Chamer Feuerwehr sucht auch mit Plakaten nach neuen Brandbekämpfern

Ohne proaktives Vorgehen blieben Neuzugänge wohl aus. Die Milizfeuerwehr wirbt deshalb mit Plakaten.

Tijana Nikolic
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90 Männer und Frauen sind momentan aktiv bei der Milizfeuerwehr Cham dabei.

90 Männer und Frauen sind momentan aktiv bei der Milizfeuerwehr Cham dabei.

Bild: PD

«Stell dir vor, du drückst – und alle drücken sich.» Dieser Spruch ziert aktuell an drei Standorten in Cham, beispielsweise beim Kreisel neben dem Raiffeisengebäude, grosse Plakate der Milizfeuerwehr Cham. Gemeint ist damit das Drücken des Feueralarms bei einem Brand und das damit verbundene Ausbleiben der erhofften Hilfe in Form von Feuerwehrleuten. Denn ebenfalls wird mit dem Plakat zur Infoveranstaltung für potenzielle Neumitglieder am Freitag, dem 23. Oktober geladen. Doch warum diese grosse und prominente Werbung? Wie steht es um das Interesse an einem Beitritt in die Feuerwehr Cham?

«Die Rekrutierung neuer Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen ist kein einfaches Unterfangen. Es bedingt, die Bürger mit guten Argumenten zum Beitritt zu motivieren», sagt Urs Baggenstos, Feuerwehrkommandant der Feuerwehr Cham. Ein Eintritt in die Feuerwehr ohne ihr Zutun sei eine Seltenheit. «Als Grund dafür nennen uns viele, dass ihnen die Zeit dazu fehlt», so Baggenstos. Dies sei beispielsweise darauf zurückzuführen, dass der berufliche Druck immer grösser werde. Aber auch das grosse Angebot an anderen Freizeitaktivitäten sei ein häufig genannter Punkt. «Vermutlich ist es jedoch auch so, dass gerade die jüngeren Generationen einen sehr hohen Wert auf die freie Gestaltung ihrer Freizeit legen», überlegt Baggenstos. Weil die Bevölkerung nicht gut über die Feuerwehr informiert sei, gingen auch viele davon aus, dass die Feuerwehr Cham eine Berufsfeuerwehr sei. «Eine weitere Fehlannahme ist, dass man im jungen Alter von 18 bis 25 Jahren der Feuerwehr beitreten muss», so der Kommandant weiter.

Aktuell sind 90 Männer und Frauen aktiv bei der Feuerwehr Cham dabei. Der Sollbestand beträgt 100 Angehörige. «Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass das Interesse am Feuerwehrdienst am besten dadurch geweckt wird, indem man mit beispielsweise Freunden und Verwandten über das Thema und die eigenen Erfahrungen spricht», weiss der Chamer Feuerwehrkommandant.

Den Feuerwehrdienst in das eigene Leben integrieren

«Am Informationsabend informieren wir die Interessenten über unsere Tätigkeit, wie wir organisiert sind und wie die Ausbildung für angehende Feuerwehrleute aussieht.» So könnten sich die Teilnehmer ein Bild davon machen, wie sie den Feuerwehrdienst in ihr Leben integrieren könnten, was nicht so schwierig sei, wie sich das manche vorstellen. Die Interessenten müssten auch gewisse Voraussetzungen erfüllen: «Beispielsweise müssen sie Schweizerdeutsch verstehen. Je nachdem welchen Fachdienst sie ausüben wollen, müssen sie auch über eine dementsprechende Gesundheit und Fitness verfügen.»

Sollbestände sind stabil

(tn) Aktuell sind insgesamt 976 Männer und Frauen in den Feuerwehren im Kanton Zug tätig. «Während der letzten fünf Jahre hatten wir im Schnitt jährlich sechs neue Mitglieder pro Feuerwehr in den Gemeinden», sagt Roland Fässler, Feuerwehrinspektor des Kanton Zug. Zurzeit könne man die Sollbestände der Feuerwehren halten. Einige Gemeinden würden sich durch Werbekampagnen jedoch mehr um Neumitglieder bemühen. Gründe für ein Desinteresse an der Feuerwehr seien vielseitig. «Vielen ist beispielsweise nicht bewusst, dass die Feuerwehr im Milizsystem und nicht professionell organisiert ist, oder man hat bereits anderweitige Engagements in Vereinen», weiss Fässler. Dafür sprechen würde, dass man seine Freizeit mit einer spannenden Tätigkeit gestalten möchte.

Bei der Feuerwehr Cham könne man sich auf viele Fachgebiete spezialisieren. Zum Beispiel auf die Fachdienste Atemschutz, Motorfahrer, Pionierdienst, Elektrodienst, Verkehrsdienst und Sanitätsdienst. «Alle Angehörigen machen natürlich auch den allgemeinen Feuerwehrdienst wie die Rettung von Mensch und Tier, die Brandbekämpfung sowie das Schützen von Umwelt und Sachwerten», führt Baggenstos weiter aus. Bei Eignung gäbe es viele Weiterbildungsmöglichkeiten wie Gruppenführer, Korpschef, Zugführer oder Fachoffizier. «Das geht hin bis zum kantonalen Instruktor, Vizekommandant oder Kommandant», erklärt Baggenstos. Als Einsatzleiter erlerne man zudem die Fähigkeit sehr grosse Verantwortung über alle Feuerwehrangehörigen im Einsatz zu übernehmen und Entschlüsse in extremen Situationen schnell durchzusetzen.

Füreinander durch das Feuer gehen

«Nebst den Weiterbildungsmöglichkeiten steht die Kameradschaft ganz oben auf der Liste der Feuerwehr und geht über den normalen Dienst hinaus. Schliesslich gehen wir tatsächlich füreinander durchs Feuer», sagt Baggenstos abschliessend. Deswegen sei es notwendig zu wissen, wie jemand in einer speziellen Situation tickt oder ob er einer Sache im Augenblick des Einsatzes physisch und psychisch gewachsen sei. «Das Vertrauen ineinander ist enorm hoch.»

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