Coronapandemie
Die Zuger verspüren Fernweh: Buchungsanfragen in den Reisebüros haben merklich zugenommen

Oft bleibt es allerdings bei Anfragen – zu gross ist die Unsicherheit. Allerdings gewinnt die direkte Beratung gegenüber dem Buchen im Internet vermehrt an Gewicht.

Carmen Rogenmoser
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Ferien zu Hause? Die Reiselust ist gross, die Möglichkeiten aber beschränkt.

Ferien zu Hause? Die Reiselust ist gross, die Möglichkeiten aber beschränkt.

Bild: Maria Schmid (Hünenberg, 27. Juli 2020)

Coronamüde – eine Begriffskreation, entstanden im Zuge der Ereignisse der jüngsten Zeit. Doch der Begriff beschreibt treffend, wie sich viele momentan fühlen. Nach einem Jahr gefangen in der Pandemie – und oft in den eigenen vier Wänden – hat man genug von den Einschränkungen und der Ungewissheit. Man möchte ausbrechen. Am liebsten irgendwohin, wo die Sonne scheint, wo es gutes Essen gibt und man Abenteuer erleben kann. Das macht sich auch in den Reisebüros bemerkbar.

«Unsere Kunden haben langsam genug, und wir spüren, dass sie in die Ferien wollen und Ferienpläne schmieden. Das zeigt sich auch an den aktuell vermehrten Anfragen»,

sagt Bernhard Wyss, CEO von Crystal Travel. Das Reisebüro hat in Zug und in Zürich eine Niederlassung. «Oft bleibt es halt bei Anfragen, weil sich innert kurzer Zeit die Einreisebestimmungen wieder ändern können», ergänzt er. Der grosse Ansturm bleibe daher noch aus. Mit diesem wird bei Crystal Travel für den Sommer oder Herbst gerechnet.

Ähnliches berichtet auch Joe Bucher vom Reisebüro Tramax AG in Zug. «Es sind ein paar Anfragen eingegangen, was aber nur zu einzelnen Buchungen geführt hat.» Bei diesen Nachfragen stechen vor allem Ägypten, Mexiko, die Dominikanische Republik, Costa Rica und die Seychellen hervor. Diese Destinationen, plus Namibia und im Kurzstreckenbereich die Südtürkei und die Schweiz, nennt auch Bernhard Wyss. «Das kann sich aber jederzeit ändern, je nachdem, welche neuen Auflagen das BAG bekanntgibt.»

Keine entspannten Ferien auf Mallorca

Spanien hingegen sei kein besonders grosses Thema. Bernhard Wyss spricht von einem Hype, der in den Medien kreiert wurde. «Spanien ist zwar nicht mehr auf der Risikoliste, aber das bedeutet nicht, dass ungezwungene Ferien auf Mallorca verbracht werden können.» So dürfen etwa nur Personen aus dem gleichen Haushalt in einem Hotelzimmer übernachten. Zudem halte die Unsicherheit an, was bei einer Annullation oder einer Umbuchung aufgrund von kurzfristigen Auflagen passiere.

Die Mitarbeiter in den Reisebüros übernehmen gegenwärtig zusätzliche und ungewohnte Aufgaben. Bei Crystal Travel setzt man auf eine pro-aktive Information. «Wir geben unseren Kunden aufgrund der jeweiligen Einreisebestimmungen die grösstmögliche Unterstützung und helfen ihnen bei der Organisation der Tests in der Schweiz oder am Ferienort», sagt Wyss. Unterstützung werde auch beim «zum Teil grossen Formularwirrwarr» angeboten.

«Der Beratungsaufwand ist riesig»,

sagt auch Joe Bucher von der Tramax AG. Auch hier hilft man mit Informationen zu Tests und möglichen Risiken weiter. Die grösste Unsicherheit sei weiterhin die nicht vorhandene Planbarkeit: die Quarantäneliste, die laufend – aber glücklicherweise nicht mehr von heute auf morgen – angepasst werde, oder die Schnell- und PCR-Tests, die verlangt werden. «Das schürt die Angst vor einer möglichen Quarantäne am Ferienort. Denn bei einem positiven Test darf man nicht ins Flugzeug und muss vor Ort in Quarantäne», so Bucher. Viele Fragen gebe es auch bezüglich der Einschränkungen vor Ort, ob etwa Restaurants, Läden oder Museen geöffnet sind.

Der Kundenstamm wurde grösser

«Bei uns läuft gerade viel», sagt hingegen Jenny Eggenberg, Inhaberin der Jenny Reisen AG in Baar. Zwar konzentrieren sich die Anfragen auch hier eher auf die Frühlingsferien und nicht spezifisch auf die Ostertage. «Viele Leute haben das Bedürfnis, wegzugehen.» Bei Jenny Reisen hat man sich den Gegebenheiten angepasst. «Wir hatten ja fast ein Jahr Zeit dafür», meint Jenny Eggenberg pragmatisch und erklärt:

«Wir buchen sehr kurzfristig, erst ein oder zwei Wochen im Voraus.»

Zu unsicher und unstet sei die Situation. Sie geht davon aus, dass die Reisebranche sich generell verändert, agiler und dynamischer wird. Ein Prozess, den sie als interessant und lehrreich empfindet.

Zudem wachse der Kundenstamm, sagt sie. Viele, die vorher im Internet gebucht haben, kommen jetzt ins Reisebüro, auch viele Junge. «Wir bieten vor allem Pauschalreisen an, da können wir eine gute Absicherung bieten und reagieren, wenn eine Reise abgesagt werden muss oder sich die Gegebenheiten, etwa, was die Quarantänepflicht angeht, ändern.» Die Nachfrage ist besonders hoch für die Länder, wo die Einreise einfach ist: Mexiko, Costa Rica oder die Dominikanische Republik. «Für diese Länder braucht es keinen Test», erklärt die Expertin. Gefragt seien auch Ägypten und Spanien. Da braucht es zwar einen Test, der werde gleich mitgeliefert. Das gehört zum Service des Reisebüros – und das werde sehr geschätzt. «Wir bekommen viele positive Rückmeldungen.»

Überwintern in Thailand

Anders sieht die Situation beim Reiseanbieter Globetrotter, der eine Filiale in Zug hat, aus. Man sei weiterhin in Kurzarbeit, heisst es auf Nachfrage. Erst verhalten gebe es Buchungen für den Frühling und Sommer. Globetrotter ist spezialisiert auf längere und Individualreisen. In diesem Bereich gebe es Interessenten. «Grundsätzlich haben viele Kunden das Bedürfnis, nach einer langen Durststrecke wieder eine längere Reise zu machen, beispielsweise drei bis vier Wochen», heisst es. Und es gebe auch Kunden, die etwa in Thailand, wo Langzeitaufenthalte erlaubt seien, überwintert haben.

Die Reisebusse stehen still

Nichts geht hingegen bei den Carunternehmen: «Seit rund einem Jahr stehen unsere Fahrzeuge still. Keine Reisen, keine Ausflüge, keine Fanfahrten», schreibt Guacimara Beljan von der Strickler Reisen AG. So lange sich alles im «Coronaschlaf» befinde, solange müsse die Branche eben ausharren.