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CYBERMOBBING: Zuger Jugendliche online an den Pranger gestellt

Über eine anonyme Gruppe auf der Plattform Instagram wurden wahllos Jugendliche aus dem Kanton Zug gemobbt. Die Gerüchte verbreiteten sich schnell und sorgten für Unruhe unter Gleichaltrigen. Sie fürchteten sich vor dem Online-Pranger.
Christopher Gilb
Die Plattform Instagram ist beliebt bei Jugendlichen, sie machen darauf aber nicht nur gute Erfahrungen. (Symbolbild: Getty)

Die Plattform Instagram ist beliebt bei Jugendlichen, sie machen darauf aber nicht nur gute Erfahrungen. (Symbolbild: Getty)

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Die Gruppe sei überall Thema gewesen, im Kino, in der Schule und sogar ein älterer Mitarbeiter habe diese gekannt. Die Jugendliche, die sich an unsere Zeitung gewendet hat, aber lieber anonym bleiben möchte, spricht von einer Instagram-Gruppe. Was Facebook noch vor einigen Jahren für die Jugendlichen war, ist zwischenzeitlich Instagram, eine Plattform zum Teilen von Fotos und Videos. Sie selbst verbringe pro Tag rund drei Stunden darauf, sagt die junge Zugerin. Laut einer Erhebung von April 2017 nutzen in der Schweiz rund 500000 Personen die Plattform, die meisten mehr als eine Stunde täglich. «In meiner Generation dreht sich alles darum, wie wir uns auf Instagram präsentieren», sagt sie. Wer einen Blick auf die Plattform wirft, erkennt anhand der vielen Fotos hauptsächlich Selfies, die Jugendliche dort täglich aufschalten, es soll alles möglichst perfekt wirken.

Dann Anfang letzter Woche sei plötzlich diese anonyme Gruppe mit dem Namen, der darauf schliessen lässt, das man Informationen über Zug erhält, aufgetaucht. «Als meine Freundinnen und ich eine Einladung erhielten, ihr zu folgen, dachten wir noch, es handle sich bei der Gruppe um einen Scherz», erinnert sich die Jugendliche. Verschiedene Fotos und Videos von Jugendlichen wurden dort aufgeschaltet, versehen mit Kommentaren. Diese seien immer verachtender geworden. «Ich kannte jemanden von den Fotos, was da verbreitet wurde, waren Lügen.» Es ging vor allem um junge Frauen. Sie wurden als «Nutten» und Ähnliches bezeichnet und entsprechende Anspielungen wurden verbreitet. Eines der Videos hatte 1000 Aufrufe. «Die Gerüchte verbreiteten sich sofort, der Kanton Zug ist klein, jeder von uns dachte, er könnte der Nächste sein, es hat wirklich für Unruhe gesorgt», erzählt die Jugendliche. Vor allem für solche mit tiefem Selbstbewusstsein sei es das Schlimmste, auf Instagram vorgeführt zu werden. Sie selbst hat ihr Profil so eingerichtet, dass nicht jeder ihre Fotos sehen kann. Doch wer Aufmerksamkeit braucht, will gesehen werden.

Die Jagd nach dem Urheber

Was im extremsten Fall passieren kann, wenn Menschen Opfer von Cybermobbing werden, zeigt das Beispiel einer 13-Jährigen aus Spreitenbach. Sie hielt das ständige Mobbing nicht mehr aus und nahm sich vergangenen Herbst das Leben. «Wir wollten, dass das mit dieser Gruppe aufhört», sagt die Jugendliche aus Zug. Sie selbst sei zwar nicht betroffen gewesen, aber Freundinnen. Sie seien sich aber nicht sicher gewesen, wer die Personen hinter der Gruppe sind. Die vielen Spekulationen darüber hätten noch für mehr Verunsicherung gesorgt. Jemand habe dann der Gruppe gedroht, sie bei Instagram zu melden, dann sei ihm zurückgedroht worden, etwas eher Privates über ihn publik zu machen. Um Hinweise über die «Täter» zu sammeln, richteten die Jugendlichen dann eine eigene Instagram-Gruppe ein. Ende letzter Woche war die Mobbing-Gruppe dann plötzlich gelöscht. «Ja, das stimmt. Denn jemand von uns hat gedroht, die Polizei zu informieren», erzählt die Jugendliche. Daraufhin hätte es geheissen, man werde kurz abtauchen, jedoch wiederkommen. Die Angst bleibt also. Vielleicht werde man noch eine Anzeige bei der Polizei machen. Bisher ist eine solche aber noch nicht eingegangen, wie die Zuger Polizei auf Nachfrage mitteilt. An die Zeitung gewandt habe sie sich jedenfalls vor allem, um Eltern für die digitale Mobbing-Gefahr zu sensibilisieren.

Dass so etwas im Kanton Zug anscheinend stattgefunden habe, mache ihn sehr betroffen, sagt Marcel Küng, Berater bei der Zuger Fachstelle punkto Eltern, Kind, Jugendliche. «So wie beschrieben hat es sich eindeutig um Cybermobbing gehandelt.» Grundsätzlich sei der Stil, wie sich Jugendliche auf Instagram präsentieren, aber ein normaler. «Es geht darum, mit der eigenen Präsentation zu experimentieren und sich durch diese auch abzugrenzen.» Durch die technischen Möglichkeiten in der heutigen Zeit, etwa die vielen Videos auf Youtube, in denen Schmink- und Styling-Tipps gegeben werden, seien aber die Ansprüche gewachsen, einem Ideal zu entsprechen. Ein weiterer solcher Mobbing-Fall sei ihm aus dem Kanton Zug nicht bekannt. Über die Motive der «Täter» könne er nur spekulieren. «Eine wichtige Rolle spielen meist gruppendynamische oder auch persönliche Aspekte, wie Rachebedürfnis, Eifersucht oder Konkurrenz.» Es gebe auch Menschen mit einer Veranlagung, sich, indem sie andere fertigmachen, Aufmerksamkeit zu verschaffen. Dies seien aber Einzelfälle auf solchen Plattformen. Die Möglichkeit dies anonym zu tun, könne aber eine destruktive Dynamik fördern.

Schon etliche Jugendliche mit schlechten Erfahrungen

Laut Küng spreche viel dafür, dass die Betreiber der Gruppe die Jugendlichen gekannt hätten. «Bei Mobbing kommen die Täter zu 99 Prozent aus dem Umfeld, etwa dem Klassenverband.» Und Provokation rufe eine Reaktion hervor, deshalb sei wohl auch das Interesse an der Gruppe gross gewesen. Eine Rolle habe aber sicher gespielt, dass Zug klein ist und man wissen wollte, ob man selbst erwähnt wird. Ein Makel solcher Plattformen sei, dass man solche Gruppen zwar melden könne, es für die Urheber aber leicht sei, wieder mit einem anderen Pseudonym zurückzukehren. Küng verweist auch auf die James-Studie, der Zürcher Hochschule ZHAW zum Medienumgang von Jugendlichen. Diese zeigt, dass schon einige Jugendliche vergleichbare Erfahrungen wie die jungen Zugerinnen gemacht haben. 33 Prozent der Befragten geben an, erlebt zu haben, dass ungefragt Fotos oder Videos von ihnen ins Internet gestellt wurden. Und rund ein Fünftel, dass sie schon jemand im Internet fertigmachen wollte.

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