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«Das ist Wettbewerbsverzerrung»

Zugs Fussballer stehen vor dem Wiederbeginn der 1.-Liga-Meisterschaft. Dem Trainer Vural Oenen (40) behagt die Ausgangslage nicht.

Michael Wyss
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Zugs Trainer Vural Oenen (stehend) und Sportchef Besnik Reci blicken den drei letzten Partien entgegen.

Zugs Trainer Vural Oenen (stehend) und Sportchef Besnik Reci blicken den drei letzten Partien entgegen.

Bild: Matthias Jurt (17. Oktober 2020)

Vural Oenen ist auf der einen Seite froh: «Glücklich bin ich, dass wir seit dieser Woche wieder richtig trainieren können mit Körperkontakt. Die Trainingseinheiten in den letzten Wochen ohne Zweikampfverhalten und Testspiele waren sehr schwierig», sagt der Trainer des Erstligisten Zug94. «Die Spieler zu motivieren und bei Laune zu halten, war eine grosse Herausforderung. Wir im Trainerstaff waren stark gefordert.»

Doch Oenen hegt auch andere Gefühle. Das vom Verband vorgegebene Ziel, die Vorrunde in der Meisterschaft zu Ende zu bringen, bedeutet für die Zuger, dass sie noch drei Partien zu absolvieren haben. Sie befinden sich mit 15 Punkten im Abstiegskampf, haben allerdings fünf Punkte Reserve auf den «Strich». Zur Wiederaufnahme der Meisterschaft am 12. Juni treffen sie auf den Nachwuchs der Grasshoppers. Dieses Team konnte – wie alle Nachwuchsmannschaften der Profiklubs – wegen einer Sonderregelung in den letzten Wochen trotz der Pandemiesituation trainieren, Testspiele und gar eine interne Meisterschaft bestreiten. Zugs Trainer Oenen hat dazu eine klare Meinung: «Das ist Wettbewerbsverzerrung und hat mit sportlicher Fairness nichts zu tun. Wir spielen letztlich in derselben Liga und müssten die gleiche Ausgangslage haben. Nachwuchsteams haben einen grossen Vorteil gegenüber anderen, die erst seit dieser Woche ihren normalen Trainingsbetrieb aufnehmen durften.»

Wenig Verständnis bringt Oenen auch dafür auf, dass der Verband der 1.Liga nur zwei Wochen Vorbereitungszeit gibt. «Wir spielen nicht auf Stufe Plausch, sondern in der vierthöchsten Liga. Diese Zeitspanne ist einfach zu knapp. Wie sollen wir in 14 Tagen auf dem Niveau sein, wenn wir normalerweise eine Vorbereitungszeit von vier bis fünf Wochen haben? Es geht auch um die Gesundheit der Akteure. Wir mussten nach nur einem Training am Dienstag bereits ein Testspiel absolvieren, weil die Zeit bis zur Wiederaufnahme drängt und wir eine Standortbestimmung benötigten.»

Mannschaft hat zahlreiche Änderungen erfahren

Oenen hat seinen Vertrag in Zug um eine Spielzeit verlängert. «Ich bin kein Mann der kurzen Abenteuer. Ich will hier etwas aufbauen. Und wir sind auf dem richtigen Weg. Zug 94 bewegt sich langsam, aber sicher wieder zu einem etablierten Erstligisten. Es braucht einfach seine Zeit», ist er überzeugt. Bezüglich Kaderplanung auch für die kommende Saison sei man schon weit. In der langen Winterpause stiessen Umberto Soriano (Torhüter, von Luzerns U21), Orcun Cengiz (Mittelfeld, Uzwil), Geoffrey Le Bigonsan (Mittelfeld, SC Cham), Liridon Mazreku (Mittelfeld, FC Dietikon) und Kerim Bali (Mittelfeld, FC Wohlen) zur Mannschaft. «Wir werden uns auf einigen Positionen noch verstärken müssen», sagt Vural Oenen.

Zunächst gilt es aber, den Klassenverbleib sicherzustellen. Trotz der schwierigen Voraussetzungen sagt Zugs Trainer: «Die Spieler zogen alle am gleichen Strick. Wir machten das Beste aus der Situation. Die Bereitschaft ist gross, die Solidarität spürbar. So haben wir diese Phase gemeinsam gemeistert. Nun brennen wir alle auf den Restart.»