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Das belesene Bänkli in Unterägeri

Auf meinem Lieblingsbänkli wird es mir nie langweilig. Das liegt nicht nur an der schönen Aussicht, sondern auch an einem ganz besonderen Kasten.
Andrea Muff
Das Lieblingsbänkli neben der Mini-Bibliothek am Ägerisee. (Bild: Stefan Kaiser (Unterägeri, 30. Juli 2018))

Das Lieblingsbänkli neben der Mini-Bibliothek am Ägerisee. (Bild: Stefan Kaiser (Unterägeri, 30. Juli 2018))

Mein Lieblingsbänkli ist eigentlich ein ganz normales Bänkli; ein bisschen älter, aus Holz und hat nicht einmal Farbe. Doch es ist sehr beliebt. Denn es steht in Unterägeri am See direkt beim Schiffssteg. Die Bäume spenden demjenigen, der auf ihm Platz nimmt, je nach Sonnenstand Schatten. So ist es nicht verwunderlich, dass es oft besetzt ist, von solchen, die sich ausruhen möchten oder solchen wie mir: den Leseratten. Denn das Beste an meinem Bänkli, und darum ist es mein Lieblingsbänkli, ist, dass direkt daneben ein Kasten gefüllt mit Büchern steht. Bücherwürmer, so wie ich, können sich dort bedienen und ein gelesenes Exemplar durch ein ungelesenes ersetzen. Eine Mini-Bibliothek direkt neben einem Bänkli also.

Ich lese gerne. So kann ich abschalten und die Welt um mich herum vergessen. Eintauchen in die Geschichte. Deshalb höre ich auch den Lärm der Strasse nicht, die ziemlich nah an meinem Bänkli vorbeiführt. Auch das Gequake der Enten oder das Horn des Passagierschiffes gehen ungehört an mir vorbei. Besonders mag ich Krimis oder Thriller – ein blutrünstiger Serienmörder oder ein gefährlicher Gangster fesseln meine Gedanken. Bis zur letzten Seite bin ich gespannt, wer wa-rum der Mörder sein könnte. Ich gebe zu, manchmal, wenn ich es gar nicht mehr aushalte, lese ich die letzten paar Abschnitte. Die Spannung nimmt dadurch nicht ab, bei mir zumindest.

Am Ägerisee auf dem Bänkli zwischen den Bäumen kann ich mit den Detektiven mitfiebern, eigene Theorien ausdenken und dem realen Alltag entfliehen. Ab und zu schaue ich von meinem Buch auf, beobachte die Kinder im Wasser oder die Bootsfahrer, die den sonnigen Tag auf dem Wasser geniessen. Ein wunderschöner Ort mit einem tollen Ausblick über den See hinweg bis zu den Bergen. Viele Passanten schlendern an mir vorbei, doch es gibt auch ein paar, die stehen bleiben. Sie kramen dann in ihren Taschen oder Rucksäcken und holen Bücher hervor, tauschen die alten gegen neue aus der Box.

Die Mini-Bibliothek habe ich vor rund zwei Jahren kennengelernt, als ich einen Bericht darüber schreiben durfte. Die Initiantin Silvia Wild-Iten erklärte mir ihre Motivation und ich fand die Idee super. Umso schöner ist es, zu sehen, dass das Projekt immer noch erfolgreich ist und viele ihre Bücher austauschen. Im Bücherkasten hat es für jeden Geschmack etwas, ob Liebesroman, Sachbuch oder Krimi, und wenn man nicht heute das passende findet, sollte man auf jeden Fall am nächsten Tag nochmals nachsehen, denn das Angebot wechselt schnell den Besitzer. Und sobald ich die letzten Buchstaben gelesen habe, kann ich mir gleich neuen Lesestoff besorgen. Die Zeit vergeht schnell auf dem Bänkli am Ägerisee, im Schneidersitz und mit einem Buch in der Hand: nur noch ein Kapitel, bevor es dunkel ist.

Hinweis

In der Sommerserie «Miis Bänkli» erzählen die Redaktoren der «Zuger Zeitung» eine Geschichte zu ihrem Lieblingsbänkli.

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