Das halbe Dorf legt für die Fasnacht Hand an

Sieben Gruppen arbeiten wochenlang an ihren Wagen - für eine halbe Stunde im Rampenlicht.

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Für den schönsten Wagen legen sie sich ins Zeug (von links): Roman Nussbaumer, Andreas Meier und Geri von Rickenbach. (Bild: Stefan Kaiser/Neue ZZ)

Für den schönsten Wagen legen sie sich ins Zeug (von links): Roman Nussbaumer, Andreas Meier und Geri von Rickenbach. (Bild: Stefan Kaiser/Neue ZZ)

Lüpfige Ländlermusik erfüllt die Scheune im Hintermoos in Alosen, dazwischen kreischt eine Stichsäge, ein Akkuschrauber surrt. Andreas und Marcel Meier, Roman Nussbaumer sowie Geri von Rickenbach sind konzentriert an der Arbeit. Vom Schilter, dem Traktor mit Ladebrücke, ist nicht mehr viel zu sehen. Mit Dachlatten, Schaltafeln und Kanthölzern hat die Wagenbaugruppe Hintermoos die Plattform gebaut, auf der sie nun ihren Fasnachtswagen gestaltet. Bereits stehen ein paar Pfähle. «Das gibt eine Turnhalle», erklärt Geri von Rickenbach. Den Alöslern und Oberägerern ist klar, was die 16- bis 19-Jährigen auf die Schippe nehmen wollen. Das Dach der neuen Oberägerer Dreifachturnhalle ist leck und muss kaum ein Jahr nach der Eröffnung saniert werden. Mehr wollen die jungen Männer über ihr Sujet noch nicht verraten.

«Z guet gwürzt»

Auch die Gruppe S’Adis – geleitet von Adrian Blattmann und Adrian Schönmann – gibt sich geheimnisvoll. «Z guet gwürzt» lautet ihr Thema. Auf dem Ladewagen türmt sich ein Silo auf. «Es geht um den Streusalzmangel», lässt sich Adrian Schönmann noch entlocken. Alles andere gebe es am Umzug zu sehen. Frauen sucht man in den beiden Teams vergeblich. Was aber nicht heisst, dass sie nicht involviert wären. Im Gegenteil. «Bei uns machen viele Frauen mit», erklärt Adi Schönmann. «Aber die sind erst dabei, wenn es um die Feinarbeit, das Malen und Dekorieren, geht.»

Nach 30 Minuten nur noch Schrott

Sieben Wagenbaugruppen sind derzeit auf Bauernhöfen rund um Alosen an der Arbeit. Vor rund einer Woche haben sie begonnen. Bis am Güdelmontag müssen die fahrenden Holzbauten – zum Teil ziemliche Ungetüme – fertig sein. «Die letzten Handgriffe werden immer erst im letzten Moment gemacht», sagt Bruno Meier, Pressechef im Alösler Legorenrat, schmunzelnd. «Ganz egal, ob die Wagenbauer nur zwei Wochen oder wie dieses Jahr viel mehr Zeit haben.» Unabhängig von der Bauzeit ist auch die Grösse der fahrenden Sujets. Zwar gibt es klare Vorschriften betreffend der Masse der Wagen, doch diese werden immer ausgereizt. Der riesige Aufwand für die Fasnachtswagen steht eigentlich in keinem Verhältnis zum Auftritt. Denn der Alösler Umzug dauert nur rund eine halbe Stunde. Danach werden die kunstvollen und pompösen Bauten bereits wieder verschrottet. «Das ist der Stolz der Alösler», erklärt Bruno Meier. Bis auf ein Gefährt, das jeweils am Fasnachtsdienstag noch am Oberägerer Umzug teilnimmt, sind die Alösler Wagen nur am eigenen Umzug zu sehen.

An Nachwuchs fehlt es nicht

Für diese halbe Stunde investieren die Wagenbauer viel. «Wir sind eigentlich jeden Samstag und praktisch jeden Abend unter der Woche an der Arbeit», sagt Geri von Rickenbach. Einen genauen Plan haben sie nicht vorliegen. «Wir haben eine Grundidee. Der Rest entwickelt sich während der Arbeit», erklärt er. Und Adrian Schönmann ergänzt: «Wir haben schon einen Plan und wissen in etwa, was wir wollen. Aber beim Bauen bringt jeder seine Ideen ein.» Beide Wagenbauer sind – wie viele andere auch – bei den Junglegoren vom Fasnachtsvirus infiziert worden. «Die Junglegoren waren eine durchschlagende Idee eines früheren Legorenrats», erklärt Marco Meier. Der 31-Jährige ist Präsident des Legorenrats und hat selber auch bei den Junglegoren begonnen. Hier machen die Schüler Alosens mit. «So ist der Nachwuchs gesichert», sagt Marco Meier. Kommen die Junglegoren in die Lehre, schliessen sie sich einem der bestehenden Teams an. Und wer nicht über die Junglegoren zum Wagenbau findet, wird über verwandtschaftliche Beziehungen in eine der Gruppen aufgenommen. So auch bei S’Adis: Hier arbeitet Richi Meier Hand in Hand mit Tochter Flavia und Sohn Thomas. Deshalb liegt das Durchschnittsalter in den Wagenbaugruppen eher im unteren Bereich. «Viele hören im Alter von 30 oder 40 Jahren auf, sobald sie eine Familie gegründet haben.» Verbunden bleiben sie der Fasnacht dennoch. «Sie helfen im Hintergrund mit», so Marco Meier.

«Dä letscht Zwick a dä Geislä»

Entsprechend breit abgestützt ist die Alösler Fasnacht. «Am Umzug ist mehr als die Hälfte der rund 450 Alösler in irgendeiner Form beteiligt», glaubt Pressechef Bruno Meier. Und die andere Hälfte stehe am Strassenrand. Allein in den Wagenbaugruppen Hintermoos, S’Adis, Rämsler, Zigerhüttli, Grod, Werkhof Korporation und Junglegoren sind über 70 Alösler involviert. Hinzu kommen die begeisterten Fasnächtler, die den Komitee- und den Päckliwagen bauen. Koordiniert werden sie vom siebenköpfigen Legorenrat. Dieser wählt die Themen für die Fasnachtswagen aus und verteilt sie auf die Gruppen. Er stellt auch das gesamte Baumaterial zur Verfügung. Und nicht zuletzt formuliert der hohe Rat das Fasnachtsmotto. «Dä letscht Zwick a dä Geislä» heisst es heuer. Und das bezieht sich nicht etwa auf die Alösler Fasnacht. Die erfreut sich nämlich bester Gesundheit. Vielmehr nehmen die Alösler den grossen Nachbarn Oberägeri auf die Schippe. «Oberägeri verliert seinen Dorfcharakter immer mehr», erklärt Marco Meier. Und natürlich beziehe man sich auf den öffentlich ausgetragenen Streit um das Geislächlepfe. Eine solche Diskussion würde es in Alosen wohl nie geben. Dafür sind die Alösler ihren Traditionen viel zu stark verbunden.

Silvan Meier