cuonz

redaktion@zugerzeitung.ch

«Wir rudern seit fast 30 Jahren jeden Dienstag mit unserem Achter auf dem Zugersee», erzählt der Chamer Leo Diehm, der im Jubiläums-OK des hundertjährigen Ruderklubs mitarbeitet. Nach einer Ausfahrt, bei der sich der See in besonders poetischer Stimmung präsentierte, so Diehm, hätten sie dann fürs Jubiläumsfest einen Titel kreiert: «RowArt 100». Dabei sollte das Wort «Art» nicht nur die Ruderkunst an sich betreffen. «Warum nicht Brücken zu andern Künsten bauen, um so zum Jubiläum auch etwas Bleibendes zu schaffen?», fragten Diehm und seine Ruderkollegen. Von dieser Idee liessen sie nicht mehr ab. Als sich dann mit Unternehmer Philipp Bu­hofer – Verwaltungsratspräsident von Kardex und Cham Paper Group – auch noch ein namhafter Sponsor fürs Motto und für die Idee begeisterte, konnte das Abenteuer beginnen.

«Unsere erste Idee war, am bislang doch etwas charakterlosen Ufer unterhalb unseres Bootshauses einen Farbtupfer zu setzen», erzählt Leo Diehm. Vielleicht mit einer Skulptur? Mehr hätten sie zu Beginn nicht gewusst. Jedoch: Kaum war der Entschluss gefasst, bestätigte sich die Spruchweisheit «Die besten Dinge verdanken wir dem Zufall». Jetzt liess nämlich eine Neuigkeit aufhorchen: Der legendäre «Nestlé-Mammutbaum» – bekannt als grösster Christbaum Europas – müsse wegen eines Hallimasch-Pilzbefalls gefällt werden! «Weil ehemalige Nestlé-Mitarbeiter zu den Gründern des Ruderclubs gehörten und wir nach etwas mit Symbolcharakter suchten, bewarben wir uns um ein Stück dieses Riesenbaumes», sagt Diehm. Nestlé wollte den 38 Meter hohen Riesen nach dem Fällen der Gemeinde Cham schenken. Diese sollte ihn an Interessenten weitergeben. Schon hatte der Gemeinderat den untersten Teil dem einheimischen Künstler Stephan Schmidlin versprochen. Dieser wollte daraus eine Skulptur fürs Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2019 in Zug schaffen. Doch auch für den Ruderclub blieb noch ein 6,5 Meter langer, oberer Teil des Stammes übrig!

«Nun hatten wir das einzigartige Holz für eine Skulptur, aber noch keinen Künstler», schildert Leo Diehm die Situation. Wie die Ruderer dann auf den 32-jährigen, in Cham aufgewachsenen Holzbildhauer Daniel Züsli kamen, hört sich beinahe wie ein modernes Märchen an. Heute hat Züsli ein eigenes Atelier im «Heiligkreuz». 2015 war er von seiner dreijährigen Wanderschaft zurückgekehrt. «Bald darauf habe ich mit Bildhauerkollegen beim Hirsgarten eine Sitzbankskulptur geschaffen», erzählt er. «Eine, die draussen im See schwamm.» Zusammen wollten sie hier ein Minisymposium für Bildhauer abhalten. Doch plötzlich versank das «Biergascho» in der Tiefe. Zufällig schwamm Leo Diehm im See. Sofort tauchte er nach dem Bier. Und bald konnte er es den Künstlern schön gekühlt servieren. «Ein Wort gab nun das andere, und mir war klar, dass ich den Künstler für unsere Skulptur gefunden hatte», resümiert Diehm.

«Einige Wochen später klingelte in meiner Werkstatt das Telefon», erinnert sich Daniel Züsli. «Leo Diehm wollte mit mir über den Mammutbaum sprechen!» Dem jungen Künstler war sofort klar, dass er diese Chance, eine solche Skulptur zu schaffen, nutzen wollte. Immerhin hatte er 2013 bei einem Holzbildhauersymposium in Deutschland schon einen ersten Preis gewonnen. Die neue Arbeit – die grösste in seiner bisherigen Karriere – stellte aber eine enorme Her­ausforderung dar. «Um das Jubiläumsmotto umsetzen zu können, musste ich mich in den Bewegungsablauf beim Rudern einfühlen», besinnt sich Züsli. Ein Modell nach dem anderen fertigte er an. Immer einfacher, immer schemenhafter wurde der Ruderer. Und genau durch diese Reduktion kam die Bewegung zum Ausdruck. Mehr und mehr. Man einigte sich auf ein Modell.

Eines Tages wurde dann der Baum angeliefert. «Da lag er nun vor meinem Atelier wie ein gestrandeter Wal», erzählt Züsli. Mit einer grossen Kettensäge schnitt der Künstler ganze Stücke vom rohen Stamm ab. Hunderte Male lief er rund herum und tastete sich an die Form heran. Später kamen auch Knüpfel und verschiedenste Schnitzermesser zum Einsatz. «Was mich restlos faszinierte, waren die leicht rosa gefärbten Maserungen des Redwood-Trees, die nun zum Vorschein kamen», hält Züsli fest. 130 Jahrringe! Sorgsam habe er sie hervorgeholt. Ihm sei nämlich von Handgriff zu Handgriff immer klarer geworden, wie er mit dieser Arbeit die gemeinsame Geschichte des Baumes und der Ruderer wieder aufleben liess. «Als ich die Jahrringe anschnitt, kamen mir auch all die schon fast geheimnisvollen Geschichten, die man sich in Cham über den Baum erzählt hat, in den Sinn», sagt Züsli. Auch habe er sich daran erinnert, wie er als Kind dort, wo die Skulptur nun steht, vorbeigeschwommen sei.

Die Skulptur «Zurückschauen und sich vorwärts bewegen» wirkt monumental. Doch beim genauen Hinschauen wird sie filigran. Wie keine zweite illustriert sie ein Stücklein Ruder-, aber eben auch Dorfgeschichte.

Hinweis

Mit «Hingeschaut» gehen wir Details mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach. Frühere Beiträge finden Sie online unter www.zugerzeitung.ch/hingeschaut.

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