Coronapandemie
Selbsttests: Der Präsident des Zuger Apothekenvereins appelliert an die Vernunft der Kunden

Ab dem 7. April können die kostenlosen Tests in den Apotheken bezogen werden. Es dürfte zu Schlangen vor den Geschäften kommen. Derweil wehrt sich der Gesundheitsdirektor gegen Gerüchte im Zusammenhang mit der Impfung.

Raphael Biermayr
Merken
Drucken
Teilen

Vor weiteren arbeitsreichen Wochen stehen die Zuger Apotheker. Ab dem 7. April dürfen sie Selbsttests abgeben. Jede und jeder mit einer Schweizer Krankenkassenkarte hat laut Bundesbeschluss Anspruch auf fünf Gratistests pro Monat. «Ich erwarte eine grosse Nachfrage», sagt Martin Affentranger, der Präsident des Vereins der Zuger Apotheken. Dies trotz der Tatsache, dass ein negatives Ergebnis per Selbsttest keinen Freipass für das Reisen oder anderes bedeutet. Dafür muss nach wie vor ein PCR-Test, der im Labor überprüft wird, in einem Center gemacht werden. Die Idee hinter den Selbsttests: Bei einem negativen Ergebnis im Vorfeld steht einem Treffen mit anderen Personen nichts im Weg. Bei einem positiven sagt man das ab und lässt das Ergebnis mittels PCR-Test überprüfen.

Die Apotheken im Kanton, im Bild die im Zuger Bahnhof, stellen sich wegen der Selbsttests auf einen Ansturm ein.

Die Apotheken im Kanton, im Bild die im Zuger Bahnhof, stellen sich wegen der Selbsttests auf einen Ansturm ein.

Bild: Matthias Jurt (31. März 2021)

Das Hamstern von Tests soll durch die Erfassung der Krankenkassenkarte in den Apotheken verunmöglicht werden. Martin Affentranger stellt klar:

«Der Bezugszeitraum von 30 Tagen für die fünf Stück ist scharf, es gibt also weder Vorbezüge noch nachträglichen Anspruch auf nicht bezogene Tests.»

Wer mehr Tests bezieht, erhält von der Krankenkasse eine Rechnung. Fünf zusätzliche Stück kosten 53.25 Franken. Der Apothekenvereinspräsident bittet die Kunden um Disziplin und Geduld, denn: «Das normale Geschäft läuft weiter. Für das Personal ist das eine grosse Herausforderung.» Beim absehbaren Anstehen vor den Geschäften soll man darauf achten, die Abstandsregeln einzuhalten. Affentranger sagt, dass es willkommen sei, die Krankenkassenkarten aller Familienmitglieder zu sammeln und die Ration für alle zu beziehen. Da jedoch zunächst nur eine beschränkte Anzahl an Tests vorhanden sei, bittet er darum, «sich zuvor zu überlegen, wie viele wirklich gebraucht werden».

Der Chef der Chamer Anklin Apotheke ist überdies am Aufbau eines Expresstestcenters beteiligt. Das Ziel: Sichere Veranstaltungen mit Publikum zu ermöglichen. Wegen der dritten Pandemiewelle verzögere sich die Umsetzung jedoch, sagt Martin Affentranger.

Werden brauchbare Impfdosen entsorgt?

Die Selbsttests hätten eigentlich bereits vor Ostern zur Verfügung stehen sollen. Doch es gab Verzögerungen – wie bekanntermassen auch beim Impfen. Weil zu wenig Dosen verfügbar sind, werden die Möglichkeiten im Kanton Zug bei weitem nicht ausgeschöpft. Wie die Gesundheitsdirektion auf Anfrage mitteilt, werden derzeit im Impfzentrum und bei Ärzten täglich rund 500 Impfungen verabreicht, das entspreche nicht einmal einem Drittel des möglichen Maximums. Über 20'000 Personen befinden sich auf der Warteliste. Die nächste Personengruppe auf der Prioritätenliste – «Personen mit Vorerkrankungen mit einem hohen Risiko» – sollte voraussichtlich zwischen Mitte und Ende April zur Impfung zugelassen werden.

In letzter Zeit erreichten die Redaktion unserer Zeitung Zuschriften, wonach aufgetaute Impfdosen im Impfzentrum in Baar ungenutzt entsorgt würden. Solche Vorwürfe werden auch in sozialen Medien erhoben. Der Gesundheitsdirektor Martin Pfister widerspricht:

«Zu Entsorgungen von Impfdosen, welche hätten verimpft werden können, kam es bisher her noch nie. In absoluten Einzelfällen mussten Impfungen aufgrund von Beschädigungen entsorgt werden.»

Das habe «circa fünf Ampullen» betroffen.

Ausserdem machen Gerüchte die Runde, gemäss denen gelegentlich Begleitpersonen von Geimpften Dosen verabreicht erhalten, wenn jene bereits aufgetaut worden seien. Dazu schreibt Martin Pfister: «Wenn am Ende eines Betriebstages im Impfzentrum noch Einzeldosen übrig sind, welche nicht bis am nächsten Tag aufbewahrt werden dürfen, werden diese an Mitarbeitende des Gesundheitswesens verimpft.» Zu diesem Zweck werde eine Liste mit Personen geführt, «welche in direktem Patientenkontakt stehen und deshalb prioritär geimpft werden».