Leserbrief

Crypto-Leaks: Der Schuldige sitzt in Amerika

Zum Fall Crypto-Leaks

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Dass der amerikanische Geheimdienst geheime Dokumente den Medien und somit der Öffentlichkeit zustellt, ist ein klares Indiz dafür, dass die geheime Aktion Rubikon nicht mehr läuft, weil die neue Firma Crypto International und vielleicht schon die alte Crypto AG in ihren Geräten ihre eigene Software und nicht die getürkte der Amerikaner installiert hat. Daher ist diese Veröffentlichung eine Retourkutsche an die Firma. Zudem ist es das Ziel dieser Aktion, im Rahmen von «Amerika first» der erfolgreichen Schweizer Firma einen Reputationsschaden anzuhängen, welche damit einen Marktnachteil gegenüber amerikanischen Firmen hat.

Dummerweise fallen die Medien und die Politiker auf diese Masche herein. Anstatt die amerikanische Botschaft zu zitieren und ihr eine Protestnote dafür zu überreichen, dass amerikanische Geheimdienste Schweizer Firmen über Jahrzehnte unterwanderten, werden eine PUK und unzählige Untersuchungen gestartet, die einen Vorgang untersuchen, bei dem Schuldige gesucht werden, die aber eigentlich in Amerika sitzen. Man würde die Energie lieber dafür verwenden, um aktuelle Unterwanderungen oder Industriespionage durch Technologieanbieter wie Microsoft, Apple oder Huawei zu vermindern oder zu verhindern. Man muss sich nur an die Snowden-Enthüllungen zum NSA oder um die Affäre zum gehackten Handy von Angela Merkel erinnern. Spioniert und abgehört wird immer und überall, bei Freund und Feind. Wer sich über den Fall Crypto entrüstet, zeigt, dass er in einer heilen Welt lebt.

Josef Wüest, Steinhausen