Chefsache

Sollen juristische Personen die Kirchensteuern im Kanton Zug freiwillig bezahlen?

Die Frage ist teilweise verständlich, vor allem da sich die Kirche jüngst vermehrt zu politischen Fragen äusserte. Die Frage soll diskutiert werden, sie wird allerdings zur falschen Zeit gestellt, ist Harry Ziegler, Chefredaktor der Zuger Zeitung überzeugt.

Harry Ziegler
Drucken
Teilen
Harry Ziegler.

Harry Ziegler.

Bild: Stefan Kaiser

Diese Motion im Zuger Kantonsrat birgt Zündstoff. Die SVP-Fraktion und Mitunterzeichner aus der FDP verlangen, dass für juristische Personen die Bezahlung von Kirchensteuern nur noch freiwillig sein solle. Das Anliegen der bürgerlichen Parlamentarierinnen und Parlamentarier ist teilweise verständlich. Denn was die Landeskirchen mit ihren Stellungnahmen und Meinungen beispielsweise in der Abstimmung vom 29.November 2020 über die Volksinitiative «Für verantwortungsvolle Unternehmen – zum Schutz von Mensch und Umwelt» (Konzernverantwortungsinitiative) taten, war ja im Grunde nichts anderes als eine der Hände zu beissen, die sie füttern. Das wurde und wird vielfach weder goutiert noch verstanden.

Nur: Bereits einmal, 2005, wurde der Versuch unternommen, die Kirchensteuer im Kanton Zug für juristische Personen abzuschaffen. Das Ansinnen wurde vom Kantonsrat damals abgelehnt. Begründet wurde der Ablehnungsantrag der Regierung interessanterweise damit, dass juristische Personen als Arbeitgeber und Träger der Wirtschaft wichtige Kräfte der Gesellschaft seien, sie trügen einerseits zum Wohlstand der Bevölkerung bei. Andererseits hätten sie aber auch eine soziale und gesellschaftliche Mitverantwortung. Denn Folge ihrer Tätigkeit können soziale und gesellschaftliche Probleme sein. Probleme, zu deren Lösung, die Landeskirchen beitrügen. Die damalige Begründung hat heute nach wie vor Gültigkeit. Aktuell wohl mehr denn je.