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Leserbrief

Das Zuger Denkmalschutzgesetz regt zu Diskussionen an

«Vom Stephan zum Sebastian» und «Fragen zum Demokratieverständnis der SVP», Ausgaben vom 20. und 23. Juli

Die in der Ausgabe der «Zuger Zeitung» vom Samstag, den 20. Juli unter der Rubrik «Hingeschaut» liebevoll erzählte, wechselvolle Geschichte der Sebastianskapelle zwischen Oberägeri und Rothenthurm veranschaulicht sehr schön, wie baukulturelles Erbe Heimat stiftet und dafür sorgt, dass wir uns in unserem Kanton auch in Zeiten grosser Umwälzungen und Veränderungen wohl und zuhause fühlen. Dies gilt auch für einen relativen «Neuzuzüger» wie mich, der seit 2014 im Kanton Zug wohnt und gerne in einer Region lebt, wo Geschichte geachtet wird. Geschichte steht nicht im Gegensatz zum Fortschritt, sondern ist dessen Voraussetzung.

Unwillkürlich habe ich mich bei der Lektüre des Artikels gefragt, was für ein Schicksal die Sebastianskapelle ereilt hätte, wenn sie nicht auf freiem Feld im Tänndli bei Oberägeri, sondern in der Stadt Zug an den Hängen des Zugerbergs gestanden hätte. Es ist zu befürchten, dass es dasselbe Schicksal gewesen wäre, das die Beatenkapelle am Oberwiler Kirchweg ereilte. Sie wurde bereits 1877 abgebrochen, um der dichter werdenden Besiedelung zu weichen. Nur noch eine Gedenktafel erinnert daran, dass hier in vergangenen Zeiten ein kleines Gebäude eine grosses Stück Geschichte erzählte.

Ebenso wie der Beatenkapelle erging es dem «neuen», von 1873 bis 1877 erbauten neugotischen Schloss Buonas, das 1970 trotz einer gegenteiligen Stellungnahme der eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege abgebrochen wurde, was übrigens in der Folge zur Anstellung des ersten kantonalen Denkmalpflegers in Vollzeit führte. In Fachkreisen der Denkmalpflege wird der Abbruch heute als einer der grössten Verluste an Architektursubstanz im Kanton bewertet.

Ein weiteres Beispiel gefällig? Die Chamer Dorfbeiz Ritter, im Volksmund «das Blech» genannt, war von 1861 bis zu ihrem Abriss im Jahre 1989 der Treffpunkt der Gewerbetreibenden in der Gemeinde. Den Spitznamen hatte sie nicht etwa, weil hier Blech geredet wurde, sondern weil sein erster Besitzer, Karl Josef Ritter, Spengler war und dessen Schwester hinter dem Haus mit Eisenwaren handelte. Die Wirtschaft musste einem neuen Dorfzentrum weichen. Seit 1991 verfügt der Kanton Zug über ein modernes, zwischen den privaten Interessen der Eigentümer und dem öffentlichen Interesse am Erhalt von baugeschichtlichen Schmuckstücken fein ausbalanciertes Denkmalschutzgesetz. Mit einer vom Kantonsrat am 31. Januar 2019 beschlossenen Revision soll es nun einseitig zugunsten der privaten Interessen einer Minderheit verwässert werden.

Gegen diese Revision haben das Bau Forum Zug, der archäologische Verein Zug AVZ, der Zuger Heimatschutz und der Historische Verein des Kantons Zug erfolgreich das Referendum ergriffen. Am 24. November wird die Stimmbevölkerung Gelegenheit haben, selbst zu entscheiden, welchen Umgang mit den Schätzen der Vergangenheit sie sich für die Zukunft wünscht.

Martin Hošek, Zug


Es ist zu hoffen, dass die Architektur von Leserbriefautor Felix Koch besser ist, als sein Demokratieverständnis. Er masst sich in seinem Leserbrief an, Leute, im vorliegenden Fall die Mitglieder der SVP, die an der Parolenfassung zum neuen Denkmalschutzgesetz anwesend waren, quasi zu willfährigen Dödeln der Parteizentrale abzustempeln. Diese 56 SVP-Mitglieder haben sich erlaubt, das revidierte Denkmalschutzgesetz, das am 24. November zur Abstimmung gelangt, einstimmig gutzuheissen. Diese klare und logische Parole hat im Weltbild von Felix Koch keinen Platz, denn sie entspricht nicht seiner Meinung. Und weil man das nicht versteht, bemüht man mangelndes Demokratieverständnis. Schwach, aber es gibt mir die Möglichkeit zu erklären, warum man am 24. November das Denkmalschutzgesetz mit sehr gutem Gewissen annehmen kann.

Es schafft die Basis, damit wirklich schützenswerte Bauten geschützt werden und nicht alles, was sogenannte Experten, wider jeglichen Respekt gegenüber Privateigentum, als schützenswert deklarieren.

Das revidierte Denkmalschutzgesetz verpflichtet den Staat, sich mit den Eigentümern von schützenswerten Bauten an einen Tisch zu setzen und mit diesem einen Vertrag auszuhandeln. Dabei gibt es in Zukunft mehrere Kriterien, die erfüllt werden müssen. Alle Bauten, die jünger als 70 Jahre sind, fallen ausser Rang und Traktanden. Damit wird verhindert, dass man beginnt, Renditebauten aus den 60er- und 70er-Jahren zu schützen, statt sie durch Bauten zu ersetzen, die mit modernster Bautechnik erstellt sind. Wem käme es in den Sinn, einen VW Käfer aus den 60er-Jahren zu revidieren, um diesen auch im Jahre 2019 auf der Strasse fahren zu können. Nur schon wegen des immensen Treibstoffverbrauchs wäre das fahrlässig. Das gleiche gilt für alte Bauten, die nicht mehr den heute geltenden Energiestandards entsprechen. Wir haben Hunderte von riesigen Energievernichtern im Zuger Gebäudeportefeuille, die ersetzt werden müssen.

Warum braucht es die Denkmalschutzkommission nicht mehr? Ganz einfach! Um das revidierte Denkmalschutzgesetz umzusetzen, braucht es Profis, «Laien- und Milizdarsteller» sind mit dieser Aufgabe zusehends überfordert. Mit der Aufhebung der Denkmalschutzkommission wird ein bedeutender Schritt in Richtung Professionalisierung gemacht, und das erhöht die Akzeptanz des Denkmalschutzes, die heute in weiten Kreisen der Bevölkerung fehlt.

Adrian Risi, Kantonsrat, Nationalratskandidat, SVP, Zug

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