Das Chamer Werkhof-Urgestein Michel Zemp sieht der Pension gelassen entgegen

Der 64-Jährige steht nach über 40 Jahren bei der Gemeinde vor dem letzten Monat seines Arbeitslebens. Seinen Nachfolger kennt er gut.

Raphael Biermayr
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Michel Zemp im Fuhrpark des Werkhof Cham.

Michel Zemp im Fuhrpark des Werkhof Cham.

Bild: Stefan Kaiser (28. Januar 2020)

An Michel Zemps erstem Tag beim Werkhof Cham 1979 sah der damals 24-Jährige zunächst eine Handvoll Männer auf einer Bank sitzen. «Sie warteten dort auf den Arbeitsbeginn, ich stellte mich ihnen vor», erinnert er sich. Die Sitzbank stand neben dem Werkhof, der damals in der Scheune an der Rigistrasse untergebracht war, wo «Surf City» später viele Jahre lang Surf- und Snowboards verkaufte. Nachdem der Werkmeister Josef Stähli dem Neuen alles gezeigt hatte, legte Zemp los im Dienst der Öffentlichkeit. Fast 41 Jahre später, am kommenden 28. Februar, wird sein letzter Arbeitstag beim Werkhof Cham beginnen.

Michel Zemp ist von einem Menschenschlag, dem nicht wenige Werkhofangestellte angehören und der sich durch Rechtschaffenheit und Wortkargheit auszeichnet. Zemp war in der Gemeinde vor allem für die Rasenpflege zuständig. Im Hitzesommer 2003 kostete diese Aufgabe den Chamer Nerven und Schlaf. Der gelernte Gärtner und Forstwart stellt zurückblickend fest:

«Es gab noch keine automatische Bewässerung, die Schläuche mussten auch in der Nacht umplatziert werden. Das war schon brutal.»

Der technische Fortschritt erleichterte ihm die Arbeit diesbezüglich und auch in anderen Bereichen. Das klingt nach einer Erleichterung. «Ob es das wirklich immer war?», fragt Zemp, in den Aufenthaltsraum im heutigen Werkhof blickend, und führt aus: «Wo Maschinen sind, ist beispielsweise auch Lärm. Ausserdem hat die Leistung zugenommen, und damit auch die Anspruchshaltung.» Der bald 65-Jährige sagt das allerdings wertfrei, es handelt sich um eine Feststellung. So hütet er sich zu behaupten, dass früher alles besser war. Littering? Gab es zwar noch nicht als Begriff, aber zerbrochene Flaschen würden nicht erst seit kurzem im Hirsgarten liegen. Zemp erinnert auch an ausgerissene Blumen aus den Trögen auf dem Kirchplatz, die an manchem Morgen auf dem Trottoir oder im Brunnen zu finden waren.

Komplimente und Dank von der Bevölkerung

Die Chefs der Gemeindeangestellten sind die Steuerzahler. Manche beobachten die Männer in Orange und bespotten sie mitunter. Michel Zemp kennt die faulen Sprüche und zitiert gleich selbst einen: «Es hiess, Werkhofmitarbeiter hätten Grübchen am Kinn, weil sie den Kopf immer an den Schaufeln aufstützten.» Er kann darüber lachen. Denn er selbst habe nie erlebt, wie sich Leute über ihn oder seine Kollegen lustig gemacht hätten. Beschwerden gab es zwar, aber das seien wenige gewesen, die Komplimente und Dankbarkeitsbekundungen hätten deutlich überwogen.

Allerdings hat Zemp eine höhere Empfindlichkeit der Leute ausgemacht. Jedenfalls ist ihm aufgefallen, dass seine Kollegen und er früher im Winterdienst viel weniger Wege und weniger intensiv salzen mussten. Der Umgang mit eisigen Stellen habe für Passanten dazugehört. «Und wenn heute Laub auf dem Boden liegt, schreibt schnell jemand ein E-Mail.» Zemp hat es stets hingenommen und sich darauf eingestellt. Er versteht auch, dass im Gegensatz zu den Anfangszeiten den Werkhofangestellten bei der Arbeit kein Bier mehr spendiert wird.

In all den Jahren hat der gebürtige Stadtzuger niemals einen Stellenwechsel erwogen. Er begegnete den steigenden Anforderungen mit einem steigenden Ehrgeiz. «Wenn auf den Fussballplätzen gespielt wird und sie schön aussehen, weil man eine gute Arbeit gemacht hat, gibt einem das etwas», sagt er in bescheidener Ausdrucksweise. Das Wort «Stolz» fällt im Gespräch nie. Auch nicht im Zusammenhang mit seinem Sohn Reto (35), der seine Nachfolge antreten wird. Nachdem dieser sich auf die ausgeschriebene Stelle beworben hatte, gab er der Gemeinde keine Empfehlung ab. Einerseits im Wissen, dass es Gerüchte über eine bevorzugte Behandlung auslösen könnte. Andererseits «weil ich ja nicht abschätzen kann, wie er diesbezüglich ist, weil wir nie zusammengearbeitet haben.» Er gehe aber davon aus, dass Reto es schon gut machen wird.

Veränderung auch im Privatleben

Und wie wird es Michel Zemp machen in seiner kommenden, neuen Lebensphase? Er habe sich noch nicht recht auf den Gedanken einlassen können: Seine Pensionierung fällt mit dem Umzug ins Bernbiet mit seiner zweiten Frau zusammen. Die Organisation brauche viel Zeit, sagt er und winkt lachend ab. «Ich nehme es einfach, wie es kommt.» Diese Einstellung hat ihm schon im Arbeitsleben geholfen.