«Cheschtänä-Igel»: «Chromstahl, Glas und auch Beton, ist der neue Modeton»

Die Walchwil Fasnachtspostille «Cheschtänä-Igel» greift die rege Bautätigkeit auf. Grossartig ist eine spektakuläre Dachs-Sichtung.

Raphael Biermayr
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Das Walchwiler Ortsbild wird gegenwärtig – noch mehr als sonst schon – von Kränen dominiert. Dies bekanntlich wegen des Doppelspurausbaus der SBB. Da will auch der «Cheschtänä-Igel» nicht hintanstehen und präsentiert sich auf dem Titelblatt der aktuellen Fasnachtszeitung an einem Kran baumelnd und mit einem Pylonen auf dem stacheligen Haupt.

Zum 115. Mal gibt der «Igel» Anekdoten des Vorjahrs zum Besten. Diesmal hat er anscheinend nicht allzu viele denkwürdige aufgeschnappt. Jedenfalls kommt die diesjährige Ausgabe etwas flach daher. Zum Glück kann er auf Stammpersonal bauen. Wie Christophe Lanz. Der Präsident des Militärschiessvereins Walchwil war schon letztes Jahr ein Sujet, als er beim Heimgehen vom Stierenmarkt den doch etwas weiteren Weg über den Ennetsee einschlug. Diesmal ist nach dem Schiesstag seine Jacke samt Wohnungsschlüssel unerreichbar, weshalb er eine Bettstatt sucht. Nach angeblich längerer Suche erbarmte sich der Vizepräsident des Militärschiessvereins Bruno Imfeld seiner. «Chrigi, der Tipp vom Igel hilft, ich will hoffen, lass doch künftig einfach deine Hütte offen…», kommentiert der «Cheschtänä-Igel» gewohnt schadenfroh.

Während der GV mit dem Göttibub am Essen

Ein anderer Vereinsmeier auf Abwegen ist Martin Moos. Der Theatermann wird an der Generalversammlung vermisst. Ein Anruf bringt die Antwort: Er hat die GV vergessen und isst mit seinem Göttibub. Schliesslich trifft er mit etwas Verspätung doch noch ein. «Mach nicht immer ein Theater», rät der «Igel». Was die Bautätigkeiten anbelangt, kann sich der Autor ebenfalls keinen Seitenhieb verkneifen:

«Nach Oberdorfstrasse und Doppelspur, kommt die grosse Konjunktur. Der allgemeine Glaubensschwur, lautet, weg mit der Natur! Wiesen, Bäume und auch Hecken, alles soll doch da verrecken. Chromstahl, Glas und auch Beton, ist der neue Modeton.»

Die Schweizerischen Bundesbahnen bekommen für ihre Informationsveranstaltung zum Ausbau der Doppelspur ebenfalls etwas zu hören vom «Igel». Die erste im Restaurant Aesch war dermassen überlaufen, dass viele auf dem Absatz kehrtmachten. Schliesslich beraumten sie eine zweite Veranstaltung im Gemeindesaal an. Dumm nur, dass die angegebene Adresse, die Dorfstrasse 23, zur Gemeindeverwaltung führt.

Mehr noch als der Zug spielt das Auto in der Gemeinde traditionell eine grosse Rolle. Wenn die gewohnten Gefilde dann mal verlassen werden, kann es heikel werden – besonders in der Grossstadt Zürich und deren absonderlichen Vorschriften. So sah sich eine Walchwiler Frauengruppe um die Coiffeuse Tamara Fassbind bei einem Ausflug vor verschlossenem Tiefgaragentor und musste in der Kälte ausharren, bis Hilfe kam. «Waldegg-Vrenis» sah sich beim Einkaufen im nahen Goldau mit einer leeren Batterie konfrontiert. Die Suche nach dem Überbrückungskabel im Kofferraum schlug fehl, ehe sie von einem Einheimischen eines erhielt. Zu Hause schliesslich öffnete sie den Kofferraum – und fand das eigene Kabel doch noch.

In Walchwil treibt ein Dach sein Unwesen

Zu einem Running Gag dürfte sich die Geschichte entwickelt haben, die Irene Hürlimann und Remo Heinrich erlebten. Die Pächter der Fyrabig-Bar wähnten sich eines Morgens von einem Dachs belagert, der scheinbar vor der Wohnungstür lag. Nach bangen Momenten und einem heldenhaften Zigarettenschachtelwurf stellt sich heraus: Es handelt sich um einen Hut, den Irene Hürlimann am Vorabend nach Hause trug. Ein gefundenes Fressen für den «Cheschtänä-Igel», der den beiden rät: «Gerne geb ich meinen Tipp zum Besten, Alkohol verkauft ihr gescheiter euern Gästen!»