HINGESCHAUT: Das Ding aus einer anderen Welt

Ein bisschen gruselig ist er, aber harmlos: Der «Nachtwächter» am Postplatz in Zug erkundet die Gegend auf seine Weise.

Andreas Faessler
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Als wollte er sich das Licht einverleiben: Der «Myzot Nachtwächter» von Venkse & Spänle.

Als wollte er sich das Licht einverleiben: Der «Myzot Nachtwächter» von Venkse & Spänle.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 18. Februar 2020)

Man muss zwei- oder dreimal hinsehen: Was geht da vor sich? Ein überdimensionales Irgendwas, das aussieht, wie ein mutierter Barbapapa mit Speckfalten oder ein sich selbstständig gemacht habender Körperteil des Michelin Männchens schmatzt uns das Licht weg.

Bizarr wirkt dieser gesichtslose Geselle auf den Betrachter – mit einem gewissen Igittfaktor. Schon der Name «Myzot Nachtwächter» lässt auf etwas Nichtirdisches schliessen. Dabei lädt das 1200 Kilo schwere Ding zum Anfassen ein, besteht es doch aus feinstem, handschmeichelndem Laaser Marmor.

Freundliche Wesen

Es ist eines der originellsten Kunstwerke im öffentlichen Raum der Stadt Zug und das Werk des deutschen Bildhauerpaares Julia Venske und Gregor Spänle, deren Kunst mit hohem Wiedererkennungswert rund um den Erdball zu finden ist. Im Oktober 2015 zeigten sie eine Auswahl ihrer Arbeiten bei Silvan Fässler Fine Art, in dessen damaligen Showroom in der Vorstadt. Die Stadt erteilte nach Anfrage die Erlaubnis, den Myzoten für drei Wochen auf der Rössliwiese zu platzieren. Das Paar ist bekannt für seine skurrilen Marmor-Wesen, die in unterschiedlicher Gestalt und Grösse daherkommen. Der riesige Myzot gehört der Gattung der Nachtwächter an. Wer oder was diese genau sind, das darf sich der Betrachter selber ausmalen. Die Nachtwächter tasten die Umgebung mit ihrem Saugnapf ab. Und unser Myzot hat nun eben eine Strassenlaterne gefunden und inspiziert diese entsprechend. Die Schöpfer der Myzoten verleihen ihren Wesen einen gutmütigen Charakter. Kein Grund also, sich vor dem Ding zu fürchten.

Im Anschluss an die Ausstellung «Die Anderen» bei Silvan Fässler im Herbst 2015 erwarb die Zuger Kantonalbank den Myzoten von den Künstlern und platzierte ihn auf der zur KB gehörenden Grünfläche am unteren Ende des Postplatzes schräg gegenüber vom Regierungsgebäude. Hier lutscht er munter weiter an seiner Lampe.

Hinweis
Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.