Das Asylwesen in Zug braucht in diesen Zeiten mehr Platz

Um in Zuger Asylunterkünften Covid-19-Verdachtsfälle zu separieren, hat der Kanton zusätzliche Räumlichkeiten gemietet.

Zoe Gwerder
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Auch in der Durchgangsstation Steinhausen gelten erhöhte Hygienemassnahmen.

Auch in der Durchgangsstation Steinhausen gelten erhöhte Hygienemassnahmen.

Symbolbild: Patrick Hürlimann/PD

«Die Personen, die wir beherbergen, haben grössere Erfahrung im Umgang mit solchen Situationen als wir.» Die Leiterin des kantonalen Sozialamtes Jris Bischof spricht von den fast 320 Asylsuchenden, die derzeit in der Durchgangsstation Steinhausen, im ehemaligen Kantonsspital sowie in zwei weiteren grossen Kollektivunterkünften untergebracht sind.

Sowohl die Personen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich als auch das Personal sind geübt im Umgang mit Krisen und Krankheiten.

«Meine Leute arbeiten in einem Bereich, in dem man immer wieder mit übertragbaren Krankheiten konfrontiert wird, wie Tuberkulose oder dem Norovirus. Für uns alle jedoch ist der Umgang mit Covid-19 neu, da dieser Virus bisher unbekannt war.»

Deshalb gelte in den Asylzentren dasselbe wie in Alterszentren oder Behinderteninstitutionen: erhöhte Hygienemassnahmen sowie ein derzeitiges Besuchsverbot. Ebenfalls Usus sei, dass während Zeiten erhöhter Infektionsgefahr alle Türklinken sowie Handläufe und Oberflächen, die regelmässig berührt werden, stündlich desinfiziert würden, erklärt Bischof. Auch hier handhabe man dies gleich wie in anderen Institutionen, wenn übertragbare Krankheiten im Umlauf seien.

«Wichtig ist, die von uns betreuten Personen zu informieren und aufzuklären – immer und immer wieder – ebenso wie der Appell an die Eigenverantwortung», so Bischof. «Sobald sie es verstehen, hält sich die grosse Mehrheit an die Regeln.» Die fortlaufende Aufklärung sei bezüglich der Verhaltensmassnahmen, die der Bund erlassen hat, mit Hilfe der sehr einfachen aber deutlichen Piktogramme des Bundes gut umsetzbar. Zudem habe man von der Asylorganisation Zürich (AOZ) Übersetzungen der wichtigsten Informationen in die häufigsten Sprachen erhalten.

Breite Gänge ermöglichen es, Abstand zu halten

Bezüglich der Platzverhältnisse löse man dies pragmatisch. «Wenn nun drei nicht miteinander verwandte Personen in einem Zimmer schlafen und wir keine zwei Meter Abstand herstellen können, versuchen wir, eine Person in einem anderen Zimmer unterzubringen, oder prüfen die Verlegung in eine andere Unterkunft.» Familien lasse man – solange kein Infektionsverdacht besteht – zusammen. Zudem seien sowohl in Steinhausen wie auch in Zug die Einrichtungen und Gänge genügend breit, sodass ein Ausweichen gut möglich sei. Jris Bischof führt aus:

«Insbesondere in den Gängen des ehemaligen Kantonsspitals, das als Spitalbetrieb so konzipiert ist, dass problemlos zwei Betten aneinander vorbeigeschoben werden konnten, sind die Platzverhältnisse optimal, um Distanz zu halten.»

Bestehe bei Personen der Verdacht auf Covid-19, sei das Vorgehen klar geregelt. Diese werden extern und alleine untergebracht. Man habe hierfür in einer älteren Liegenschaft einen Stock zumieten können – weitere Stockwerke stünden zur Option. Auch Personen, die der Risikogruppe angehören, habe man wenn immer möglich verlegt. Einen bestätigten Covid-19-Fall gebe es bisher nicht. Der Entscheid, ob ein Test notwendig sei, werde durch die zuständige Ärzteschaft gefällt und orientiere sich an den Vorgaben des Bundes. Für das Personal sei die Situation jedoch eine starke Belastung. «Sie müssen vor Ort arbeiten, während viele ihrer Kollegen sich ins Homeoffice zurückziehen können.» In der Zwischenzeit sei aber der Vorrat an Schutzmasken aufgestockt worden. «Diese werden jedoch nur bei Arbeiten getragen, bei welchen die Mitarbeiter den Leuten nahekommen müssen.»

Alles andere werde ohne Schutzmasken erledigt – «so, wie es nach wie vor in Bäckereien oder Lebensmittelgeschäften üblich ist». Dass ihre Mitarbeiter so zuverlässig und engagiert arbeiten, bezeichnet die Amtsleiterin Jris Bischof als lobenswert:

«Ich bin stolz auf unsere Leute. Sie sind trotz eigener Ängste in den Unterkünften präsent und machen einen super Job.»