Chance für die Herausforderer bei den Gemeinderatswahlen in Neuheim

Der aktuelle Gemeinderat tritt geschlossen zur Wiederwahl an. Vor und während der laufenden Legislatur gab es Unstimmigkeiten – profitiert einer der beiden neuen Kandidaten davon?

Raphael Biermayr
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Klein, aber oho! Die Wahlen in Neuheim, der bevölkerungsärmsten Zuger Gemeinde, versprechen Spannung. Gerade die geringe Stimmberechtigtenzahl – gegenwärtig rund 1400 – sorgt dafür. Denn so können wenige Stimmen über Wahl oder Nichtwahl entscheiden, wie sich 2014 zeigte, als der Majorz bei Gemeinderatswahlen eingeführt worden war. Damals wies der SVP-Kandidat Andreas Bächtold als Sechster gerade einmal 21 Stimmen weniger auf als Daniel Schillig (CVP).

Schillig hat sich seither als Bauchef profiliert und wird am kommenden 7. Oktober Roger Bosshart (FDP) auf der Position des Gemeindepräsidenten herausfordern. Ob und wie sich seine kürzlich in unserer Zeitung thematisierte Zugehörigkeit zur «Universalen Kirche», die ihn in den 1990er-Jahren seine erste Politikkarriere kostete, auswirkt, ist nicht abzuschätzen. Allerdings dürfte es die wenigsten länger im Dorf Wohnhaften überraschen – Schillig hat nie ein Geheimnis daraus gemacht.

Roger Bosshart stellte sich vor vier Jahren als Transparenzschaffer dar. Damals waren ihm und seinen Gemeinderatskollegen allerdings die gravierenden Missstände in der Sozialabteilung längst bekannt. In den Tagen vor und nach der Wahl ereignete sich Dramatisches: Der zuständige Sozialvorsteher Franz Keiser wurde suspendiert und beschwerte sich beim Kanton, woraufhin der Gemeinderat ihn wieder aufnahm und kein rechtliches Verfahren angestrebt wurde. Die Öffentlichkeit erfuhr auf expliziten Entscheid des Gemeinderats nichts davon. Das geschah erst, nachdem der Aufarbeitungsbericht im Sommer 2016 freigegeben worden war. Die Folge davon waren gewichtige personelle Abgänge in der Verwaltung sowie die dauerhafte Auslagerung der wirtschaftlichen Sozialhilfe an die Gemeinde Baar.

Das Schulhaus ist einer der Erfolge

Ausser Bosshart und Keiser war die Schulpräsidentin Monika Ulrich-Meier (CVP) vor 2015 bereits im Gemeinderat. Sie tritt im kommenden Herbst ebenfalls zur Wiederwahl an und fasst – wie Franz Keiser – eine vierte Legislatur ins Auge. Sie wird im Erfolgsfall Ende Oktober das lang ersehnte neue Schulhaus eröffnen.

Das Schulhaus wird an die erfolgreichen Momente der laufenden Legislatur erinnern. Finanziell geht es der Gemeinde gut, die jüngste Rechnung schloss zum Beispiel mit einem Rekordergebnis ab. Das liegt einerseits an unvorher­gesehenen Steuereinnahmen, andererseits aber auch an der Ausgabendisziplin in den Abteilungen. Ja, die Momentaufnahme ist so gut, dass der 2014 gewählte Finanzchef Marcel Güttinger (FDP), der ebenfalls seine Wiederwahl anstrebt, einen Rollentausch vollziehen konnte – vom Mahner zum Weihnachtsmann: Statt über eine jahrelang drohende Erhöhung der Steuern wird an der nächsten Winter-Gemeindeversammlung voraussichtlich über eine Senkung sowie über eine Mitarbeiterprämie abgestimmt werden. Eine Motion von FDP und SVP, die dannzumal behandelt wird, verlangt jedoch einen einjährigen Steuerrabatt von 8 Prozent.

