Cham will mehr Insektenparadiese

Der Verein Lebensraum Landschaft Cham will mit seinem Projekt 101 neue Lebensräume für Insekten schaffen.

Tijana Nikolic
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Statt auf Wildbienenhotels wie im Villettepark, setzt der LLC auf natürlichere Lebensräume.

Statt auf Wildbienenhotels wie im Villettepark, setzt der LLC auf natürlichere Lebensräume.

Bild: PD

Das Siedlungsgebiet Cham mit seiner Vielzahl von Gärten, Hecken, Böschungen, feuchten und trockenen Stellen biete zahlreiche Lebensmöglichkeiten für Wildbienen, Schmetterlinge und weitere Kleintiere, dachte sich der Trägerverein Lebensraum Landschaft Cham (LLC). Mit dem Projekt «1 grosses und 100 kleine Insektenparadiese» möchte der Verein das Thema deshalb angehen. In den Chamer Siedlungen fänden sich viele verschiedene Lebensräume wie Rasenflächen, Zäune und Hecken mit Sträuchern, Böschungen, Einfahrten sowie trockene sandige Plätze, wo auf kleinem Raum nicht viel wachse. Konkret sollen in der ganzen Gemeinde 101 Flächen zur Errichtung von Insektenparadiesen gesucht werden und seltenen Wildbienen- und Schmetterlingsarten Lebensraum bieten.

Cham und Hagendorn könnten sich zu einem Hotspot für selten gewordene Insektenarten entwickeln, heisst es vom LLC. Es gäbe in den Orten eine riesige Fülle unterschiedlicher Wildbienenarten, welche vielfach auf einzelne Pflanzen spezialisiert sind. «Im Gegensatz zu Tieren im Landwirtschaftsgebiet und im Wald genügen ihnen bereits kleine Lebensräume, um Platz für ihre Brut und ihre bevorzugten Nahrungspflanzen zu finden», erklärt Andreas Georg, der Präsident des Vereins Landschaft Cham. Sehr seltene Arten fände man beispielsweise am «Papierigleis «in Cham und in diversen Familiengärten. In den letzten Jahren seien Überbauungen mit einer interessanten Umgebung entstanden. Im Gespräch mit den Anwohnern sei grosses Interesse zum Thema Insektenlebensräume vorhanden. Oft kämen die Leute jedoch gar nicht auf die Idee, auf einer Restfläche etwas in dieser Hinsicht zu machen.

Das Coronavirus dämpft das Vorankommen

Der LLC habe die Vereinstätigkeit folglich wegen des Coronavirus stark verringert. Die physischen Kontakte seien auf das Minimum reduziert. Die Projektarbeit sei deshalb erschwert und beschränke sich vorläufig auf Vorbereitungsarbeiten. Soweit habe der LLC, zusammen mit einem Fachmann im Gebiet Insekten, Module entwickelt, welche je nach Art der heutigen Fläche die Ansiedlung fördern soll. «Dabei vertreten sind Hochstaudenfluren, Säume und Gehölzränder, Blumenwiesen, Ruderalflächen wie Rohbodenflächen und begrünte Hauswände», führt Georg aus. Einfacher gesagt handle es sich dabei um kaum genutzte Böschungen, Ränder von Gebüschen und Zäunen, wenig bewachsene Sand- und Kiesflächen oder Terrassen, sowie Efeuwände.

«Die Datenblätter zu jedem Modul des Projekts umfassen die Zielarten, wichtige Pflanzen, den idealen Boden und die weiteren Strukturelemente wie Totholzhaufen», so Georg. Gefragt seien nicht exotische und seltene Blumen, sondern einheimische Pflanzen und Wiesenblumen, welche man im Handel fände. Weniger wichtig für das Projekt seien die klassischen Wildbienenhäuschen: «80 Prozent aller Arten brüten direkt im Boden», weiss Georg. Derzeit sei der LLC am Abklären, wer die benötigten Wildblumen und Sträucher liefern könne. Die nächsten Schritte, nach der Coronakrise, seien die Suche nach geeigneten Standorten, die Besichtigung möglicher Flächen und die Beratung der Gartenbesitzer sowie die Planung des grossen Insektenparadieses.

Hinweis: Anfragen und Ideen für künftige Insektenparadiese nimmt der Trägerverein gerne unter kontakt@landschaftcham.ch entgegen.