Das Fällen von Stadtzuger Bäumen ist der letzte Ausweg

Die Stadtzuger Bäume werden regelmässig auf Pilz- und Schädlingsbefall überprüft und gepflegt.

Cornelia Bisch
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Die beiden Weidenstümpfe am Siehbach sind zum Lebensraum für zahlreiche Insektenarten geworden.

Die beiden Weidenstümpfe am Siehbach sind zum Lebensraum für zahlreiche Insektenarten geworden.

Bild: Maria Schmid (Zug, 9. Januar 2020)

Nachdem die Gemeinde Cham über das Fällung kranker Bäume auf Gemeindegebiet informiert hatte, fragte ein Leser der Zuger Zeitung bei der Redaktion nach, warum denn die Bäume beim Hafen am Siehbach auf Stadtzuger Gebiet der Säge zum Opfer gefallen seien.

«Wir mussten zwei Weiden fällen, die vom Weidenbohrer befallen waren», bedauert Claudius Berchtold, Fachbereichsleiter öffentliche Anlagen der Stadt Zug. Der Weidenbohrer sei ein Nachtfalter, der seine Eier in die Baumrinden ablege. «Die daraus schlüpfenden Larven bohren sich dann durchs Holz und schädigen den Baum.» Jüngere Bäume könnten sich in der Regel besser gegen Schädlinge und Krankheiten wehren als ältere. «Das Fällen von Bäumen ist für uns jedoch wirklich nur der letzte Ausweg», betont Berchtold. Dann nämlich, wenn die Gefahr besteht, dass bei Sturm Äste herunterfallen oder der Baum gar entwurzelt würde.

Regelmässige Kontrollen

Die zirka 3500 Zuger Stadtbäume werden regelmässig kontrolliert. «Alle fünf Jahre durch eine externe Firma und jährlich durch Werkhofmitarbeiter der Stadt Zug.» Um sich ein genaueres Bild von deren Gesundheitszustand machen zu können, besteigen die Fachleute die Bäume und kontrollieren Stamm, Äste und Blattwerk genau. Sei ein Baum von einer Krankheit, einem Pilz oder einem Schädling befallen, versuche man zuerst, nur einzelne Äste zu entfernen oder den Baum auf andere Weise zu stärken, damit er selbst mit dem Problem fertig werde, so Berchtold.

Stadtbäume haben grösseren Stress

«Es ist wichtig, vor allem Stadtbäume, die einem grösseren Stress ausgesetzt sind als ihre Landkollegen, auf gutem Substrat und an geeigneter Stelle zu pflanzen, wo sich die Wurzeln ungestört ausbreiten können.» Auch die Bewässerung müsse öfter überprüft werden, da Regenfälle in der Stadt den Boden für Bäume oft ungenügend befeuchteten.

Einfache Massnahmen können helfen

«Die Schädlinge sind so vielfältig wie die Pflanzen selbst», erklärt Berchtold. «In den letzten Jahren hat beispielsweise das Vorkommen der Rosskastanien-Miniermotte massiv zugenommen.» Diese fresse die Blattzwischenräume und überwintere im gefallenen Laub. «Deshalb entfernen wir dieses nun und bringen es weg. Auf diese Weise kann sich der Schädling nicht so leicht ausbreiten.» Alte Bäume an prominenter Lage wie beispielsweise auf dem Landsgemeindeplatz würden zusätzlich geschützt. «Wir binden die Kronäste mit Seilen und Gurten zusammen, sodass stürmische Winde den Baum nicht zerreissen können.» Ohne diese Massnahme wären die dortigen Bäume laut Berchtold schon lange nicht mehr da.

In Zug sei der Baumbestand mit einem Durchschnittsalter von schätzungsweise 50 bis 60 Jahren relativ jung. Deshalb müssten nur zirka zehn Fällungen pro Jahr vorgenommen werden. In anderen Städten wie Basel, Bern oder Zürich sei der Bestand viel älter und deshalb anfälliger. Grundsätzlich werde ein Stadtbaum zirka 50 bis 100 Jahre alt, wobei das Durchschnittsalter in den letzten Jahren gestiegen sei.

Hitze und Trockenheit setzen den Bäumen zu

«Der Stress der Stadtbäume besteht vor allem in der Hitze, der Trockenheit sowie durch Anfahrschäden oder Vandalismus», berichtet Berchtold. Letzterer habe jedoch in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. «Es ist nicht mehr üblich, Liebesherzen in Stämme zu ritzen.» Dies sehr zum Wohl der Bäume.

Wegen des Klimawandels und der daraus resultierenden intensiveren und anhaltenderen Hitze und Trockenheit im Sommer suche man nun im Austausch mit Stadtgärtnereien und Gartenbauämtern im In- und Ausland Baumarten, die besser darauf reagieren könnten. Vorherrschend im Moment sind Linden, Platanen, Ahornbäume und Rosskastanien.

Eine Nahaufnahme des Baumstumpfs zeigt das faszinierende Werk der Insekten.

Eine Nahaufnahme des Baumstumpfs zeigt das faszinierende Werk der Insekten. 

Bild Maria Schmid
(Zug, 9. Januar 2020)

Baumstümpfe bieten neue Lebensräume

Wird ein Baum gefällt, lässt man seinen Stumpf als Behausung für Insekten aller Art stehen, solange keine Gefahr für Mensch und Umwelt besteht. So geschehen auch mit den beiden Weiden am Siehbach, an deren Stümpfen man die Arbeit des Weidenbohrers und anderer Insektenarten sehr schön beobachten kann. «Ebenfalls nehmen wir wenn möglich am gleichen Standort oder in unmittelbarer Nähe des gefällten Baumes eine Ersatzpflanzung vor.» Die neu gesetzten Bäume sind bereits zehn bis zwanzig Jahr alt, wenn die Stadt sie aus einer Schweizer oder Norddeutschen Baumschule bezieht.