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CHEFINNEN: Sie sind talentiert und fleissig

Wenn es um Frauen in Führungspositionen geht, liegt die Schweiz im internationalen Vergleich immer noch stark zurück. Unsere Zeitung hat vier Chefinnen in Zug nach ihren Erfahrungen in der männlichen Wirtschaftswelt gefragt.
Gabriela Jordan
Maggie Rindlisbacher ist Gesamtleiterin Pflege und Therapien im Zuger Kantonsspital. (Bild: Maria Schmid / ZZ)

Maggie Rindlisbacher ist Gesamtleiterin Pflege und Therapien im Zuger Kantonsspital. (Bild: Maria Schmid / ZZ)

Trotz Frauenquoten, Krippenangeboten und Gleichstellungsbemühungen: Frauen in Kaderpositionen sind in der Schweiz noch immer rar. Wie eine kürzlich erschienene Studie der Credit Suisse zeigt, hinkt die Schweiz im internationalen Vergleich stark hinterher. Während Frauen zwar Chefinnen von Firmen sind, gibt es kaum weibliche Finanzverantwortliche oder Verwaltungsrätinnen. Auf der höheren Führungsebene sind Frauen in der Schweiz mit 6,7 Prozent vertreten – der internationale Durchschnitt ist mit 13,8 mehr als doppelt so hoch. Die Studie bestätigt ausserdem, dass Unternehmen mit ausgewogenen Geschlechterverhältnissen bessere Ergebnisse erzielen. In der Studie wurden 78 Schweizer Unternehmen untersucht und mit globalen Zahlen verglichen.

«Als Frau nicht ernst genommen worden»

Und wie sieht die Situation in der Wirtschaftsstadt Zug aus? Die Roche-Chefin Annette Luther ist sicher ein prominentes Beispiel für Frauen in der Chefetage. Auch in der Finanzbranche finden sich in Zug Frauen in der Unternehmens­führung. In der Zuger Kantonalbank – dem zehntgrössten Arbeitgeber in Zug – sind mit Daniela Hausheer und Petra Kalt gleich zwei Frauen in der Geschäftsleitung vertreten. Zudem ist das UBS-Kader nicht rein männlich: Susanne Thellung wurde vor zwei Jahren zur Regionaldirektorin Zentralschweiz befördert, davor leitete sie bereits die Privatkundengeschäfte in der gleichen Region. Im Zuger Kantonsspital ist ebenfalls eine Frau in der Geschäftsleitung: Maggie Rindlisbacher ist Gesamtleiterin Pflege und Therapien. Auf die Frage, warum es nach wie vor mehr Chefs als Chefinnen gibt, haben die vier Frauen unterschiedliche Antworten – auch wegen ihrer eigenen Erfahrungen.

Familie nicht als einziger Grund

«Am Anfang habe ich einige schlechte Erfahrungen als Frau im Berufsleben machen müssen», erzählt Petra Kalt (46), Leiterin Department Wealth Management bei der Zuger Kantonalbank. Sowohl innerhalb der Firma als auch von Kunden sei sie nicht immer ernst genommen worden. Sie erinnert sich an ihr erstes Kundengespräch vor bald 20 Jahren, als der Kunde – ein Garagist – sie wie Luft behandelte und nur mit dem männlichen Vertreter verhandelte. «Seitdem ist zum Glück viel passiert», sagt Kalt. Dennoch dominieren Männer heute noch immer die Chefetagen – nicht weil Frauen weniger ehrgeizig seien, sondern weil ihnen das oftmals nötige Selbstvertrauen fehle, findet Kalt. «Ein Mann sagt viel eher ‹Ich kann das›, eine Frau hingegen fragt sich ‹Kann ich das?›.» In solchen Fällen sei es an den Führungskräften, den Frauen den Rücken zu stärken. Aus Erfahrung weiss Kalt, dass eine Führungsposition in einer von Männern dominierten Branche nicht immer einfach ist. «Besonders am Anfang habe ich gespürt, dass mich die männlichen Angestellten testen und absichtlich herausfordern.» Ist die Fachkompetenz einmal unter Beweis gestellt, legt sich dies aber wieder.

Bessere Erfahrungen hat Daniela Hausheer (50), Leiterin Departement Marktregionen bei der Zuger Kantonalbank, gemacht: «Ich habe in meiner Laufbahn nie solche Schwierigkeiten gespürt.» Laut Hausheer – die Mutter zweier Kinder ist – müssen für eine Karriere die Rahmenbedingungen stimmen. Dank dem grösseren Angebot an Krippen und Tagesschulen seien diese Bedingungen heutzutage förderlicher als früher. Dennoch weiss Hausheer: «Karriere und Familie ist heute noch ein Spagat.» Der Karriereunterbruch durch die Mutterschaft und der danach oft schwierige Wiedereinstieg ins Berufsleben hindere viele Frauen daran, höhere Positionen anzustreben. Und: «Oftmals fehlen weibliche Vorbilder in der eigenen Familie», meint Hausheer. Demnach würden Töchter, die eine berufstätige Mutter hätten, diese Doppelrolle eher wagen.

Nur am fehlenden Willen liegt es allerdings nicht, findet UBS-Regionaldirektorin Susanne Thellung. Die Finanzwelt sei immer noch eher männlich dominiert, und es gebe noch grosse Steine zu verschieben. «Die Vorurteile gegenüber Frauen sind in gewissen Altersgruppen noch immer vorhanden – dies wird sich wohl erst mit einem Generationenwechsel ändern.» In ihrer ganzen Laufbahn hat sie aber nie erlebt, dass sie sich stärker als ein Mann beweisen musste. Was zählte, war allein ihre Leistung, bei neuen Rollen bekam sie die Chance, reinzuwachsen. Dies war jedoch mit viel Einsatz verbunden. Wer in diesem Umfeld erfolgreich sein wolle, müsse die ungeschriebenen Gesetze eines Unternehmens kennen und wissen, worauf es ankommt, meint Thellung. «Das ist der Bereich, in dem Frauen oft noch Nachholbedarf haben.»

Etwas anders als in der Finanzwelt ist die Situation laut Maggie Rindlisbacher im Gesundheitswesen. «Im Spital sind sehr viele Frauen tätig, und die Diskriminierung von Frauen ist mir nie begegnet.» So sei der Frauenanteil auch in Führungspositionen hoch – anders als noch vor zehn Jahren. Obwohl Rindlisbacher nie eine Führungskarriere geplant hatte, ist sie nach und nach die Karriereleiter hinaufgestiegen. «Es brauchte neben Engagement auch ein Quäntchen Mut», sagt sie. «Dieser Mut fehlt Frauen leider ab und zu.»

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