Corona-Virus: Zuger Schulen und Gemeinden sind gefordert

Wegen der rasanten Ausbreitung des Corona-Virus müssen der Fernunterricht sowie Notbetreuungsangebote aufgegleist werden.

Zoe Gwerder
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Verwaiste Pausenplätze wie dieser des Schulhauses Guthirt werden in den kommenden Wochen zum Alltag gehören.

Verwaiste Pausenplätze wie dieser des Schulhauses Guthirt werden in den kommenden Wochen zum Alltag gehören.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 13. Dezember 2019)

Was lange in der Schweiz als keine Massnahme gegen das Corona-Virus galt, schlug am Freitagnachmittag wie eine Bombe ein: Der Bundesrat lässt die Schulen vorerst bis 4. April schliessen. Wie der Zuger Regierungsrat kurz darauf konkretisierte, bedeutet dies im Kanton Zug, dass Fernunterricht stattfindet und die schulergänzende Betreuung eingestellt wird. Es wird an ihrer Stelle eine Notbetreuung angeboten, die in erster Linie Personen in Berufen, die zur Bewältigung der Corona-Krise benötigt werden, zur Verfügung steht.

«Die Gruppe der zu Betreuenden muss kleiner werden», erklärt Bildungsdirektor Stephan Schleiss. Nur so nütze auch die Massnahme der Schulschliessung. Es sei jedoch wichtig, dass nun nicht die Grosseltern auf die Kinder aufpassten, sondern die Betreuung anders organisiert werde. Geöffnet bleiben dürfen hingegen die Kinderkrippen. Gemäss dem für die Betreuungsangebote zuständigen Direktor des Innern, Andreas Hostettler, ist es aber nicht erlaubt, dass nun grössere Kinder plötzlich in Kitas betreut werden.

Für die Eltern bedeutet dies, dass sie sich bezüglich Betreuung mit Nachbarn oder Freunden aushelfen müssen. «Aber auch die Arbeitgeber sind in der Pflicht, hier Lösungen zu finden», erklärt Hostettler. Ab Montag werden diese die Möglichkeit haben, zeitlich begrenzte, sogenannte Pop-up Betreuungsangebote bei den Gemeinden anzumelden.

Schulen sind grösstenteils parat für den Unterricht ohne Präsenz

Der Fernunterricht sowie die Notbetreuung müssen nun von den Gemeinden und Schulen bis Mittwoch aufgegleist werden. «Grundsätzlich mussten wir damit rechnen, dass es so weit kommt», erklärt der Rektor der Stadtschulen Zug Urs Landolt. «Dass die Schulschliessung jedoch am Freitag kommuniziert wurde und ab Montag gilt, ging schon etwas schnell.» Die Schulen im Kanton Zug wussten seit Ende Februar, dass sie sich für ein solches Szenario vorbereiten müssen. «Unser Konzept ist parat und wird am Montag mit der Schulleitung konkretisiert und umgesetzt.» Dieses sehe vor, dass der Fernunterricht je nach Stufe unterschiedlich gehandhabt werde.

«Alle Schüler ab der fünften Primarklasse konnten wir am Freitag instruieren, ihre Laptops nach Hause zu nehmen.» Diese Schüler werde man online unterrichten. «Bei den unteren Klassen stellten die Lehrer sicher, dass sie von allen die aktuelle E-Mail-Adresse und Telefonnummer haben.» Für diese gebe es das Schulmaterial physisch. Dabei werde auch definiert, wie viel des Stoffes bis wann gemacht werden solle und wie die Resultate an die Lehrer zurückgehen würden. Die Eltern müssten hierbei aber nicht mehr leisten, als bei normalen Hausaufgaben. «Die Schüler sollten den Stoff selbstständig lösen können», betont Landolt.

Zug rechnet mit unwissenden Eltern

In der Stadt Zug ist Stadträtin Vroni Staub für die Bildung zuständig. Sie ist derzeit mit dem Aufgleisen der Notbetreuung beschäftigt. «Wir haben gemeinsam mit dem Kanton nun eine Liste mit Kriterien erarbeitet, mit welcher wir systemrelevante Berufe definieren.» Zudem sei man auch bereit für Notfälle – beispielsweise für Alleinerziehende ohne soziales Umfeld. Die Notbetreuung muss bis Mittwoch bereit sein. «Wir sind schon weit. Denn sowohl Infrastruktur wie auch Essen können wir von den nun eingestellten Betreuungsangeboten übernehmen.»

Straub rechnet jedoch damit, dass erste Kinder bereits am Montagmorgen vor der Schule stehen. «Es kann sein, dass es Eltern gibt, die nichts von der Schliessung wissen oder sich weigern, die Kinder Zuhause zu behalten. Die müssen wir auffangen und betreuen», so Straub. «Steht ein Kind fast alleine vor einer leeren Schule, kann dies Ängste auslösen.» Man werde als Erstes versuchen, die Eltern zu erreichen. «Wir schicken aber kein Kind nach Hause, ohne zu wissen, dass es dort weiter betreut wird.»

Kinderkrippen entscheiden täglich neu

In Sachen Kindertagesstätten geht der Kanton Zug ebenfalls nicht weiter als der Bund. Wie lange diese offen bleiben würden, sei jedoch ungewiss, wie Regierungsrat Andreas Hostettler sagt. «In einem nächsten Massnahmenpaket werden diese wohl ebenfalls geschlossen werden müssen», so Hostettler. «Denn was wir heute entscheiden, wirkt sich je nach Massnahme erst verzögert auf den Verlauf der Pandemie aus.»

Ob eine Kita ihre Betreuung weiter anbietet, entscheidet jedoch jede Organisation für sich. Die grösste Organisation in Zug, die Kibiz hat beschlossen, die Krippen vorerst geöffnet zu lassen. Kibiz-Präsidentin Karen Umbach sagt: «Wir werden die Situation von Tag zu Tag neu beurteilen».

Informationen zu den Schulen, sowie zur Notbetreuung der Gemeinden werden auf deren Internetseiten publiziert.