Grosseinsatz auf der Intensivstation im Zuger Kantonsspital wegen Coronavirus

Die Coronavirus-Pandemie ist für die Mitarbeitenden und die Infrastruktur im Zuger Kantonsspital eine grosse Herausforderung.

Sonja Metzger*
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Eine Tracheotomie (Luftröhrenschnitt) wird bei einem Covid-19-Patienten durchgeführt.

Eine Tracheotomie (Luftröhrenschnitt) wird bei einem Covid-19-Patienten durchgeführt.

Bild: Reto Ackermann/Zuger Kantonsspital

Das Zuger Kantonsspital und die Andreas Klinik Cham Zug erarbeiteten gemeinsam ein Konzept, um genügend Kapazitäten für die Spitalbehandlung von möglichen Covid-19-Patientinnen und -Patienten zu schaffen. Die vereinbarten Massnahmen beinhalten unter anderem, dass bei Bedarf Patientinnen und Patienten, Personal sowie Material zwischen den beiden Kliniken verschoben werden können.

Das Ärzte- und Pflegefachpersonal auf der Intensivstation des Zuger Kantonsspitals behandelt Covid-19-Patienten, bei denen die Krankheit einen kritischen Verlauf nimmt. Obwohl die Behandlung lebensbedrohlich erkrankter Patienten zum Alltag auf der Intensivstation gehört, stellt der unvorhersehbare und sich rasch verändernde Verlauf dieser neuen Krankheit die Spezialisten des Kantonsspitals vor neue Herausforderungen.

Die meisten Covid-19-Patienten müssen beatmet werden. Bei vielen kommen neben dem Lungenversagen zusätzliche Organfehlfunktionen dazu, eine Besserung stellt sich oft nur sehr langsam ein. Die Herausforderung in der Beatmung der Patienten liegt darin, die schwer geschädigten Lungen nicht weiter zu gefährden. Um dem Körper den nötigen Gasaustausch zu gewähren, werden hochsensible Beatmungsgeräte benötigt, die von spezialisiertem ärztlichem und pflegerischem Personal bedient werden müssen. Ausserdem kommen spezielle Lagerungen wie beispielsweise die Bauchlage zum Einsatz. Diese Umlagerungen sind sehr personalintensiv, so werden für eine Umlagerung bis zu sechs Mitarbeitende für einen einzigen Patienten benötigt.

Die zusätzlich geschaffene Covid-19-Intensivstation in Zug.

Die zusätzlich geschaffene Covid-19-Intensivstation in Zug.

Bild: Reto Ackermann/Zuger Kantonsspital

Zusätzliche Intensivstation für Covid-19-Patienten

Zur Bewältigung der erwarteten hohen Patientenzahl mussten in kurzer Zeit neue Beatmungsplätze geschaffen werden. Hierfür wurde die Überwachungsstation, in der bisher Patienten unmittelbar nach Operationen überwacht wurden, in eine zweite vollwertige Intensivstation mit zusätzlichen Beatmungsplätzen umfunktioniert. Die notwendigen technischen Anpassungen konnten dank des Einsatzes der Mitarbeitenden aus dem Institut für Anästhesie und Intensivmedizin, dem technischen Dienst und der Informatikabteilung realisiert werden.

Severin Urech, Chefarzt Institut für Anästhesie und Intensivmedizin: «Die hohe Zahl zu behandelnder Patienten einerseits und der Schweregrad der Erkrankung andererseits machen es nötig, dass Fachärzte und Pflegefachpersonen aus verschiedenen Bereichen, die sonst nur wenige Berührungspunkte haben, nun sehr eng unter nahezu vollständiger Auflösung der Bereichsgrenzen zusammenarbeiten.»

«Der Einsatz, der täglich von unseren Mitarbeitenden unter diesen sehr fordernden Umständen erbracht wird, ist riesig und darf nicht als selbstverständlich erachtet werden.»

Viel schwieriger als die Schaffung der technischen Voraussetzungen war es jedoch, die zusätzlich benötigen Fachkräfte bereitzustellen, denn die Behandlung von Covid-19-Patienten, die eine Beatmung benötigen, ist personell sehr aufwendig und fachlich anspruchsvoll. Hochspezialisiertes Personal für die Intensivstation ist innert so kurzer Zeit kaum zu rekrutieren. Bereits sehr früh wurde deshalb internes Ärzte- und Pflegefachpersonal aus anderen Bereichen entsprechend geschult und auf den Einsatz auf der Intensivstation vorbereitet.

Intensivstation mit Experten verstärkt

Es handelte sich dabei primär um Pflegefachkräfte und Fachärzte der Anästhesie, die üblicherweise die Patienten bei den Operationen betreuen sowie vereinzelte Pflegefachpersonen aus anderen Bereichen. Sie alle wurden bis anhin nur selten oder gar nicht auf der Intensivstation eingesetzt, kennen jedoch die hausinternen Prozesse und Ansprechpersonen und sind somit eine ideale Ergänzung.

Verstärkt wurde das Team der Intensivstation zudem durch Experten in Intensiv- und Anästhesiepflege sowie Anästhesieärzte der Hirslanden Andreas Klinik Cham Zug und des Luzerner Kantonsspitals. Nur dank der ausserordentlichen Flexibilität und des grossen Einsatzes aller Involvierten sowie der Einführung des Zwölf-Stunden-Schichtbetriebs war es schliesslich möglich, das benötige Personal rechtzeitig bereitzustellen.

Physisch und psychisch belastende Arbeiten

Die interdisziplinären Covid-19-Teams müssen mit einer ausserordentlich kurzfristigen Arbeitsplanung in gemischten Teams zurechtkommen. Hinzu kommt, dass das Virus hoch infektiös ist, das heisst, die Mitarbeitenden müssen in einer Schutzausrüstung bestehend aus Schutzbrille, Mundschutz, virendichtem Mantel und Handschuhen arbeiten.

Der mit der Eröffnung der zweiten Intensivstation eingeführte Zwölf-Stunden-Schichtbetrieb, das Arbeiten in Schutzausrüstung, die nicht vorhersehbaren Krankheitsverläufe der Patienten sowie der Anspruch jedes einzelnen Mitarbeitenden, alle Patienten optimal betreuen zu können, bedeuten physisch und psychisch eine sehr hohe Belastung für das Team. Maggie Rindlisbacher, Gesamtleiterin Pflege/Therapien des Zuger Kantonsspitals, sagt:

«Die äusserst komplexe Behandlung dieser schwerstkranken Patienten, die Arbeit in Schutzkleidungen sowie die temporär eingeführte Zwölf-Stunden-Schicht stellen höchste Ansprüche an unsere Mitarbeitenden.»

«Die Teams unterstützen sich gegenseitig enorm. Sie schöpfen Kraft aus Erfolgsmomenten. So konnte letzte Woche der erste Patient von der Intensivstation auf die Normalstation verlegt werden. Für diesen ausserordentlichen und grossartigen Einsatz haben alle involvierten Mitarbeitenden ein grosses Lob verdient», sagt Maggie Rindlisbacher.

*Sonja Metzger ist Leiterin Marketing im Zuger Kantonsspital.

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Bereits Mitte März haben die beiden Zuger Akutspitäler, das Zuger Kantonsspital und die Hirslanden Andreas Klinik, eine enge Zusammenarbeit bei der Corona-Pandemie beschlossen. Diese Zusammenarbeit hat sich gut eingespielt und die angestrebten Ziele wurden erreicht.