CHAM: Wo Milch und Gülle fliessen

Fünf landwirtschaftliche Lehrpfade gibt es schon im Kanton. Der neuste in Cham ist besonders tierisch.

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Michael Helfenstein erklärt den Schülern das Wichtigste über den Nährstoffkreislauf. (Bild: Christian H. Hildebrand)

Michael Helfenstein erklärt den Schülern das Wichtigste über den Nährstoffkreislauf. (Bild: Christian H. Hildebrand)

Andrea Muff

Nur wenige Fahrminuten vom Chamer Zentrum entfernt, bei der Bushaltestelle «Hammer», liegt der Weidhof von Martin Zimmermann. Der 43 Hektaren – das sind ungefähr 60 Fussballfelder – umfassende Bauernhof ist auch bequem zu Fuss erreichbar. So sieht man die Schüler der 3. Primarklasse aus Cham bereits von weitem in einer Zweierreihe über das Feld marschieren. Die rund 20 Schüler testen den neu eröffneten Lehrpfad auf dem Weidhof. Dieser wurde gestern offiziell eingeweiht. Die Schüler der Agrotechnikerklasse HF der landwirtschaftlichen Schule Schluechthof in Cham zeigten damit ihre Projektarbeit. Bereits im vergangenen Jahr wurde der erste Lehrpfad im Letzi, nahe der Stadt Zug, eröffnet. Nun gibt es neben den Lehrpfaden in Cham und Zug weitere in Menzingen, Hünenberg und Unterägeri. «Wir haben dafür stark frequentierte Orte ausgesucht und möchten die Landwirtschaft der Bevölkerung besser zugänglich machen», erklärt André Rüttimann, Geschäftsführer des Zuger Bauernverbands. Der landwirtschaftliche Lehrpfad ist ein ­Projekt des Zuger Bauernverbands. Die Lehrpfade sind jederzeit zugänglich, ohne dass Hofgebäude betreten werden müssen.

Vier Stationen

Auf dem Bauernhof der Familie Zimmermann stehen nun vier Tafeln, die Wissen zu den Themen Schweizer Landwirtschaft, Futterbau, Rinderaufzucht und Nährstoffkreislauf vermitteln. Bereits bei der Begrüssung hört man lautstark, wo die Präferenzen der Kinder liegen: Als Jamin Kobel, angehender Agrotechniker und Medienverantwortlicher, ankündigt, dass Tiere gestreichelt werden dürfen und dass es später etwas zu essen und zu trinken gibt, wird das mit einem freudigen Gejohle der Schüler quittiert. Rund 100 Kühe, 50 Rinder und einige Kälber leben auf dem Hof.

Im Stall ist es dann endlich so weit: Die Kinder haben keine Berührungsängste und eilen zu den Kälbern und Kühen, um sie zu streicheln. Rebeka Egli, angehende Agrotechnikerin, erzählt etwas zum Futterbau. Allerdings brennen den Kindern andere Themen unter den Nägeln: «Wo ist hier der Stier?», wollen einige Primarschüler wissen. Denn: «Wenn es hier keinen Stier gibt, kann es auch keine Kälber geben», weiss eine Schülerin. Im Trubel geht die abschliessende Antwort auf diese Frage jedoch unter. Ein weiteres wichtiges Thema ist: «Haben alle Kühe einen Namen?» Die Frage wird von Egli bejaht, jedoch: «Wie heissen die denn alle?» Die Antwort bleibt sie schuldig und verweist auf den Hofbesitzer, Martin Zimmermann, der seine Tiere beim Namen kennt.

Der Nährstoffkreislauf

Als Michael Helfenstein, angehender Agrotechniker, den 3.-Primar-Schülern den Nährstoffkreislauf erklärt, hören diese wieder gespannt zu. «Die Kühe produzieren neben Milch auch Mist», erklärt er. «Und was macht man damit?» Die Finger schnellen in die Höhe: «Das gibt Dünger», weiter kommt die junge Dame aber nicht. Denn was dieser Dünger zu bedeuten hat, rufen ihre Mitschüler bereits durcheinander: «Gülle!» Auch dass das nicht mit einer angenehmen Duftnote zusammenhängt, hört man: «Iiih ..., das stinkt!» Helfenstein gibt aber sofort eine Entwarnung: «Ihr müsst keine Angst haben, heute wird nicht gegüllt.»

Hinweis

Weitere Informationen finden Sie beim Zuger Bauernverband unter info@zugerbv.ch oder per Telefon 041 780 02 77.

Die Kinder füttern eine Kuh mit Heu. (Bild: pd)

Die Kinder füttern eine Kuh mit Heu. (Bild: pd)

Michael Helfenstein erklärt den Schülern das Wichtigste über den Nährstoffkreislauf. (Bild: pd)

Michael Helfenstein erklärt den Schülern das Wichtigste über den Nährstoffkreislauf. (Bild: pd)