CHEFSACHE: Tempo 30: Sinnloser Versuch?

Harry Ziegler, Chefredaktor
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Harry Ziegler, Chefredaktor Neue Zuger Zeitung (Bild: Stefan Kaiser (Neue ZZ))

Harry Ziegler, Chefredaktor Neue Zuger Zeitung (Bild: Stefan Kaiser (Neue ZZ))

Der Kanton Zug führt während fünf Monaten einen Versuch mit Tempo 30 auf der Grabenstrasse in der Stadt Zug durch. Erzwungenermassen. Das Bundesgericht hat nämlich eine Beschwerde von Anwohnern der Grabenstrasse gutgeheissen. Diese hatten geklagt, dass ein früheres Verkehrsgutachten des Kantons zu einem solchen Versuch das Potenzial der Lärmminderung durch Temporeduktion unterschätze. Heute gilt in der Grabenstrasse Tempo 50.

Gleichzeitig mit der befristeten Einführung von Tempo 30 wird die kantonale Baudirektion Lärm- und Luftmessungen vornehmen. Kosten dürfte der ganze Versuch, der von Mai bis längstens September dieses Jahres dauern soll, 250000 Franken. Gut, das Bundesgericht zwingt den Kanton zu diesem Versuch. Die Frage ist aber, ist dieser denn sinnvoll?

Fährt man als Pendler morgens über die Artherstrasse an der Einmündung Zugerbergstrasse in die Grabenstrasse ein und hat man das Pech, dass ab Oberwil die elektronische Busspur in Betrieb ist, dann ist ein solcher Versuch tatsächlich sinnlos. Dann kann man in der Grabenstrasse auch ohne Luft- oder Lärmmessung feststellen: Es ist laut, und es stinkt.

Ausserdem fährt wohl kein Automobilist – auch auf staufreier Grabenstrasse – mit Tempo 50. Zu gross ist die Gefahr, dass einem vor einem der Geschäfte jemand vors Auto rennt. Dennoch: Sinnlos ist dieser Versuch nicht. Einmal durchgeführt, wissen die Verkehrsplaner und Anwohner, wie die Situation mit dem Verkehr in der Grabenstrasse tatsächlich ist – und man könnte dann doch endlich, der Realität entsprechend, die Höchstgeschwindigkeit anpassen – nach unten.

Harry Ziegler, Chefredaktor

harry.ziegler@zugerzeitung.ch