Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Dank einer App sollen Sehbehinderte ungehindert Bus fahren können

Zusammen mit dem Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband (SBV) testen die Zugerland Verkehrsbetriebe eine App. Sie soll Sehbehinderten die selbstständige Nutzung von Bussen ermöglichen.
Harry Ziegler
Luciano Butera vom Blinden- und Sehbehindertenverband SBV beim Testen der App Intros. (Bild: PD)

Luciano Butera vom Blinden- und Sehbehindertenverband SBV beim Testen der App Intros. (Bild: PD)

Eine App soll Sehbehinderten das Busfahren erleichtern. «Intros» (Individual Travelling Assistant) heisst sie. Entwickelt wurde diese Mobilitätsapp von der Fachstelle Technologie & Innovation des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbands (SBV) in Partnerschaft mit dem Lions-Club Schweiz-Liechtenstein sowie in Kooperation mit der deutschen Softwarefirma Visor Apps. Die App wird aktuell bei den Zugerland Verkehrsbetrieben (ZVB) auf der Linie 36 Baar–Steinhausen und der Baselland Transport AG getestet, wie der Septemberausgabe des Mitgliedermagazins des SBV entnommen werden kann. Die Tests dauern noch an.

Es gibt bereits verschiedene Mobilitätsapps, die Sehbehinderte nutzen können. So beispielsweise jene der SBB oder Apple und Google Maps. Weshalb nun eine weitere? «Das Auffinden der gewünschten Fahrzeuge, insbesondere an mehrfach belegten Haltestellen, ist für blinde und sehbehinderte Personen äusserst schwierig», erklärt Rolf Roth, Projektleiter Technologie & Information beim SBV. «Auch das Finden eines Türknopfs ist vor allem an der Aussenseite eines Fahrzeuges immer schwierig. Dies motivierte uns, eine möglichst einfache und kostengünstige Methode zu entwickeln, um dieses Problem zu entschärfen», so Roth.

Seit 2017 wird am Projekt gearbeitet

In Deutschland wurde eine ähnliche App bereits einmal getestet. Allerdings konnte sich dieses System dort nicht etablieren, ist aber in einer Kleinstadt in der Nähe von Dortmund im Einsatz. «Wir durften uns vor Ort über Technologie und Einsatzmöglichkeiten des Systems ein Bild machen», sagt Roth. «Die vorhandenen Funktionen in Deutschland sind ähnlich wie jene bei Intros. Es gibt aber Unterschiede bei den ganzen Technologien und die damit verbundenen Installationen auf Seiten der ÖV-Unternehmen, führt der Projektleiter aus. «Fakt aber ist, dass sich das System trotz Anstrengungen von Seiten Entwickler bis anhin nicht etablieren konnte. Da spielt aus meiner Sicht auch der doch eher hohe Preis allenfalls eine Rolle.»

Die Entwicklung der SBV-App läuft seit Anfang dieses Jahres, so Roth. «Das Gesamtprojekt jedoch startete bereits 2017. Da wurde ein Partner für die Fahrzeuginstallationen und anderes gesucht.» Was die Nutzung der App betrifft, so seien aktuell noch «zu wenige Feedbacks von Nutzern via Umfrage eingegangen, um repräsentative Aussagen machen zu können», sagt Rolf Roth.

Lions Schweiz-Liechtenstein leisteten Anschubhilfe

Die Zusammenarbeit mit dem Lions-Club Schweiz-Liechtenstein ist im Rahmen des 100-Jahr-Jubiläums des Lions-Clubs International zu Stande gekommen. «Im Rahmen dieses Jubiläums wurden weltweit verschiedenste Projekte geplant und umgesetzt», sagt Carlos Rieder, Mitglied des Jubiläums-OK. «In der Schweiz lancierten wir die Lions Web Stamp. Der Erlös wurde in drei Projekte investiert, in 9 Low Vision Toolboxes, in den Internationalen Tag des Weissen Stocks und eben diese App for the Blind. Da diese auch für andere Personenkreise wertvoll sein kann, wurde der Titel geändert auf Intros – Individual Travelling Assistant.» Die App soll nicht nur Sehbehinderten nützen, sagt SBV-Projektleiter Rolf Roth. «Wir möchten die Verbreitung des Systems in einem ersten Schritt fördern. Als Zielpublikum sehen wir da Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte, Senioren oder auch Personen mit Kinderwagen, kurz gesagt ÖV-Benutzer, die in irgendeiner Weise in der Mobilität etwas eingeschränkt sind.» Man sei offen für mögliche Weiterentwicklungen der Funktionen.

So funktioniert die App Intros

Auf dem Smartphone – die App gibt es momentan nur für das Betriebssystem iOS 11.3 und höher – werden Liniennummer und Endhaltestelle angezeigt. Die Fahrzeuge verfügen über akustisch identifizierbare Türen, die per Knopfdruck zu öffnen sind. Im Bus werden auf der App die laufend aktualisierten Haltestellen angezeigt. Diese lassen sich auch als Ausstiegspunkte markieren. Der Fahrgast drückt beim Eintreffen des richtigen Busses «Einsteigen», wartet auf das Türöffnungssignal, steigt ein, fährt bis zur gewünschten Haltestelle, drückt «Aussteigen», worauf sich eine der mit dem «Intros»-Fahrzeug-und-Audiomodul bestückten Türen öffnet.

Über den Lions-Club wurde auch der Kontakt zu den Zugerland Verkehrsbetrieben (ZVB) hergestellt. «Die ZVB stellen die Ressourcen für den Test der App zur Verfügung», sagt deren Mediensprecherin Karin Fröhlich. «Mit der notwendigen Installation wurden fünf Busse ausgerüstet. Der Aufwand dafür sei gering gewesen», so Fröhlich. «Die Linie 36 hat sich angeboten, weil der Bahnhof Baar über mehrere Ein- und Ausstiegskanten verfügt. Zudem liegt das heilpädagogische Schul- und Beratungszentrum Sonnenberg auf der Route.» Und schliesslich seien die ZVB an Entwicklungen im Bereich neue Technologien interessiert, erklärt Karin Fröhlich.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.