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Leserbrief

Das dürfte der Klerus – offiziell – nicht wissen

«Kondomverbot: Huonder legt nach», Ausgabe vom 29. Juni

Es scheint nicht nur an der momentan grossen Hitze zu liegen, dass Bischof Huonder sich bemüssigt fühlt, so einen Unsinn zum Thema Kondom und Pille zu schreiben; auch ich empfinde mich als Biologe angesprochen, allerdings in einem rein negativen Sinn, sodass ich nicht umhin komme, diesen Nonsense zu kommentieren. Denn der Churer Bischof scheint in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nicht nur nichts gelernt zu haben, nein, er geniesst es offensichtlich, seinem Namen und seinem Ruf als ewiggestriger Konservativer einmal mehr gerecht zu werden. Wie anders kann man jemanden charakterisieren, der unter anderem einen Satz wie «Verhütung gehört zur Kultur des Todes» von sich gibt.

Vitus Huonders Ratschläge für den ehelichen Sex stellen ein Sammelsurium dar von Verboten mit Blick auf die Verhütung, von völlig unrealistischen Behauptungen sowie von streitbaren Äusserungen jeglicher Art. So habe als Folge der Verhütung die Entkoppelung von Sexualität und Fruchtbarkeit schlimme Konsequenzen für die Frauen. Dies ist eine völlige Verdrehung der Realität, denn nur dank der Verhütung können die meisten Frauen heute den Sex geniessen, ohne dauernd an eine ungewollte Schwangerschaft denken zu müssen.

Es erstaunt mich immer wieder, wie sehr der Klerus mit dem Sex und der Verhütung vertraut ist, und zwar bis zum letzten Detail. Dabei dürfen die doch gar nicht – wenigstens offiziell. Also alles nur vom «Hören sagen» – wer’s glaubt, bekommt einen Taler. Hier sei lediglich noch daran erinnert, dass bei bischöflichen Grossveranstaltungen im Vatikan die römischen Luxusbordelle jeweils Hochkonjunktur haben sollen. Die Unlogik dieser Situation kann man beinahe mit Händen greifen.

Eine weitere Peinlichkeit hat sich Huonder geleistet, als er mit dem wissenschaftlichen Begriff der Demografie seinen Erguss zu rechtfertigen versucht. Denn der Hinweis, wonach das Verbot der Verhütung helfen solle, dass die europäischen Völker ihre Generationen ersetzen und nicht zu «sterbenden Völkern» werden ist genau betrachtet pure Bevölkerungspolitik, um nicht zu sagen Rassenhygiene. Und wenn der Bischof aus Chur in diesem Zusammenhang schon den Begriff der Demografie bemüht, dann muss hier darauf aufmerksam gemacht werden, dass vor allem in Afrika und Lateinamerika – nicht zuletzt dank dem Verbot der Verhütung – eine Bevölkerungsexplosion stattfindet, die allen Fortschritt zu vernichten droht. Doch dies kümmert Vitus Huonder (absichtlich?) nicht.

Und abschliessend noch ein Wort zum Thema «vorehelicher Sex». Es betriff dies vor allem die Frauen. Denn diese sollten sich – immer nach Auffassung der offiziellen Kirche – von einem vorehelichen geschlechtslosen Wesen mit der Trauung in eine «Sex- und Gebärmaschine» verwandeln, mit dem Ziel, möglichst viele zukünftige Katholiken auf die Welt zu bringen. Es bleibt lediglich zu hoffen, dass die jungen Katholikinnen in immer grösserem Masse dieses üble Spiel durchschauen und selbstbewusst über ihr Schicksal – inklusive ihren Sex – bestimmen.

Man kann nur hoffen, dass keine weiteren Bischofskollegen von Herrn Huonder das vor 50 Jahren vom seinerzeitigen Papst Paul VI. verfasste Manifest als Richtschnur für die heutige Zeit nehmen. Denn wer in der jetzigen Welt dermassen antiquiert denkt und schreibt, der läuft Gefahr, dass man ihn überhaupt nicht mehr ernst nimmt.

Peter Frankenstein, Baar

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