«Das Gebet ist ein zentraler Wert», sagt Martin Föhn, Jesuit aus dem Muotathal

Martin Föhn wird am 17. Oktober in Zürich zum Priester geweiht: Der Jesuit ist im Pastoralraum Basel tätig.

Monika Wegmann
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Martin Föhn ist zu Besuch im Lassalle-Haus in Edlibach.

Martin Föhn ist zu Besuch im Lassalle-Haus in Edlibach.

Bild: Maria Schmid (5.Oktober 2020)

Einfach war der Weg zum Priester für Martin Föhn nicht. Obwohl das Spirituelle ihn schon seit der Kindheit begleitet, hat er sich den Entscheid, einen religiösen Beruf zu wählen, nicht leicht gemacht und ihn erst nach einigen Stationen und Erfahrungen getroffen. Lange hat er nach seinem Platz in der Gesellschaft gesucht.

Aufgewachsen auf einem Bauernhof im Muotathal wurde er zuerst Landwirt, bevor er Religionspädagogik studierte und einige Jahre unterrichtete. Vor zehn Jahren entschloss er sich für das Ordensleben bei den Jesuiten. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie sowie der Ausbildung zum Mediator wirkt er seit kurzem in der Spezialseelsorge in Basel als Leiter Bildung und Spiritualität sowie in der Studentenseelsorge.

Aber ist Martin Föhn nun am Ziel angelangt? «Ja und nein», gibt der 38-Jährige im Gespräch im Lassalle-Haus in Edlibach nachdenklich zu. «Ja, in dem Sinne: Da ist mein Platz in der Gesellschaft Jesu, der Jesuiten-Orden ist meine Heimat. Und nein: Es bleibt immer die Sehnsucht der Suche nach Gott in der Welt.» Er wolle die Menschen besser kennen lernen, um sie dafür zu begeistern, die spirituelle Seite der Welt zu entdecken und nicht nur den Konsum. Zusammen mit Gott sollten sie sich für eine gerechte Schöpfung einsetzen.

Wann wurde ihm seine religiöse Seite bewusst? «Ich bin in einem katholischen Milieu aufgewachsen und habe mich schon als Kind für Gott interessiert,» sagt Martin Föhn. Doch nach der Schule habe er nicht sofort Theologie studieren wollen. Weil ihm das Praktische und die Nähe zum Menschen mehr liege, habe er zuerst Landwirtschaft gelernt und sich für die Immenseer Missionare auf einen Sozialeinsatz in Südamerika begeben. «Doch diese Kultur blieb mir fremd, und ich kam zu wenig nahe an die Leute heran.» War er damals als junger Mann ein Weltveränderer? «Nein, ich wollte eher verbessern und für mehr Gerechtigkeit sorgen.»

Suche nach dem richtigen Ort

Für den Religionsunterricht war Martin Föhn einige Jahre in mehreren Zürcher Pfarreien tätig. Rückblickend sagt er: «In der Landwirtschaft sieht man das Ergebnis der Händearbeit, im Religionsunterricht gibt es kurzfristig keine Früchte. In dieser Zeit hatte ich auch Beziehungen – und doch immer noch das Gefühl, nicht am richtigen Ort zu sein.»

Neue Impulse erhielt er im Jahre 2009 durch einen Exerzitien-Kurs im Lassalle-Haus in Edlibach. «Über die Jesuiten war ich nur rudimentär informiert, aber ihre Offenheit und religiöse Breite überraschten mich. Auch gefiel mir die spirituelle Atmosphäre des Hauses», sagt er. Und offen gibt er zu, dass er damals sogar kurz daran gedacht habe, sich der Naturheilkunde zuzuwenden. Der Aspekt des Heilens schien ihm wichtig. «Doch in diesen Exerzitien habe ich meine Priesterberufung gespürt und realisiert, dass ich heilend für die Menschen da sein kann, indem ich mich für ihre spirituelle Gesundheit einsetze.»

Nachdenklich ergänzt der junge Jesuit: «Der Mensch krankt an verhärteten Glaubensstrukturen. Wenn er beispielsweise glaubt, alles selber machen zu können. Dabei hilft es, sich Gott anzuvertrauen, das kann wohltun und tragen. Das Leben verantwortungsvoll zu gestalten, mit Gott und den Mitmenschen zusammen, darum geht es. Der Priester kann Menschen auf diesem Weg begleiten. Das gefällt mir und bereitet mir Freude.»

Der Entscheid für ein zölibatäres Ordensleben bei den Jesuiten begründet Martin Föhn so: «Bei diesem Orden bin ich weltweit daheim, durch das grosse Beziehungsnetz aus verschiedenen Nationen.» Vom Ordensgründer Ignatius von Loyola ist Martin Föhn fasziniert. Dieser habe die Arbeit an sich selber und für den Mitmenschen in der Welt in Verbindung zu Gott initiiert.

Gefestigt und motiviert

Im Auftrag des Ordens hat Martin Föhn Anfang September sein Wirkungsfeld in der Stadt Basel angetreten. Als Leiter Bildung und Spiritualität obliegt ihm die Ausbildung der Kommunionhelfer und Lektoren sowie die Bereiche Interreligiöser Dialog, Ökologie und Kirche sowie Exerzitien. Als wichtig erachtet der Jesuit auch den Aufbau der ökologischen Arbeit in der Kirche: «Wir müssen unsere Lebensweise verändern und unser Verhalten mit der Schöpfung bewusster wahrnehmen. Hier muss man puschen. Der Glaube kann etwas verändern. Es geht um Tiefe und muss vom Kopf ins Herz gehen, das ist die spirituelle Dimension. Der Mensch muss spüren, dass er abhängig ist von der Natur.» Diese Arbeit sei nicht einfach, darum suche er die Zusammenarbeit.

Heute ist Martin Föhn gefestigt und motiviert auf seinem spirituellen Weg unterwegs. Die kommende Priesterweihe stellt darum einen Höhepunkt in seinem Leben dar, und es warten viele Aufgaben auf ihn. Woher schöpft er seine Kraft? Martin Föhn sagt schlicht: «Als Novize habe ich neue, vertiefte Gebetsweisen kennen gelernt, sie haben meinen Horizont erweitert. Das Gebet ist in meinem Leben ein zentraler Wert.»