Leserbrief

Daran hat man sich mittlerweile gewöhnt

«SVP entschuldigt sich für ihren Riesenlapsus», Ausgabe vom 25. Juli

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An oft grenzwertige und stets Geschmackssache bildende Inserate-Kampagnen der SVP hat man sich mittlerweile gewöhnt. Relativiert werden sie ohnehin, seit im Weissen Haus zu Washington seit bald vier Jahren ein strohblonder Vollpatsch Entgleisungen im Weltmassstab produziert. Dessen unterirdischem Niveau können weder ein halbwegs normaler Mensch noch immer mal wieder auf Medienkrawall gebürstete Parteien das Wasser (runter)reichen. So dachte man wenigstens bisher.

Den Gegenbeweis trat dieser Tage die ... SVP des Kantons Zürich an. Ich musste unweigerlich an Franz Hohlers wohl just für solche Momente reservierte Metapher «Das haut dem Fass den Boden ins Gesicht» denken, als ich las, dass die Zürcher bei der Suche nach einem griffigen Sujet zum Slogan «Verhinderung des Zubetonierens der Schweiz» ausgerechnet auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin als Hintergrund verfallen waren. Wenn es noch als völlig deplatzierte Provokation oder Verhöhnung (es wäre nicht die erste, Björn alias Bernd Höcke, AfD, lässt grüssen) gedacht gewesen wäre – geschenkt und Geschmackssache, wie gesagt. Nein, viel schlimmer: Keinem von denen, durch deren Hände Entwürfe und Gut-zum- Druck-Exemplare gingen, fiel auf, was sich da im Hintergrund auftat. Wahrscheinlich wähnten sie die Aufnahme als einen Werkhof mit währschaften vorfabrizierten Betonelementen eines mit ihnen sympathisierenden Gewerbetreibenden – Bingo!

Kommentar (fast) überflüssig zum zeitgeschichtlichen Rucksack dieser Plakat-Combo, bloss: Einige solcher Partei-Aktivisten sind potenzielle Gemeinde-, Kantons-, National- und Bundesräte und wollen uns heute mit ihrem bekanntlich brandgefährlichen Halb- oder Garnichtwissen auf grossformatigen Plakaten weismachen, was der Schweiz bei Abstimmungen frommen soll.

Die SVP verwendet gewissermassen als Corporate-Identity, wie man weiss, ein Sünneli neben ihrem Akronym. Nun denn: Fiat lux (es werde Licht) in gewissen unterbelichteten Köpfen der Zürcher SVP, nie stehen die Chancen dazu besser als im Hochsommer. Das bewahrte einen auch davor, die Ansprüche ständig weiter senken zu müssen, um das Niveau zu heben.

Werner Gerber-Meier, Allenwinden