Coronavirus
Datenschutz: Das neue Testverfahren an Zuger Schulen wirft Fragen auf

Nach den Herbstferien erhalten negativ getestete Schülerinnen und Lehrer automatisch ein Covid-Zertifikat. Die Kehrseite der Medaille: Personalangaben und Testergebnisse werden auf einer Plattform gespeichert.

Raphael Biermayr
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Auch die Schülerinnen und Schüler an der Kantonsschule Menzingen werden bald auf die Stäbchenprobe verzichten können.

Auch die Schülerinnen und Schüler an der Kantonsschule Menzingen werden bald auf die Stäbchenprobe verzichten können.

Bild: Alexandra Wey/Keystone (25. Februar 2021)

Sie sind in der Covid-19-Pandemie die wohl am besten überwachten Personen im Kanton Zug: Schülerinnen und Schüler ab der 4. Klasse sowie ihre Lehrkräfte. Dies wegen der sogenannten Reihentests. Allerdings haben negativ Getestete bislang keinen Gegenwert in Form eines Zertifikats erhalten. Wer also beispielsweise an einen EVZ-Match wollte, musste seinen Gesundheitszustand vorher andernorts erneut überprüfen lassen. «Das ist ein Problem», sagt der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss (SVP). Das «Erfolgsmodell» der aktuell praktizierten Tests erlaube es nicht, Zertifikate auszustellen. Dies, weil die Personen hinter den Proben im negativen Fall stets anonym bleiben würden.

Mit der Ausweitung der Zertifikatspflicht seit dem 13. September hat sich laut Schleiss die Ausgangslage geändert. Deshalb wird der Kanton nach den am 2. Oktober begonnenen Herbstferien ein neues Verfahren einführen. Negativ Getestete werden automatisch ein Zertifikat erhalten, das 72 Stunden lang gültig ist. Die wichtigste Frage für Ausgangswillige lautet: Wann erhalten sie die Bescheinigung? «Bis spätestens am nächsten Morgen per SMS mit dem QR-Code», sagt Stephan Schleiss.

Eltern müssen sich weiter wehren

Dieses Verfahren, das weiterhin vollumfänglich der Bund bezahlt, gelange bereits in anderen Regionen hierzulande zur Anwendung, wenngleich gemäss Schleiss weder in der Kadenz noch in der Abdeckung wie im Kanton Zug. Fast 99 Prozent aller Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte ab der 4. Klasse haben sich seit Ende März zweimal wöchentlich testen lassen. Dieser hohe Wert ist wohl auf die Eigenart des Regierungsrats zurückzuführen, nicht das Einverständnis der Eltern einzuholen, sondern eine ausdrückliche Verzichtserklärung zu verlangen. Daran will der Regierungsrat «unter allen Umständen» festhalten, erklärt der Bildungsdirektor und verweist auf den Erfolg: Seit Einführung der Tests habe man nur eine Klasse in Quarantäne schicken müssen.

Das neue Verfahren ist für die Schülerinnen und Schüler anscheinend einfacher. Bisher haben die Getesteten zwei Proben abgegeben: Eine persönliche, die sie mittels Stäbchens an den Mundschleimhäuten abstrichen, eine per Mundspülung. Fortan entfällt die Stäbchenprobe – obwohl diese bei der Einführung der Tests als notwendig, da genauer verkauft wurde. Gemäss Stephan Schleiss habe sich herausgestellt, dass manche Proben jüngerer Schüler wegen unzureichenden Vorgehens beim Herumführen des Stäbchens im Mund mangelhaft gewesen seien. «Wir hätten die Stäbchen ohnehin abgeschafft.»

Automatische Mitteilung an Bund und Kanton

Stattdessen spucken die Getesteten eine Mundspülung in ein Röhrchen und füllen anschliessend die Hälfte in ein zweites. Eines wird mit einem personalisierten Barcode als Individualprobe ins Labor geschickt. Der Inhalt des anderen landet im Poolprobenbecher und – wenn alle sich beteiligt haben – von dort schliesslich in einem weiteren Röhrchen. Dieses wird als Poolprobe beschriftet und geht zwecks Testung ebenfalls ans Labor. Liegt eine Covid-19-Infektion vor, erhält man statt eines Zertifikats die Handlungsanweisungen bezüglich Isolation, ausserdem werden automatisch das Bundesamt für Gesundheit und das kantonale Contact-Tracing informiert.

Hier stellen sich Fragen bezüglich Datenschutzes. Denn die Personen- und Testdaten werden – im Gegensatz zur aktuellen Handhabung – auf einer digitalen Plattform hinterlegt. Die Bildungsdirektion hält in einem Informationsschreiben fest, dass der Betreiber der Plattform die «Datenschutzkonformität garantiert», die Gesundheitsdirektion überprüfe diese derzeit. Bei grünem Licht werden während der ersten zwei Wochen einige Klassen im Kanton Erfahrungen sammeln, bevor das neue System ab dem 2. November in allen praktiziert werde.

Auch Geimpfte dürfen sich künftig testen lassen

Für die Lehrerinnen und Lehrer bedeutet der Wechsel eine neue Belastung. Schliesslich obliegt ihnen, die persönlichen Daten der Testteilnehmer auf der Plattform zu erfassen. «Nach zwei, drei Durchgängen wird sich das einpendeln», ist Stephan Schleiss überzeugt. Lehrerseitig habe er bislang vor allem positive Rückmeldungen vernommen. Bis auf eine, in der die steigende Abfallmenge wegen der zusätzlichen Plastikröhrchen bemängelt werde.

Einem früher geäusserten Wunsch aus der Lehrerschaft wird die Bildungsdirektion mit dem neuen Verfahren nachkommen: Auch Geimpfte können sich testen lassen. Sie waren bislang von der Teilnahme ausgeschlossen, laut Schleiss, um aussagekräftige Ergebnisse zu gewährleisten. Mit dem Systemwechsel stelle das künftig kein Problem mehr dar.

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