Grossandrang auf Zuger Gartencenter, Baumärkte und Coiffeure: Dank Schutzmasken kehrt wieder etwas Normalität zurück

Blumen kaufen, den Garten aufpeppen oder endlich die Haare schneiden: Wer sich danach sehnte, kommt nun  wieder auf seine Kosten.  

Zoe Gwerder
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Die Coiffeure, wie in Erdem's  Barbershop arbeiten wieder – mit Schutzkonzept.

Die Coiffeure, wie in Erdem's  Barbershop arbeiten wieder – mit Schutzkonzept.

Bild: Zoe Gwerder, (Zug, 27. April 2020)

Thomas Lerche hatte Glück. Der Mann mit Bart und Kurzhaarfrisur hatte sich am Tag, als die Wiedereröffnung der Coiffeurgeschäfte bekannt gegeben wurde, bei seinem Coiffeur gemeldet und einen der ersten Termine ergattert. «Normalerweise lasse ich meinen Bart alle zwei bis drei Wochen schneiden – die Haare alle drei bis vier Wochen.» Nun musste er rund sieben Wochen zuwarten. «Ich bin froh, war ich gerade noch eine Woche vor dem Lockdown hier im Salon. Jetzt bin ich erleichtert, dass der Bart und die Haare wieder gestutzt wurden.»

Thomas Lerche erhält seinen Bart von Mitarbeiterin Lea gestutzt.

Thomas Lerche erhält seinen Bart von Mitarbeiterin Lea gestutzt.

Bild: Zoe Gwerder, (Zug, 27. April 2020)

Wie derzeit bei allen Coiffeuren, war der Haarschnitt bei Erdem’s Barbershop in Zug ein spezieller: mit Mundschutz für Kunde und Coiffeur – der Nachbarsstuhl mit Absperrband seiner eigentlichen Funktion beraubt. Und wenn der Bart gestutzt, geformt und getrimmt wird, muss die Coiffeuse gar das Visier aufsetzen. Alles immer mit Handschuhen, versteht sich. Mit Letzteren Haare zu schneiden bereitet Geschäftsinhaber Erdem Tatlici wenig Probleme. Viel mehr Mühe hat er bei der Arbeit mit Maske und Visier. «Ich finde es unangenehm zum Atmen und das Visier läuft schnell an – dann sieht kaum noch etwas.»

Inhaber Erdem Tatlici bei der Arbeit.

Inhaber Erdem Tatlici bei der Arbeit.

Bild: Zoe Gwerder, (Zug, 27. April 2020)

Tatlici und sein Team arbeiten derzeit in zwei Schichten. Die erste dauert von 7.30 Uhr bis 13.30 Uhr und die zweite ab 14 Uhr bis um 20 Uhr. «So können wir alle täglich unsere Kunden bedienen.» Die Vorbereitungen für die Wiedereröffnung nach sechs Wochen ohne Kunden dauerte die ganze vergangene Woche, wie Tatlici erzählt. Es wurde geputzt, Material organisiert, Abläufe bestimmt und – Termine angenommen. «Seit vergangenem Montag, als der Bundesrat die Wiedereröffnung der Coiffeursalons bestätigte, klingelte das Telefon fast ununterbrochen.» Erste freie Termine gebe es nun vereinzelt ab Mitte Mai wieder.

Die Blumen nun wieder vor Ort auslesen

Bluemelaube-Inhaber Albin Wismer inmitten seines üppig dekorierten Ladens.

Bluemelaube-Inhaber Albin Wismer inmitten seines üppig dekorierten Ladens.

Bild: Zoe Gwerder, (Zug, 27. April 2020)

Etwas weniger überrennt wurden hingegen die Floristen – so jedenfalls die Bluemelaube in Zug. Was wohl auch an der Tatsache liegt, dass diese zwar für Laufkundschaft geschlossen war, jedoch auf Bestellung Blumen bereitstellte oder diese über verschiedene Lieferdienste vertrieb. Für die Wiedereröffnung des Geschäftes für Laufkunden ist Inhaber Albin Wismer trotzdem etwas üppiger aufgefahren als sonst. «Wir haben derzeit ein extra grosses Angebot.» Drinnen wie draussen werden die Kunden von vielen Blumen und Gestecken begrüsst. «Wir wollen so auch etwas Farbe in die Stadt bringen. Die Leute sind nach sechs Wochen froh, das Angebot wieder vor Ort zu betrachten.»

