Coronapandemie
Zuger Kantonsarzt zur hohen Auslastung des Contact-Tracings: «Angesteckte haben mehr soziale Kontakte»

Die Anzahl Coronafälle ist im Kanton Zug auf einer neuen Höchstmarke. Für die Nachverfolgung der Kontakte stellt dies eine grosse Herausforderung dar.

Zoe Gwerder
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Der Kanton Zug verzeichnet derzeit so hohe Fallzahlen wie noch nie in dieser Pandemie. So wurden am Mittwoch, 17. November, mit 140 positiven Fällen die höchste Anzahl Neuansteckungen pro Tag registriert. Der bisherige Höchststand lag bei etwas über 100 Neuansteckungen – in der zweiten Welle vor einem Jahr. Auch der 7-Tagesschnitt ist seit dem 17. November im Kanton Zug höher, als er es je in dieser Pandemie war.

Die vielen täglichen Neuansteckungen werden derweil nach wie vor vom Contact-Tracing kontaktiert – eine Herausforderung, wie der Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri im Interview erklärt.

Rudolf Hauri, Kantonsarzt Zug.

Rudolf Hauri, Kantonsarzt Zug.

Bild: Anthony Anex/Keystone (Bern, 16. November 2021)

Wie viele Stellenprozente werden derzeit zur Rückverfolgung der Fälle eingesetzt?

Im Moment sind es rund 700 Stellenprozente.

Wie ist die Arbeitsbelastung für das Contact-Tracing im Vergleich zu vor einem Jahr?

Aktuell ist diese höher als im Herbst 2020. Es ist deutlich zu spüren, dass die angesteckten Personen wieder mehr soziale Kontakte haben – beispielsweise in Vereinen. Entsprechend müssen mehr Kontaktpersonen angerufen werden. Auch die Reihentests an den Schulen bringen einen grossen Arbeitsaufwand mit sich.

Haben die Impfungen einen Einfluss auf den Aufwand?

Nein, die Impfungen entlasten das Contact-Tracing nicht, da nach wie vor alle Kontaktpersonen angerufen werden. Erst im Gespräch wird der Impfstatus erfasst und kontrolliert.

Ist es noch immer möglich, alle neuen Fälle innert 24 Stunden abzutelefonieren?

Im Normalfall können nach wie vor alle Infizierten und deren Kontakte innert dieser Frist angerufen werden.

Die Reihentests sind an den Schulen ein wichtiges Instrument, um grössere Ausbrüche zu vermeiden. Können alle Schülerinnen und Schüler mit positivem Testresultat noch bis am frühen Morgen des Tags nach der Probeentnahme informiert werden?

Im Regelfall ist dies möglich. Die Resultate aus den Reihentests werden vom Contact-Tracing prioritär behandelt. Bei Überlastungen der Labors kann es in wenigen Ausnahmen zu leichten Verzögerungen kommen.

Im Kanton Luzern ist die Belastung inzwischen so gross, dass der Erstkontakt über eine SMS-Nachricht hergestellt wird. Ist dies auch in Zug eine mögliche Lösung, sollten die Fälle weiter zunehmen?

Aktuell kontaktieren wir noch alle Personen per Telefon. Die positiv Getesteten erhalten zur Vorbereitung ein SMS, damit sie bereits Angaben zu den Kontaktpersonen zusammenstellen können. Das erleichtert und beschleunigt die Arbeit des Contact-Tracings.

Kann der Kontakt mit den Erkrankten zu Hause noch realisiert werden?

Bereits bisher werden die infizierten Personen grundsätzlich nur zu Beginn und Ende der Isolation kontaktiert. Ausnahmen sind Personen, die alleine leben oder starke Symptome haben. Dies wird auch weiterhin so gehandhabt.

Gibt es derzeit Bestrebungen, das Contact-Tracing weiter auszubauen?

Es wurden und werden laufend neue Tracerinner und Tracer rekrutiert.

Dieses Interview wurde schriftlich geführt.

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