«Das Amt ist ihr auf den Leib geschnitten»

Die Boswilerin Gisela Hilfiker ist neue Sportpräsidentin des Schweizerischen Auto- und Motorradfahrer-Verbandes SAM.

Toni Widmer
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Gisela Hilfiker auf der Terrasse ihrer schön gelegenen Wohnung an der Bachstrasse in Boswil.

Gisela Hilfiker auf der Terrasse ihrer schön gelegenen Wohnung an der Bachstrasse in Boswil.

Bild: Toni Widmer

Motorsport ist im Hause Hilfiker in Boswil omnipräsent. Man sieht Bilder von Vater Ueli auf seiner Motocross-Maschine und Pokale, die er in seiner aktiven Zeit gewonnen hat. Und auch der 16-jährige Sohn Mathias hinterlässt mehr und mehr sportliche Spuren. Er fährt Trial mit Motorrad und Bike, und im Schweizer Nationalsport Schiessen hat er mehrere Medaillen an Schweizer und Aargauer Meisterschaften gewonnen. Mutter Gisela ist nie Motocross- oder Trialwettbewerbe gefahren. Dennoch prägt der Motorsport ihr Leben seit Jahrzehnten. Kürzlich ist sie vom SAM, dem Schweizerischen Auto- und Motorradfahrer-Verband, zur ersten Sportpräsidentin in dessen Geschichte ernannt worden. In den vergangenen 93 Jahren haben dieses wichtige Amt ausschliesslich Männer bekleidet.

Gisela Hilfiker hat schon in jungen Jahren Benzin und Motorenöl inhaliert: «Ich habe Ueli in seiner aktiven Zeit an alle Motocross-Strecken begleitet und geholfen, wo ich konnte. So bin ich in die Szene reingerutscht», erklärt die engagierte, stets fröhliche Boswilerin. Es begann 1991 mit Motorsportberichten, die sie für Fach- und Lokalzeitungen verfasste. 2002 übernahm die gelernte Hochbauzeichnerin, die heute bei der EFA (Energie Freiamt AG) arbeitet, die Redaktion des Motor Journals, der Verbandszeitung des SAM.

In dieser Funktion hat sie sich in den vergangenen 18 Jahren nicht nur ein grosses Wissen über die verschiedenen Sportarten angeeignet, die unter dem Patronat des SAM ausgeübt werden. Sie konnte auch viele wichtige Kontakte knüpfen, zu Sportlerinnen und Sportlern ebenso wie zu Funktionärinnen und Funktionären. Hilfiker ist in der Motorsportszene bekannt und geschätzt. Das macht sich der Verband jetzt zunutze: «Ich habe mir für die Neubesetzung des Sportpräsidiums eine Liste mit mög­lichen Anwärterinnen und Anwärtern gemacht. Als Erstes habe ich jedoch Gisela Hilfiker angerufen. Sie ist mit Leib und Seele SAM, kennt den Verband mit seinen verschiedenen Sportarten wie ihre Hosentasche und verfügt über ein enormes Beziehungsnetz. Das Amt der Sportpräsidentin, so meine Überzeugung, wäre ihr auf den Leib geschnitten», hält Zentralpräsident Roger Uhr in seiner Mitteilung fest. Gisela sei über seinen Anruf etwas erstaunt gewesen, schreibt Uhr. «Nach weiteren Gesprächen und Rücksprache mit ihrer Familie hat sie dann schliesslich zugesagt», freut er sich. Die neue Sportpräsidentin wurde vom Zentralvorstand und der Sportkommission einstimmig gewählt und per sofort eingesetzt. Formell muss dies im März von der Delegiertenversammlung noch bestätigt werden.

Gisela Hilfiker weiss, dass mit dem Amt viel Arbeit und Verantwortung auf sie zukommt. «Mir stehen zwei gute Vizepräsidenten zur Seite, auf die ich mich verlassen kann. Zudem wurde im SAM neu auch ein Sportsekretariat geschaffen. Die Arbeitslast wird damit auf mehrere Schultern verteilt. Für mich bleibt sicher genug zu tun. Ich freue mich jedoch auf diese Herausforderung und bin sehr motiviert», sagt sie.

Koordinationsaufgaben und Repräsentation

Ihr neues Amt sei sehr vielseitig: «Es gibt vor allem viel zu koordinieren und zu planen. Aktuell arbeiten wir beispielsweise an Konzepten, um den Sportbetrieb auch in der Coronazeit einigermassen aufrechterhalten zu können. Das erachte ich als vordringlich.» Als Sportpräsidentin sei sie weiter für Einsatz und Betreuung der Funktionäre zuständig, die vom Verband an die Wettbewerbe für Aufgaben wie Rennleitung oder Zeitmessung delegiert werden. «Die Sportkommission des Verbandes», so Hilfiker, «ist verantwortlich dafür, dass alle Veranstaltungen reibungslos und reglementskonform durchgeführt werden.»

Eine wichtige Aufgabe sieht sie auch in der Repräsentation des Verbandes nach aussen: «Es geht dabei auch – aber nicht nur – darum, für unseren Sport zu werben. Es geht um Absprachen und Koordinationen mit Veranstaltern, Behörden sowie anderen Verbänden.» Dabei werde ihr bestimmt eine persönliche Eigenschafte zugutekommen: «Ich habe die Menschen gern.»

Die neue Aufgabe wird Hilfiker nicht daran hindern, sich auch künftig mit ihrem Mann Ueli an vorderster Front für den Fortbestand des Motocross Wohlen einzusetzen. Das Ehepaar hat 2003 als OK-Team die Führung der traditionsreichen Veranstaltung übernommen und sie, mit vielen engagierten Helferinnen und Helfern, aus dem damaligen Tief herausführen können. Seit 15 Jahren organisieren Gisela und Ueli Hilfiker zudem auch jährlich einen Trial-Wettbewerb auf dem Motocross-Gelände oberhalb vom Schloss Hilfikon.