Coronakrise: Die vergessenen Kinder Gottes

Lesermeinungen zur aktuellen Coronapandemie und ihren Auswirkungen

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Es ist gut, dass die Exekutiven beim Kanton und Bund in der Krise so schnell reagieren. Aber nun kommen sie ins Stocken. Und zugleich finde ich, sind die Entscheide nicht mehr weitsichtig. Nun haben die Parlamentarier in Bern 65 Millionen Franken Hilfe für die Kitas bewilligt. Grundsätzlich finde ich es gut, dass man hilft. Aber was nützt es, wenn viele Geschäfte schliessen müssen, deren Angestellte nun zu Hause sind, die Kinder selber hüten können?

Die aktuellen Arbeitslosenzahlen zeigt die prognostizierte Tendenz. Ich bin überzeugt, dass die Krise noch lange nicht überstanden ist und die Zahl noch weiter steigt. Darum sollte das Geld zuerst dort angelegt werden, wo die Hilfe wirklich Sinn macht und auch nachhaltig ist. Auch vom Kanton erhoffe ich mehr Solidarität gegenüber den Kleinunternehmer und Selbstständigen. Für unsere Region ist es wichtig, dass die Firmen erhalten bleiben. Es gibt viele welche gerade ums Überleben kämpfen oder gar kapitulieren müssen. Es braucht schnelle Hilfe. Durch das Notrecht vom Bund hatten sie keine Chance zu reagieren. Was bei einer Wirtschaftskrise möglich wäre. Der Kanton hat die Mittel, um den Firmen zu helfen.

Patrick Iten, Kantonsrat CVP, Oberägeri


Es ist erstaunlich und befremdend, dass bei der Lockerung der Coronamassnahmen die Kirchen – im Gegensatz zu Deutschland! – trotz entsprechender Vorschläge überhaupt kein Thema waren, obwohl Gottesdienste vielen Menschen gerade in dieser Zeit Halt und Kraft geben könnten. Nach einem oftmals einsamen Tod folgt für viele solchermassen zumeist auch kein würdiger Abschied. Angesichts der gerne spöttisch erwähnten leeren Kirchen könnte das Platzproblem ebenso wie in andern Bereichen mit den entsprechenden Vorkehrungen (ohne finanzielle Folgen!) auch im Sinne einer gerechten Gleichbehandlung sicherlich zufriedenstellend gelöst werden. Nach Karfreitag und Ostern sollen nun wohl auch Auffahrt und Pfingsten gestrichen werden! Gott hat seinen Platz offenkundig nur noch in der Präambel der Bundesverfassung, jedoch keine Lobby in Bern (hat sich die CVP vom C bereits verabschiedet?)!

Positiv zu vermerken ist, dass die LZ/ZZ das Thema – im Gegensatz zu den Hofberichterstattern Tamedia und Ringier! – behandelt hat!

Rudolf Kleiner, Cham


Der Bundesrat hat allen Schweizerinnen und Schweizer Verhaltensregeln zur Vermeidung von Corona-Ansteckungen vorgegeben. Er hat auch beschlossen, die Schulen wieder zu öffnen – wobei die Sicherheitsmassnahmen einzuhalten sind. Wie dies praktisch durchführbar ist, das hat er den Schulen bzw. den Lehrpersonen überlassen.

Wie sollen Abstände von 2 Metern in Klassenräumen mit 20 und mehr Jugendlichen organisiert werden? Wie soll dies in einer Kindergartenklasse möglich sein, dort wo die Kindergartenlehrperson oft auch tröstende Betreuerin ist? Bei Einkaufsläden bestehen Vorschriften wie viele Personen sich auf welcher Fläche aufhalten dürfen, aber bei Schulen scheint dies nicht zu gelten ...

Kinder können Viren auch nur weiter geben, ohne dass sie selber Krankheitssymptome zeigen.

Wieso hat der Bundesrat die Eltern nicht auch darauf hingewiesen, dass Kinder nicht in die Schule geschickt werden dürfen, wenn es in der Familie oder in deren Umfeld zu einer Ansteckung gekommen ist, und dass betroffene Lehrpersonen bzw. Kinder und deren Eltern informiert werden müssen. Das Gleiche gilt auch für die unterrichtenden Lehrpersonen.

Sollte es nach der Schulöffnung zu Ansteckungen von Lehrpersonen, von Kindern oder deren Eltern kommen, müssten die dann nötigen Massnahmen bereits jetzt bekannt sein.

Dass Kantone mit Unterricht in Halbklassen beginnen ist nachvollziehbar, sind so doch praktische Hygienemassnahmen eher durchführbar – und wenn nötig von den Lehrpersonen auch durchsetzbar. Obschon es im Kanton Zug wenige Ansteckungen gibt, wäre am Anfang der Halbklassenunterricht vorsichtiger gewesen.

Lehrpersonen, die zur Risikogruppe gehören, können sich zwar vom Unterricht dispensieren lassen – doch wie viele Lehrpersonen werden dies wider besseres Wissen nicht tun. Dabei ist praktisch allen Lehrpersonen klar, dass die vom Bundesrat vorgegeben Sicherheitsabstände im Klassenunterricht weder eingehalten noch kaum durchgesetzt werden können. Und welche Möglichkeiten hat die Lehrperson, wenn sich jemand nicht an die Vorgaben hält?

