Fässler gegen ziegler

Chrischtbaumcherzli – echt oder falsch?

Wie sollen Kerzen am Christbaum leuchten: brennend oder elektrisch.

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Andreas Faessler.

Andreas Faessler.

Wenn ich mir zu Weihnachten einen Baum ins Wohnzimmer stelle, dann kriegt der zwar eine elektrische Lichterkette. Diese lässt sich prima mit einer Schaltsteckdose verbinden, und sobald ich nach Hause komme und das Licht anmache, strahlt das Bäumchen quasi per Knopfdruck. Sehr praktisch und mit keinerlei Aufwand verbunden.

Aber: Ein Weihnachtsbaum mit echten Kerzen ist und bleibt für mich seit jeher ein Inbild höchster Nostalgie. Schon im Elternhaus hat man auf das natürliche, weiche Licht von Wachskerzen geschworen. Und stets am Abend war es diese eine besondere Minute voller Zauber und Glückseligkeit, wenn die Eltern eine Kerze nach der anderen anzündeten und schliesslich der ganze Baum in vollster Schönheit die Stube erhellte, sich die leicht wippenden Flämmchen in den spiegelglatten Kugeln spiegelten und die ganze glänzende Pracht zum Leben erwachte.

Dagegen wirkt eine elektrische Lichterkette monoton und statisch, ja gar kalt. Das Drücken auf den Lichtschalter ist nicht im Geringsten zu vergleichen mit dem rituellen Entzünden der Wachskerzen. Dass ich mich zu Hause für die elektrische Variante entschieden habe, ist wohl meiner Bequemlichkeit geschuldet – und meiner latenten Pyrophobie.


Harry Ziegler

Harry Ziegler

Ein Christbaum mit Kerzen– das wäre schon schön und traditionell. Kerzen in trockenen Tannen wurden aber in unserer Familie schon früh abgeschafft. Der Sicherheit wegen. Verwendet wurden statt brennenden Kerzen elektrische Lichtergirlanden, die zwar auch schön aussahen, aber für wenig weihnachtliche Gefühle sorgten. Denn: Meine Familie war eine gebrannte.

Dass die Wachskerzen abgeschafft wurden, war damals unserem Hund zu verdanken. Verfressen wie er war, stürzte er sich am Abend der Heiligen Nacht auf den Baum, an dem Wachskerzen leuchteten und Schokolädchen und andere offenbar den Hundeappetit anregenden Leckereien hingen, und brachte diesen mitten in der Stube zu Fall.

Hätten wir nicht, Ratschläge der Brandverhüter sei Dank, einen Eimer Wasser bereitgestellt gehabt, unser Hund hätte wohl den gesamten Haushalt, sicher aber das Wohnzimmer abgefackelt.

Seither habe ich immer Hunde gehabt, im Laufe der Zeit sind dann noch Kinder hinzugekommen – es hat sich irgendwie nie die Gelegenheit geboten, wieder echte Kerzen am Heiligen Abend zu entzünden. Ich habe mich zwar mittlerweile an die elektrischen Girlanden gewöhnt, bewundere aber noch immer die mit reichlich echten Kerzen geschmückten Bäume.