Das Festival «Filme für die Erde» soll ein Augenöffner sein

Waldbrände, Gletscherschmelzen oder Insektensterben: Mit Blick auf das kommende «Filme-für-die-Erde-Festival» spricht Gründer Kai Pulfer über die anstehenden ökologischen Herausforderungen.

Christian Tschümperlin
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Kai Pulfer, der Gründer des Filmfestivals. (Bild: PD)

Kai Pulfer, der Gründer des Filmfestivals. (Bild: PD)

Am Freitag, 21. September, findet in 16 Schweizer Städten das achte «Filme-für-die-Erde- Festival» statt. Die von der Unesco ausgezeichnete Nachhaltigkeitsinitiative will mit Filmen zu Abfall, globalen Warenströmen oder Klimawandel zu einem nachhaltigen Lebenswandel beitragen. Das Festival ist auch in Zug zu Gast. Gründer Kai Pulfer spricht im Interview über sein persönliches Engagement, den diesjährigen Anlass und den Standort Zug.

Ein Blick in den Fundus eurer Videothek zeigt, dass die ökologischen Herausforderungen vielschichtig und gross sind. Welcher Problemkreis brennt Ihnen unter den Nägeln?  

Die fundamentalste Herausforderung ist eindeutig die globale Temperaturerhöhung. Mit dem jetzigen Kurs steuern wir auf vier bis sechs Grad Temperaturerhöhung zu, was kurz gesagt bedeutet, dass es kaum noch Lebensmöglichkeiten in den Ozeanen und am Äquator geben würde. Wir sollten die fossilen Energievorkommen so schnell wie wir es nur können unter der Erde lassen.

Was hat Sie dazu bewogen, Filme für die Erde zu gründen?

Ich habe 2006 den Film «Eine unbequeme Wahrheit» von Al Gore gesehen und mir wurde klar, dass wir es beim Klimawandel mit einer Herausforderung zu tun haben, die alles Leben auf der Erde betrifft und die einen tiefgreifenden Richtungswechsel unserer Gesellschaft verlangen wird. Nach ein paar Tagen Reflektion beschloss ich dann, alles mir Mögliche zu tun, um zu dieser Wende beizutragen.

Was tun Sie im persönlichen Alltag für den Umweltschutz?

Seit 10 Jahren investiere ich so viel Zeit wie ich kann in die Verbreitung wichtiger Umweltfilme, mittlerweile mit unglaublichen 200 jährlichen Mitstreitern. Wir verschaffen damit jedes Jahr zirka 100 000 Menschen Zugang zu unseren Filmen. Persönlich lebe ich in einer spannenden auf Nachhaltigkeit ausgerichteten 13-köpfigen Gemeinschaft, inklusive genossenschaftlich organisiertem Einkauf, Verwertung von Food Waste, Recycling oder veganem Essen. Ich fliege so selten wie möglich und kompensiere das CO2. Zusätzlich stecke ich noch mitten in der Gründung eines edukativen Permakultur-Gartens.

Welche Akzente setzt das kommende Festival?

«The Empire of Red Gold» um 12 Uhr zeigt am Beispiel der Tomatensauce die absurde Warenströme rund um den Globus. Um 16 Uhr möchten wir mit «Blue Heart» den Mut von Menschen im Balkan bekannt machen, welche die letzten frei fliessenden Flüsse Europas und ihre Dörfer zu retten versuchen. Dort sind über mafiöse Machenschaften 3000 Staudämme geplant und ganze Täler und Nationalpärke sollen überschwemmt werden. «The Messenger» um 18 Uhr beleuchtet das rasante Aussterben von Singvögeln weltweit. Auch in der Schweiz sind 80 Prozent der Insekten und Zweidrittel der Vögel verschwunden. Die Schweiz hat den höchsten Pestizid-Verbrauch pro Fläche in Europa, dementsprechend verlieren wir immer mehr Natur. Grosses Kino haben wir dann um 20 Uhr mit der exklusiven Schweizer Premiere von «The Human Element». Wir starten erst mit einem national übertragenen Live-Podium aus Winterthur, geführt vom SRF-Moderator Mitja Rietbrock. James Balogs «The Human Element» ist ein visuelles Meisterwerk! Er lässt sich auf die Frage ein, wie die von uns verursachte Veränderung in den vier Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft auf uns zurückwirkt. Der Mensch ist quasi das fünfte Element.

Das Festival findet in 16 Schweizer Städten statt. Weshalb habt ihr euch auch für Zug entschieden?

Die Stadt Zug hat seit Jahren ein äusserst engagiertes Energiestadt-Team und ist darum zu einem guten Nährboden für Nachhaltigkeits-Initiativen geworden. Es blüht also nicht nur die Blockchain-Szene in Zug, es gibt auch «Filme für die Erde» seit 2011 und wir sind sehr beliebt bei den Schulen. Zug ist zudem sehr zentral.

Welche Vereine und Initiativen sind in Zug aktiv, die Sie unterstützenswert finden?  

Erst mal die Dinosaurier wie Pro Natura, VCS, Pro Velo und Public Eye, deren jahrzehntelange Arbeit bemerkenswert ist. Dann die neuen Initiativen wie Foodsharing Zug oder der Verein Elektromobilität Zug. Jede deckt eine Stück des Puzzles «nachhaltige Gesellschaft» ab. Wir freuen uns sehr, dass sie sich an diesem Festival mit einem Stand vorstellen. Hier kann man sich anschliessen und mit anpacken!

Was braucht es, damit der ökologische Wandel gelingen kann?

Allem voran braucht es sehr viele Menschen, die ihr Leben dem Erhalt des Lebens auf der Erde widmen. Wir werden in den nächsten 30 Jahren einen noch nie dagewesenen Mix aus digitaler Innovation, Migration, wirtschaftlichen und ökologischen Umwälzungen erleben. Wir müssen beispielsweise unsere Böden wieder fruchtbar kriegen, damit wir Nahrung auch ohne Erdöl oder Pestizide gewinnen können. Filme für die Erde setzt bei der Bildung an. Daraus müssen Taten und neue gesellschaftliche Entwürfe folgen.

Das «Filme-für-die-Erde-Festival» in Zug findet in der Aula der Pädagogischen Hochschule Zug statt, an der Zugerbergstrasse 3. Das Festival startet um 8.30 Uhr mit dem Film «Planet Erde 2: Urwälder». Die letzte Vorführung beginnt um 20 Uhr mit «The Human Element». www.FILMEfürdieERDE.org/festival