Die Lehrerinnen sind seit Tagen mit viel Einsatz am Organisieren. Sollten sie merken, dass die Unterrichtsbedingungen nicht den vorgegebenen Sicherheitsbedingungen entsprechen, sollten sie sich rasch an die verantwortlichen Leitungen wenden und sich gegebenenfalls auch dispensieren lassen. Studierende der Pädagogischen Hochschule könnten dafür eingesetzt werden.

Markus Kehrli, Steinhausen


Kurz nach Beginn der Coronakrise wurde unter vielen andern Massnahmen, insbesondere den über 65-Jährigen, empfohlen, zu Hause zu bleiben. Dies sei kein Verbot, sondern nur eine Empfehlung, antwortete unserer Corona-Fachperson Daniel Koch, als man ihn diesbezüglich gefragt hat.

In der Zeit dieser Krise ist immer wieder negativ über die ältere Generation gesprochen worden. Da gab es Bemerkungen, die so weit gingen, «dass es eigentlich wenig Sinn mache, ältere Semester, die den Virus bekommen haben, mit teuren Lebenserhaltungsbehandlungen am Leben zu erhalten». Oder, die sind ja so oder so in einem Alter, wo sie wegsterben.

Es ist mir so rüber gekommen, wie wenn «der Mohr seine Arbeit getan habe, der Mohr kann gehen. Man darf nicht vergessen, dass es in der Schweiz 18,7 Prozent Menschen gibt, die über 65-jährig sind, dies bei einer Bevölkerungszahl von 8,57 Millionen. Wir haben die Vogelgrippe, die Schweinegrippe und den Rinderwahnsinn erlebt, wir ältere Semester haben aber nie über die damals ältere Generation so gesprochen, wie wir dies in der heutigen Zeit erleben dürfen.

Ich, meine Familie und sehr viele Freunde von mir haben sich dem solidarischen Aufruf des BAG gebeugt, das eigene Heim mehr oder weniger vorläufig nicht mehr zu verlassen. Was eingeschränkte Bewegungsfreiheiten für uns bedeutet (wie für viele Mitmenschen in allen Altersklassen), hat vermutlich fast jeder erfahren. Wir haben zum grössten Teil über 45 Jahre gearbeitet, zum Teil mehr als die normalen gesetzlichen Arbeitsstunden. Viele Jahre ohne Bewegungseinschränkung und ohne Gebote (ausser den kirchlichen). Für uns war und ist die Bewegungseinschränkung mehr als nur belastend, und ich hoffe, dass dieser Kelch endlich vorübergehen mag.

Auf welchen Fakten die Grenze 65 Jahre beruht, dafür kann nicht nur die Altersfrage als Grundlage dienen. Es ist vielmehr so: Hätte man die Grenze bei 60 oder noch früher angesetzt, hätte man der Wirtschaft noch mehr geschadet. Bei uns ist dies ja kein Problem, wir haben ja die AHV. Jeder kann sich selber zusammenreimen, wo gespart worden ist und für welches Kässeli. Nur schon der Gedanke daran ist verwerflich.

Jetzt wird empfohlen, dass Senioren sich freier bewegen dürfen, aber mit Vorsicht. Ich halte dazu fest: Ich bin davon überzeugt, dass nicht die älteren Semester den Virus in die Schweiz gebracht haben, sondern die jüngeren Semester, also die Besucher beispielsweise des Skigebietes Ischgl, eines der Viren-Pandemiezentren. Es wird nicht bekanntgegeben, welche Generationen nach wie vor auf den Virus positiv getestet werden, die die Empfehlungen des BAG immer noch nicht oder nicht mehr einhalten. Wenn ja alle die Empfehlungen einhalten würden, würde die tägliche Zahl ja nicht wieder neu steigen, wie z.B. auch in China. Wie gross der Anteil der über 65-jährigen bei den Neuansteckungen ist, von dem redet niemand, weil die Zahlen mehr als Negativ zu Lasten der jüngeren Generationen sprechen würden. In dieser Zeit der mehr als nur beanspruchten Solidarität versammeln sich mehr als 100 National- und Ständeräte und «feiern» eine intensive Session, die ich am Fernsehen vollumfänglich verfolgt habe. Da fragen wir uns schon, wurden da auch Bussen verteilt oder gelten für diese Volksgruppe andere Beurteilungen. Ebenfalls demonstrierten in Bern, Zürich, St.Gallen und Basel mehrere hundert Menschen gegen die Massnahmen im Zusammenhang mit der Coronapandemie. Es sind zwar Verhaftungen und somit sicher auch Bussen ausgesprochen worden. So wie ich dies aus den vergrösserten Bildern der Presse ersehen konnte, waren die über 65-Jährigen nur sehr schwer, wenn überhaupt, zu finden.

Die sehr negativen Bemerkungen über unser Alter, über unsere Zeit auf Erden, haben mich mehr als nachdenklich gemacht. Es ist ein Verhalten, das zum Davonlaufen animiert, aber eben das dürfen wir ja nicht.

Franz P. Iten, alt Kantonsrat, Unterägeri