Coronainfizierte aus Cham: «Ich habe diese Situation unterschätzt»

Positiv getestete Menschen werden im Kanton Zug von der Lungenliga Zentralschweiz kontaktiert. Das Contact-Tracing wird ausgeweitet.

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Der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister (zweiter von rechts) dankt den Mitarbeitern der Lungenliga Zentralschweiz: Matthias Moritz, Lucia Stöckli und Brigitta Arnold (von links).

Der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister (zweiter von rechts) dankt den Mitarbeitern der Lungenliga Zentralschweiz: Matthias Moritz, Lucia Stöckli und Brigitta Arnold (von links).

Bild: PD

(mua) Anica Musto aus Hagedorn und ihre Familie waren alle mit dem Coronavirus infiziert. Am 19.März seien erste Grippesymptome beim Ehemann aufgetaucht, drei Tage später bei Anica Musto und nochmals drei Tage später erkrankten die beiden erwachsenen Töchter, schreibt die Lungenliga Zentralschweiz in einer Mitteilung. Darin beschreibt die Organisation, wie eine von Covid-19 betroffene Familie die Zeit in der Selbstisolation erlebte.

Denn die Betroffenen leben gemeinsam im selben Haushalt und alle litten während etwa zweier Wochen unter den Krankheitssymptomen wie starken Muskelschmerzen, mittelhohem Fieber, heftigen Kopfschmerzen, grosser Müdigkeit, keinem Geschmacksinn und trockenem Husten. Der Ehemann von Anica Musto hatte zudem länger andauerndes, hohes Fieber und musste mit einer Lungenentzündung ins Spital eingeliefert werden. Glücklicherweise besserte sich sein Zustand rasch und er konnte nach drei Tagen wieder nach Hause zurückkehren.

Keine Kraft und keinen Appetit

«Kaum ging es uns wieder einen Tag besser, kam tags darauf ein Rückfall. Wir alle hatten praktisch keine Kraft um aufzustehen und keinen Appetit auf das Essen. Es dauerte lange, bis wir uns wieder einigermassen gesund fühlten. Ich habe diese Situation unterschätzt» erzählt Anica Musto. «Dazu kommen noch die Machtlosigkeit und der seelische Druck.»

Bereits am ersten Tag der Isolation zu Hause habe sich eine Lungenliga-Mitarbeiterin telefonisch bei ihnen gemeldet und gefragt, wie es ihnen gehe. Danach habe die Mitarbeiterin regelmässig angerufen. ««Sie gab zusätzliche Unterstützung und hilfreiche Informationen bei verschiedenen anderen Problemen.»

Es hat einfach der Seele gutgetan, zu wissen, jemand ist immer da», erklärt die Hagendornerin.

Für Sie sei das eine grosse Unterstützung gewesen, schreibt die Lungenliga. Auch die Nachbarn halfen unkompliziert und besorgten Einkäufe und Medikamente. Anica Musto sei sehr dankbar für diese Erfahrungen. Der Familie geht es inzwischen besser und Musto begann am Montag wieder in Teilzeit zu arbeiten.

Mehr Kontaktpersonen sollen in Quarantäne

Seitdem der erste Fall im Kanton Zug am 3. März bestätigt wurde, ist das sogenannte Contact-Tracing ein grundlegender Teil der Bekämpfungsmassnahmen des Kantons, heisst es von Seiten der Gesundheitsdirektion. Durch das Contact-Tracing können alle Personen, die engen Kontakt zu infizierten Personen hatten, identifiziert werden. Diese Kontaktpersonen werden aufgefordert, sich unverzüglich in ihren Wohnungen unter Quarantäne zu stellen und keinen physischen Kontakt zu Personen ausserhalb ihres Haushalts aufzunehmen. Bisher werden alle bestätigten Fälle sowie die engen Kontaktpersonen auf diese Art kontaktiert.

In der Folge der Strategieanpassung des Bundes wird dieser Personenkreis nun ausgebaut: Ab sofort werden auch Personen ohne positiven SARS-CoV-2-Test, die aber auf Grund der klinischen Befunde eines Arztes als Verdachtsfälle gelten, entsprechend kontaktiert. Zudem wird der Kreis der Kontaktpersonen erweitert. Kantonsarzt Rudolf Hauri erklärt:

«Bisher haben wir uns vor allem auf Personen aus dem gleichen Haushalt konzentriert – dies wird nun wieder ausgeweitet, etwa auf Arbeitskolleginnen und -kollegen, die in direktem und engem Kontakt zu Infizierten standen.»

Die Personen in Selbstisolation werden in der Regel während zehn Tagen kontaktiert. Die Abklärungen werden von der Lungenliga Zentralschweiz vorgenommen. «Durch die täglichen Telefonate können wir sicherstellen, dass die sozialen Kontakte der Personen in Isolation aufrechterhalten werden», ergänzt Gesundheitsdirektor Martin Pfister.

Der Bund hat zudem die Testkriterien angepasst: Neu werden alle Personen getestet, welche Symptome der Krankheit Covid-19 zeigen. Die bisherigen Testkapazitäten reichen auch nach der Ausweitung aus, versichert die Gesundheitsdirektion. Nach wie vor gilt: Der Test wird auf Anordnung des Hausarztes durchgeführt.