Leserbrief

Coronapolitik schränkt ein menschliches Bedürfnis massiv ein

Zu den aktuellen Corona­massnahmen des Bundes und der Kantone

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Kultur hat ihre Etymologie in «urbar machen», man kann es auch als die «Pflege der geistigen Güter» betrachten. Kultur ist ein menschliches Grundbedürfnis. Die grossen philosophischen Persönlichkeiten haben sich mit dem Kulturbegriff auseinandergesetzt. Soziologisch ist die Kultur auch als Auseinandersetzung mit dem täglich zu Erlebenden zu verstehen! Geht man an eine Lesung, eine Theateraufführung, muss man sich mit dem Dargebotenem auseinandersetzen und meistens führt dies dazu, dass man sich mit sich selber auseinandersetzen muss. Damit ist man beim entscheidenden Nachteil der digital angebotenen Kultur. Schaut man zu Hause was an, kann man sich ablenken lassen, man kann rascheln, man kann unterbrechen. Es fehlt das Miteinander! Bei der direkten Kulturveranstaltung, dem direkten Kulturgenuss, gibt es keine Fluchtmöglichkeiten, man muss sich mit dem Dargebotenen beschäftigen und schlussendlich mit sich selber, was es mit uns macht, wo es uns trifft! Eine Welt ohne Kultur wäre eine Welt ohne Selbstreflexion. Um mit Wilhelm von Humboldt zu reden, gehört Kultur zur Bildung und Persönlichkeitsentwicklung.

Die Coronapolitik hat den Kulturbetrieb massiv eingeschränkt. Die Identitätsbildung einer Gesellschaft ist jedoch stark mit der in ihr lebendigen Tradition verknüpft. Streaming ersetzt diese lebendige Tradition auf Dauer nicht und es ist somit schon rein soziologisch undenkbar, dass die Einschränkungen auf Dauer Bestand haben werden – früher oder später wird es Festivals und Kulturanlässe ohne Einschränkungen geben usw.

Da können sich die Politiker noch Hintersinnen, wie sie wollen, sie werden chancenlos sein und mit ihrer Machtpolitik grandios scheitern, denn eine Welt ohne Kultur gab es nie und wird es nie geben, und da ist gut so. Denn es genügt, wenn wir durch die Arbeit vom Leben entfremdet werden, noch mehr Entfremdung braucht es nicht.

Was es heute bräuchte, wäre eine Kultur des kritischen Abstandnehmens und eventuellen Verurteilens der bestehenden Verhältnisse. Denn die Coronapolitik gefährdet uns und unsere Kultur des Miteinanders direkt und tötet indirekt mehr, als es jedes Virus schaffen würde.

Das Gleiche gilt auch für Sportanlässe: Schwingfeste mit Maskenpflicht sind einfach nur lächerlich und die Bösen werden so zu Weicheiern.

Michel Ebinger, Rotkreuz