Leserbrief

Damit der «Gast» nicht gejagt wird

«Der Wolf zu Gast im Kanton Zug», Ausgabe vom 27. Juli

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«Zuger Regierungsrat erwägt Abschuss des Wolfs», diese Schlagzeile ist zukünftig durchaus denkbar. Vielleicht reisst ein durchziehender Wolf auf einer Weide wenig geschützte Schafe, und schon wird zum Halali auf den ungeliebten Gast geblasen.

Noch ist der Wolf eine international geschützte Art und ein solches Szenario unrealistisch. Mit dem neuen Jagdgesetz, über das wir am 27.September abstimmen, wird die Jagd auf den Wolf aber wesentlich erleichtert. Ein Abschuss ist auch bereits präventiv möglich, wenn also ein Schaden noch gar nicht eingetreten ist. Auch verschiebt sich die Zuständigkeit vom Bund zu den Kantonen, was eine überregionale Gesamtschau verunmöglicht. Es ist fraglich, wie lange die Kantone dem Druck aus Kreisen der Landwirtschaft und den Jagdverbänden Stand halten werden?

Wir haben in der Schweiz nach wie vor sehr hohe Wildbestände. Zu viel Wild schadet der Verjüngung des Waldes, weil Rehe und Hirsche junge Bäume fressen. Das Problem ist aus den Schutzwäldern in den Alpen bekannt.

Aber auch im Flachland sind wir auf einen gesunden Wald angewiesen: als naturnahes Ökosystem, zur Klimaregulation, als Holzlieferant aber auch zur Naherholung.

Grossraubtiere reduzieren – ergänzend zur Jagd – die Wildbestände auf natürliche Weise auf ein ökologisch gesundes Mass. Sie bringen Unruhe in die Wildbestände, die ihren Aufenthaltsort häufiger wechseln. Dadurch verteilt sich der Verbissdruck auf ein grösseres Gebiet.

Heute ist eine breite Allianz aus Forstkreisen gegen die Revision des Jagdgesetzes, das einen willkürlichen Abschuss von Luchsen und Wölfen – und damit der Gesundheitspolizei des Waldes – erlauben würde.

Am 27. September braucht es für einen gesunden Wald und den wirklichen Schutz geschützter Arten ein Nein zum neuen Jagdgesetz.

André von Guntern, Forstingenieur und Präsident Pro Natura Zug, Baar