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Das Endspiel für einen mutmasslichen Drogenproduzenten hat begonnen

Carl Vevle (41), der Investmentbanker aus Oberägeri, der ein Drogenproduzent gewesen sein soll, ist wieder zurück in seiner Wohnung und gibt sich kämpferisch. Inzwischen wurde nun Anklage erhoben.
Christopher Gilb
Carl Vevle in seiner Wohnung in Oberägeri. Der Familienvater wurde wegen Verdacht auf Drogenhandel festgenommen und inhaftiert. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 04. Januar 2019))

Carl Vevle in seiner Wohnung in Oberägeri. Der Familienvater wurde wegen Verdacht auf Drogenhandel festgenommen und inhaftiert. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 04. Januar 2019))

Erlimatt in Oberägeri. Wer hier mit prächtiger Aussicht auf den Ägerisee wohnt, kann es sich leisten. Auch der Investmentbanker Carl Vevle wohnt hier – wieder, muss man sagen (siehe Box). Am 7. Dezember wurde er auf freien Fuss gesetzt. Das Massnahmengericht kommt zum Schluss, dass er mit den 224 Tagen, die er in Untersuchungshaft sass, einen gewichtigen Teil der Freiheitsstrafe, die ihm drohen könnte, verbüsst hat. Ihm wird vorgeworfen, Vorkehrungen getroffen zu haben, 350 Gramm Metamphetamin, besser bekannt als Crystal Meth, herstellen zu wollen. Er bestreitet das.

Seine Fluchtgefahr halte sich in Grenzen. Auch da zwischenzeitlich seine argentinische Ehefrau und mit ihr sein kleiner Sohn in die Schweiz zurückgekehrt ist. Beim Besuch unserer Zeitung sind die beiden anzutreffen. Sie sei froh, dass ihr Mann wieder da ist, sagt die Frau.

Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile Anklage gegen Vevle erhoben. Ein Gerichtstermin ist noch nicht in Erfahrung zu bringen. Vevle hat gerade andere Sorgen. Es geht um die Wohnung, den mutmasslichen Tatort. Sie seien nun die ganze Zeit damit beschäftigt gewesen, die Spuren des Einsatzes zu beseitigen.

Essigsäure und ein Kondensator

Der 41-Jährige führt ins Untergeschoss zum Raum, den man von den Polizeifotos kennt. Auf diesen sah er aus wie eine Drogenküche, wie man sie aus amerikanischen Fernsehserien kennt. Auf Tastendruck öffnet sich eine Türe. Hier war das selbst gebaute Labor. Vieles habe die Polizei mitgenommen, sagt er. Der Raum ist weitgehend leer. Auf einem Regal steht noch ein Behälter mit Essigsäure. Auf einem anderen liegt ein selbst gebauter Kondensator. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Norweger hier Drogen für den kommerziellen Verkauf herstellen wollte, um sich aus seiner finanziellen Sackgasse zu befreien. Vevle gibt zu, rund 40 Gramm Crystal Meth zum Selbstversuch hergestellt zu haben, aber vor längerem und ohne Verkaufsabsicht. Das Labor diene seinem Hobby, dem Experimentieren.

Die Festnahme im April

In Erwartung, einen Einbrecher anzutreffen – ein Nachbar hatte jemanden mit Taschenlampe im Haus gesehen – hatte die Polizei am 25. April letzten Jahres an Carl Vevles Türe geklingelt. Sie stiessen auf den Hausbesitzer, der erklärte, die Taschenlampe benutzt zu haben, weil ihm der Strom abgestellt worden sei. Im Inneren fanden die Polizisten dann aber ein Labor und Behälter mit «undefinierbaren» Substanzen. Gemäss erster Einschätzung handelte es sich um ein Labor, in dem unter anderem die «Zombie-Droge» Crystal Meth, hergestellt werden könnte. Vevle, ein Investmentbanker norwegischer Herkunft, wurde daraufhin verhaftet. In den Medien war schnell in Anlehnung an die amerikanische Erfolgsserie von «Breaking Bad in Oberägeri» die Rede. (cg)

Vevle hat – nach eigenem Bekunden wegen einer Firmeninsolvenz – Schulden in Millionenhöhe. Seine beiden Autos sind schon zwangsversteigert worden. Er muss nun die Wohnung verkaufen, sonst droht dieser das ebenfalls. Auch deshalb ist er froh, aus der Haft entlassen worden zu sein, um diese herrichten zu können. Und um seinen Kampf gegen die Polizei zu führen. Vevle glaubt nämlich, dass die Hausdurchsuchung bei ihm Hausfriedensbruch war, und hat deshalb Polizisten angezeigt. Es habe für diese keinen Grund gegeben, in seine Wohnung zu kommen, da er sich als Eigentümer ausgewiesen habe. Die Staatsanwaltschaft wies dies jedoch ab, da aufgrund der angetroffenen Situation und der Umstände eine akute Bedrohung beziehungsweise Gefahrensituation nicht habe ausgeschlossen werden können. Zwischenzeitlich hat auch das Obergericht, wie man von Vevles Anwalt erfährt, seine Beschwerde dagegen abgewiesen. Er selbst wusste dies bis anhin noch nicht.

Das ist typisch für diesen Fall: Vevle fühlt sich ungerecht behandelt, zu einem Kriminellen gemacht, der er nie gewesen sein will. Manchmal fragt man sich, ob er dabei merkt, dass das alles kein Spiel ist. Denn er scheint jeweils auf verlorenem Posten zu kämpfen.

Und dann gibt es da noch die mutmassliche Mittäterin. Vevle hat zugegeben, dass er das Metamphetamin einst in Zusammenarbeit mit jemandem hergestellt hatte; eine Frau die eine Zeit lang bei ihm gelebt hätte. Die Frau aus Zürich befand sich zwischenzeitlich ebenfalls in Untersuchungshaft, und auch gegen sie wurde nun Anklage erhoben. Ob gegen beide zusammen verhandelt wird, muss das Gericht entschieden. Das Endspiel hat begonnen.

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