Coronamassnahmen
Ab der 4. Klasse sollen die Zuger Schüler zum Spucktest

Neuen Massnahmen nach werden Reihentests im Kanton Zug auf die Primarschule ausgeweitet. Hintergrund sind steigende Infektionszahlen auf jener Stufe.

Vanessa Varisco
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Die Massnahmen, die im Kanton Zug seit den Sportferien auf Sekundarstufe gelten, greifen bald auch bei Primarschülern.

Die Massnahmen, die im Kanton Zug seit den Sportferien auf Sekundarstufe gelten, greifen bald auch bei Primarschülern.

Symbolbild: Moritz Hager (2. Februar 2021)

Laden Bildungs- und Gesundheitsdirektion zur Medienkonferenz, so werden seit Ausbruch der Pandemie meist Coronamassnahmen an Schulen verkündet. So war es denn auch am Mittwochmorgen, 24. März. Bekanntgabe: Die Spucktests werden auf die Primarstufe ausgeweitet. Neu sollen ab Montag nach der Karwoche alle Schüler ab der 4. Klasse wöchentlich selbst eine Spuckprobe abgeben. Ausserdem auch alle erwachsenen Personen in deren Bildungsumfeld, sprich Lehrerinnen, Hausmeister und Betreuer, die im schulergänzenden Programm Kontakt mit den Kindern haben.

«Für die 1. bis 3. Klasse wären Reihentests nicht verhältnismässig», zeigt sich Bildungsdirektor Stephan Schleiss überzeugt. Ausserdem stecken logistische Überlegungen dahinter. Der Aufwand würde massgeblich steigen, würde man 1. bis 3. Klassen ebenfalls systematisch testen.

Epidemiologische Lage hat sich verschärft

«Wir machen uns Sorgen», gibt Gesundheitsdirektor Martin Pfister anlässlich der Medienkonferenz zu. Sorgen über die schweizweit und kantonal steigenden Infektionszahlen. Wie überall in der Schweiz sind auch in Zug die Mutationen von Covid-19 vorherrschend. Wie Kantonsarzt Rudolf Hauri bestätigt, handelt es sich ausschliesslich um die britische Variante, die im Kanton Zug Einzug hält. Rund 70 bis 90 Prozent aller Erkrankten sind mit der Mutation infiziert. 

Allerdings gebe es nicht nur Grund zur Sorge, denn die Impfungen würden im Kanton Zug gut vorankommen. Pro Tag würden ungefähr 350 Personen geimpft werden, weiss Hauri. Ausserdem gebe es viele Ärzte, die motiviert seien, mehr Dosen zu verimpfen. 

Pfister wagt denn auch den Blick in die Zukunft. Seinen Prognosen zufolge sollen bis Ende April alle besonders gefährdeten Personen geimpft sein, bis Juni Pflegepersonal, Ärzte und Angehörige ähnlicher Berufsgattungen und bis im September alle Impfwilligen des Kantons. «Dann können die Massnahmen weitgehend gelockert werden», prognostiziert Pfister. 

Gründe für diese Massnahmen gibt es verschiedene. Einen Epidemiologischen erläutert Kantonsarzt Rudolf Hauri: «Rund 13 Prozent der Coronafälle im Kanton betreffen Bildungsinstitutionen, 8 Prozent kommen aus den Primarstufen.» Kinder der Primarstufe sind damit häufiger Träger als jene der Oberstufe. Ausserdem stehen Kinder der unteren Stufen in näherem Kontakt mit dem familiären Umfeld, was eine Ansteckung wahrscheinlicher macht. «Die Reihentests sind ein sehr einfaches und effektives Mittel, um Infektionsketten zu unterbrechen», betont Hauri. Das bestätigt auch Schleiss:

«Bei den Spucktest ging es uns nie darum, möglichst viele Ansteckungen zu entdecken, sondern Infektionsketten zu unterbrechen.»

Von Erfolg an Sekundarstufe bestärkt

Was gelungen ist, wie die Verantwortlichen untermauern. Seit den Sportferien mussten auf der Oberstufe der gemeindlichen Schulen, Privat- und Sonderschulen sowie an den kantonalen Mittelschulen keine Klassen geschlossen werden. Denn wer an den Reihentests teilnimmt, ist von der Pflicht, sich in Quarantäne zu begeben, ausgenommen. «Damit konnte das Ziel, einen möglichst ungestörten Präsenzunterricht zu gewährleisten, auf der Sekundarstufe erreicht werden», so Schleiss.

Als Nebeneffekt sind auf dieser Stufe zum Beispiel auch Berufswahlveranstaltungen wieder möglich. Und obwohl sich zu Beginn Eltern gegen die Spucktests aussprachen, ist die Teilnahmequote hoch: 99 Prozent der Schüler geben Spuckproben ab. Die Möglichkeit, sich von den Tests dispensieren zu lassen, nutzt damit nur 1 Prozent. «Das zeigt, dass die Reihentests einem Bedürfnis entsprechen», ist der Bildungsdirektor überzeugt.

Tests sind auch auf Primarstufe obligatorisch

Diese Erfolge bewegten Bildungs- und Gesundheitsdirektion dazu, die Massnahmen an Schulen weiter auszudehnen. Denn die Situation in Primarklassen ist weitaus weniger rosig als die in den Sekundarstufen.

So wurde allein in der letzten Woche (Kalenderwoche 11) bei 35 Schülerinnen und Schülern der Primar- und der Kindergartenstufe eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt. Seit dem Schulbeginn nach den Sportferien mussten 105 Schülerinnen und Schüler dieser Schulstufen in Quarantäne geschickt werden. Insgesamt wurden fünf Klassen in Quarantäne geschickt. «Isolationen und Quarantäne stören den Schulbetrieb, das ist längst bekannt. Mit Reihentests kann das verhindert werden», so Schleiss.

Gleich wie auf der Sekundarstufe werden die Tests auch in Primarklassen obligatorisch sein. Eine Dispens kann aber auf dieser Stufe ebenfalls eingereicht werden. Auf Sekundarstufe wurde dieses Mittel gemäss Schleiss teils genutzt, weil die Eltern eine impfkritische Haltung zeigten und Spucktests als Vorstufe für einen Impfzwang werteten oder weil man generell staatskritisch eingestellt war und befürchtete, die Regierung würde mit den Resultaten der Tests Massnahmen legitimieren.

Weiterhin keine Maskenpflicht

Über die Effektivität der Massnahmen soll vor den Frühlingsferien ein erstes Mal Bilanz gezogen werden. Ziel bleibe, die Schulen offen und die Infektionsrate tief zu halten, so Schleiss. Ausserdem kann durch Reihentests auf der Primarstufe weiterhin von einer Maskenpflicht abgesehen werden.