Sie ist mitunterzeichnet vom eingangs erwähnten Neuheimer SVP-Präsidenten Andreas Bächtold. Er wird sich am 7. Oktober erneut zur Wahl in den Gemeinderat stellen, nachdem er in den vergangenen Jahren nicht mit Kritik am Gemeinderat gegeizt hat. Die Partei kämpft in Neuheim ausserdem gegen ihre tragische Geschichte im Zusammenhang mit Gemeinderatswahlen: Sie und ihr erster Gemeinderat Franz Keiser entzweiten sich während der Legislatur 2011 bis 2014, woraufhin Keiser austrat. Der Zweite, Richard Schubnell, wurde vor vier Jahren als Bauchef abgewählt – auch, weil die SVP mit Bächtold einen zweiten Kandidaten lanciert hatte: Die beiden nahmen sich gegenseitig Stimmen weg.

Vor vier Jahren bewarb sich auch Susanne Krüdewagen ohne Erfolg um einen Sitz im Gemeinderat. Sie versucht es ebenfalls nochmals als Kandidatin der Allianz aus ALG und CSP und ist darüber hinaus auch für den Kantonsrat nominiert worden (gegenüberliegende Seite). Während der zu Ende gehenden Legislatur hat der Gemeinderat zwar den Ausbau der schulergänzenden Betreuung erreicht. Krüdewagen sieht Potenzial für mehr.

Die RPK ist bereits bestätigt

Die Rechnungsprüfungskommission für die Legislatur 2019–2022 ist vom Gemeinderat bereits für gewählt erklärt worden. Markus Simmen (CVP) bleibt Präsident, und auch Emil Schweizer (SVP) und Martin Amacher (FDP) gehören dem Gremium weiterhin an. (bier)

Diese Neuheimer wollen in den Gemeinderat

Daniel Schillig (CVP)

– bisher, Kandidat für das Präsidium
– Jahrgang 1965
– verheiratet, 4 Kinder
– Landwirt
– Stiftungsrat Stiftung Zehndermatt

«Gerne werde ich mich weiterhin mit Herzblut für das Gemeinwohl einsetzen. Mir liegt eine massvolle Entwicklung unserer Gemeinde in allen Belangen am Herzen.»

Monika Ulrich-Meier (CVP)

– bisher
– Jahrgang 1972
– verheiratet, 2 Kinder
– Familienfrau, Sekretärin
– Stiftungsrätin Museum Burg Zug, Präsidentin Samariterverein

«Lehrplan 21 und weitere Änderungen fordern alle Beteiligten. Bildungsauftrag und Entwicklung und Förderung der Schüler bleiben dennoch das Kerngeschäft der Schule.»

Roger Bosshart (FDP)

– bisher, Kandidat für das Präsidium
– Jahrgang 1964
– verheiratet, 3 Kinder
– Inhaber und CEO einer Werbeagentur
– Verwaltungsrat der Luegeten

«Neuheim ist ein familienfreundliches Dorf mit hoher Lebensqualität. Mir liegt das Wohlergehen aller Menschen in unserer Gemeinde am Herzen.»

Marcel Güttinger (FDP)

– bisher
– Jahrgang 1969
– verheiratet, 3 Kinder
– Direktionskader einer Grossbank

«Der Pessimist reklamiert über den Wind, der Optimist hofft, dass er dreht, der Realist richtet die Segel aus.»

Franz Keiser (Für Neuheim)

– bisher
– Jahrgang 1957
– verheiratet, 3 Kinder
– Landwirt

«Als Politiker setze ich mich für alle Menschen in unserer Gemeinde ein, als Bauer liegt mir die Natur sehr am Herzen. Ich sage: Unterhalt der Infrastruktur vor Steuersenkung.»

Andreas Bächtold (SVP)

– neu
– Jahrgang 1981
– verheiratet
– Geschäftsführer
– Präsident SVP Neuheim, erweiterte Parteileitung SVP Kanton Zug

«Als Mitglied vieler Vereine weiss ich, wie diese noch besser unterstützt werden können. Als politisch interessierter Bürger weiss ich, wo noch mehr Transparenz möglich ist.»

Susanne Krüdewagen (ALG, CSP)

– neu
– Jahrgang 1962
– verheiratet, 2 Kinder
– Spielgruppenleiterin

«Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie müssen bezahlbare und bedarfsgerechte Betreuungsangebote ausgebaut werden.»

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