Kolumne

Danke für die Drohung

Redaktor Kilian Küttel plädiert für klare Worte.

Kilian Küttel
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Kilian Küttel

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Bild: Dominik Wunderli

Keine Ahnung, wie Sie es halten, aber ich bin ein Freund klarer Ansagen. Sie wollen etwas von mir? Dann sagen Sie das. Kurz, prägnant, direkt. Am liebsten mit Zeithorizont: «Ich brauche Deinen Text bis morgen.» Oder: «Bitte wirf diesen Brief ein, wenn Du heute zur Arbeit fährst.» Alles klar, mache ich, kein Problem.

Und dann bekommt man Ansagen wie diese; in einer E-Mail aus dem Redaktionssekretariat: «Lieber Kilian. Anbei habe ich Dir deinen Arbeitsrapport gemailt. Danke für die fristgerechte Ablieferung jeden Monat.» Worauf ich entgegnen müsste: «Danke für die unterschwellige Drohung.» Denn nach der Transferleistung, die man sich gerne erspart hätte, heisst die Nachricht nichts anderes als: «Schick den Rapport gefälligst rechtzeitig. Wenn Du das nicht tust, muss ich dem nachrennen. Das will ich nicht. Dann muss ich Dich nämlich anrufen und Dich daran erinnern. Und das willst Du nicht.»

Ähnliches passiert auch im Privaten. Dann nämlich, wenn Freundin auf das Couvert zeigt, das auf dem Esstisch liegt: «Danke, dass Du diesen Brief heute nicht vergisst.» Worauf ich entgegnen müsste: «Danke für die sublime Unterstellung.» Denn übersetzt heisst das: «Ich traue Dir nicht, dass Du den Brief wie abgemacht mitnimmst. Du unzuverlässiger kleiner Lausbub, Du.»

Was jetzt aber alles nicht heissen soll, dass ich auf den militärischen Ton stehe. Überhaupt nicht. Ein kleines «Könntest Du...» und ein «Bitte» hat noch niemandem geschadet. Ganz zu schweigen von einem Verzicht auf die elende Schreierei. Aber ich schweife ab. Was ich sagen will: Kein Problem liebes Sekretariat, Ihr bekommt den Rapport Ende Monat. Und falls ich ihn doch vergessen sollte: Danke, dass Ihr mich nicht zu deutlich daran erinnert.