Leserbrief

Das aktuelle Virus ist unser kleinstes Problem

Zum Verständnis der heutigen Zeit

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Es ist heute nicht einfach den Überblick über die gesellschaftlichen Entwicklungen zu behalten. Da hilft oft nur ein Blick in Biografien. So spricht Dirk Kaesler in seiner Max Weber Biografie vom kurzen 20. Jahrhundert, welches von 1920 bis 1989 gedauert habe, und trifft damit den Nagel auf dem Kopf! Denn alles, woran unsere Gesellschaft heute zu leiden hat, ist eine Folge der massiven Fehler, welche durch eine überhebliche Aussenpolitik der die Schweiz umrahmenden Länder, zuzüglich Grossbritannien, verursacht zwischen 1920 und 1989 zu verantworten haben.

Praktisch alle heutigen aussenpolitischen Schlachtfelder sind eine Folge der Intervention dieser Länder in aller Welt sowie der Unterdrückung jeglicher Demokratiebewegungen ebenfalls in der ganzen Welt (wobei man hier die unsägliche Rolle der USA nicht vergessen darf). Die so hochgelobten westlichen Werte sind verantwortlich für einen Grossteil des Leides in der heutigen Welt und nichts anderes als egoistisches überhebliches Machtgetue. Dass eine solche Welt krank ist, muss nicht näher begründet werden.

Um die Schweiz zu verstehen, hat mir Thomas Zaugg mit seiner Etter-Biografie einen Anhaltspunkt gegeben. 1939 war die Schweiz von totalitären Staaten umgeben. Es war somit das einzige von den wirklichen prägenden westlichen Werten durchflutete Land, welches der Würde, Freiheit (und ich führe Mut hinzu) sowie der Menschlichkeit die Stange hielt.

Diese Werte halfen uns durch die schwierige Zeit, und was heute geschieht, ist einzig zu verstehen, wenn man sich vor Augen führt, dass alle diese Werte verraten werden und unsere Politiker Bevormundung und Gängelung als Herrschaft-Instrumente einsetzen und die Eigenverantwortung verachten. Hätte der Bundesrat 1939 unsere heutige feige Einstellung gehabt, wäre die Schweiz wohl noch vor Österreich annektiert worden. Jetzt geschieht dies schleichend durch die Anpassung an die EU. Damit komme ich zur dritten Persönlichkeit, nämlich Georg Friedrich Wilhelm Hegel, der heuer 250 Jahre alt geworden wäre. Er hätte unseren Geist mit einem Virus verglichen und unsere Einstellung von heute mit der Mutlosigkeit, der Angst und dem Fehlen vom Glauben an die Natur und einem höheren Wesen (Weltgeist) massiv kritisiert, und auch Max Weber oder Philipp Etter verstünden unsere Gesellschaft nicht mehr und ich frage mich, wer uns vor all diesen Viren schützen wird, bevor sie uns zerstören. Das momentan aktuelle Virus ist unser kleinstes Problem!

Michel Ebinger, Rotkreuz