Bluemelaube-Mitarbeiterin Alice Volkart mit Kundin Christina Schmitt.

Bluemelaube-Mitarbeiterin Alice Volkart mit Kundin Christina Schmitt.

Bild: Zoe Gwerder, (Zug, 27. April 2020)

Seine Kundin Christina Schmitt bestätigt Wismers Worte: «Ich bin voller Freude, das Haus nun wieder etwas aufzufrischen.» Sie habe zwar auch während der Schliessung online Blumen bestellt. «Aber es ist viel schöner, diese wieder selber vor Ort auszuwählen.» Bei den Floristen hat sich der Arbeitsalltag nur leicht verändert. Einzig der Hinweis auf die Personenbeschränkung, Plexiglasscheiben im Kassenbereich sowie Markierungsstreifen am Boden und natürlich Desinfektionsmittel lassen auf die speziellen Umstände schliessen. «Zudem haben wir für unsere Mitarbeiter den Arbeitsbereich vergrössert», erklärt Wismer.

Mundschutz als Zeichen der besonderen Lage

Hauenstein-Mitarbeiterin Luzia Schatzmann bereitet Tomaten für den Verkauf vor.

Hauenstein-Mitarbeiterin Luzia Schatzmann bereitet Tomaten für den Verkauf vor.

Bild: Maria Schmid (Baar, 27. April 2020)

Etwas mehr Aufwand betreibt hier das Gartencenter Hauenstein in Baar. Zwei Mitarbeiterinnen weisen den Kunden die Parkplätze zu, jeder Kunde muss ein Einkaufswägeli – zwecks Zählung – nehmen und alle Mitarbeiter tragen entweder Maske oder ein Visier. «Wir wollen so den Kunden zeigen, dass nun nicht einfach wieder Normalzustand herrscht», erklärt Sandro Schärli, Leiter des Gartencenters in Baar. Zudem könne man dank Visier oder Maske auch mal näher an die Kunden heran, um diese zu beraten. Es ist jedoch jedem Gartencenter selber überlassen, wie die Massnahmen umgesetzt werden – das Tragen von Masken ist in der Branche keine einheitliche Pflicht.

Das Gartencenter Hauenstein in Baar betrieb in den ersten Wochen des Lockdown einen Lieferservice sowie die Möglichkeit, vorbestellte Pflanzen ausserhalb des Betriebes abzuholen. Dies sei jedoch äusserst aufwendig gewesen, da es für die kleinste Bestellung von wenigen Setzlingen ähnlich viel Arbeit benötigte wie für eine Grossbestellung.

Langes Warten vor dem Coop Bau & Hobby in Cham.

Langes Warten vor dem Coop Bau & Hobby in Cham. 

Bild: Maria Schmid (27. April 2020)

Viel Arbeit sei auch bei den Vorbereitungen auf die Wiedereröffnung angefallen: «Wir mussten nicht nur alles reinigen, sondern teilweise ganze Tische wieder neu mit Pflanzen befüllen.» Denn die Frühlingspflanzen habe man grösstenteils abgeschrieben und nun vor allem Sommerflor im Angebot. Am Tag der Wiedereröffnung hat sich vor der Türöffnung eine Schlange vor dem Gartencenter gebildet. Gemäss Schärli verteilten sich danach die Kunden jedoch gut im ganzen Center. Am häufigsten würden Tomaten und Kräuter verlangt. Auch für ein Schulprojekt war die Wiedereröffnung wichtig. Anstelle von Zeichnen oder Handarbeit hat sich der zehnjährige Matteo Coradi für die Gestaltung und Mithilfe im Garten entschieden. «Nun müssen wir noch Setzlinge kaufen, die wir in unsere neuen Beete pflanzen können», erklärt er. Da die Schule in zwei Wochen wieder startet, ist es nun höchste Zeit.

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