Das Ägerital gemeinsam entwickeln

Unter- und Oberägeri präsentierten der Bevölkerung das «Räumliche Bild».

Rahel Hug
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Der Unterägerer Gemeinderat Fridolin Bossard erläutert das Projekt «Seepromenade». (Bild: PD/fotozug.ch, Oberägeri, 12. November 2019)

Der Unterägerer Gemeinderat Fridolin Bossard erläutert das Projekt «Seepromenade». (Bild: PD/fotozug.ch, Oberägeri, 12. November 2019)

«Es geht um nichts weniger als um unsere Zukunft», sagte der Oberägerer Gemeindepräsident Pius Meier zu Beginn der Veranstaltung vom Dienstagabend im Foyer der Dreifachhalle Hofmatt. Die Gemeinden Ober- und Unterägeri hatten zur Themen-Vernissage geladen, im Fokus stand das «Räumliche Bild der Ortsplanungsrevisionen». Diese müssen die Zuger Gemeinden bekanntlich in den kommenden Jahren angehen, da der Richtplan des Kantons überarbeitet wurde. Man habe sich, um das Thema zu präsentieren, für ein neues Vorgehen entschieden, erklärte Meiers Kollege aus Unterägeri, Gemeindepräsident Josef Ribary.

Die Schwerpunkte des Räumlichen Bildes – Dorfleben, Seepromenade, Seekinder, Märkte am See und Küstenfahrt – wurden auf Tafeln im Raum präsentiert, und die Gemeinderäte verteilten sich an den verschiedenen Posten. «Wir stehen Ihnen Red und Antwort, löchern Sie die Gemeinderäte», motivierte Ribary die zahlreich erschienenen Einwohnerinnen und Einwohner. Grundlage bildete die Broschüre zum Räumlichen Bild. Darin ist beispielsweise zu lesen, wie die Gemeinden der Überalterung entgegenwirken und die junge Bevölkerung (die «Seekinder») im Tal behalten wollen. So soll ein Pilotprojekt zur Innenentwicklung gestartet werden, um in den Zentren verdichtet und preisgünstig bauen zu können. «Es ist nämlich oft eine Preisfrage», stellte der Raumplaner Marcel Muri fest. Unter dem Titel «Märkte am See» wird festgehalten, dass an den drei Standorten Seminarhotel am Ägerisee, Zentrum Oberägeri und Ländli Zentren für Dienstleistungsarbeitsplätze entstehen sollen. Mit dem Ziel, attraktive Arbeitsplätze zu schaffen und Innovationen zu ermöglichen. Hierzu sagte die Oberägerer Gemeinderätin Evelyn Rust: «Das ZVB-Areal im Zentrum von Oberägeri ist stark unternutzt und bietet grosse Entwicklungsmöglichkeiten.» Im Sinne neuer, moderner und zentral gelegener Arbeitsplätze seien hier beispielsweise «Shared Offices», geteilte Büroflächen, denkbar. Als neuer Standort für das Busdepot würde sich das Ländli eignen. Dieses könnte sich zudem in seiner Nutzung ganz neu orientieren. «Das Ländli könnte zu einem Campus für ein grosses Unternehmen gegebenenfalls auch in Kombination mit einem Kunstangebot ausgebaut werden», heisst es im Räumlichen Bild.

Öffentlicher Verkehr ist ein grosses Thema

Um den öffentlichen Verkehr geht es beim Thema «Küstenfahrt». «Wir Oberägerer müssen bessere Busfahrer werden», erklärte Gemeinderat Beat Wyss und sprach damit den Umstand an, dass Pendler in Unterägeri zu 29 Prozent den ÖV nutzen, in Oberägeri nur zu 17 Prozent. Ein Grund ist, dass die Buslinie 1 im Zentrum von Oberägeri endet, ohne Wohngebiete weiter nördlich oder östlich zu bedienen. Hier strebt der Gemeinderat Verbesserungen an. Im Bereich «Dorfleben» möchten die Gemeinden den Bezug der Einwohner zu ihrem Wohnort stärken. Mögliche Massnahmen sind Nachbarschaftsanlässe, Pop-Up-Bars oder Nachbarschafts- und Gemeinde-Apps.

Auf besonderes Interesse bei den Besuchern stiess das Thema «Seepromenade». Ziel ist es, die beiden Dorfkerne stärker zu verbinden und den See erlebbar zu machen. Damit soll die Distanz zwischen Ober- und Unterägeri verkürzt werden und eine attraktive und interessante Wegverbindung entstehen. Die Gemeinden haben für dieses Vorhaben bereits einen Wettbewerb durchgeführt und ein Siegerprojekt ausgewählt. Es sieht einen Fussgängersteg im Wasser vor, der in Etappen realisiert werden könnte. Dadurch würde mehr Platz für einen Veloweg neben der Strasse entstehen. «Besonders im Bereich Mittenägeri haben wir aktuell viel Beton», sagte Pius Meier. Durch gezielte Aufwertungsmassnahmen seien hier grosse Verbesserungen möglich. Er betonte jedoch: «Das ist noch kein konkretes Projekt. Wir haben das Vorhaben dem Kanton vorgestellt, und er hat grundsätzlich positiv Stellung genommen. Doch es müssen noch viele Fragen geklärt werden.» Der grosse Andrang und die angeregten Diskussionen zeigten, dass das Thema die Bevölkerung bewegt. Noch steht man allerdings ganz am Anfang.