«Das Kind steht bei uns im absoluten Mittelpunkt»

15 Jahre Lernort Moosbachhof in Zug – eine Erfolgsgeschichte. Für die Zukunft hat die Schulleitung konkrete Pläne.

Andreas Faessler
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Simone und Markus Fehlmann (oben in der Laube) führen ihren Lernort Moosbachhof seit 15 Jahren erfolgreich. Gestern gab es für die Kinder und Jugendlichen eine Überraschungsfeier. (Bild: Maria Schmid, Zug, 15. November 2019)

Simone und Markus Fehlmann (oben in der Laube) führen ihren Lernort Moosbachhof seit 15 Jahren erfolgreich. Gestern gab es für die Kinder und Jugendlichen eine Überraschungsfeier. (Bild: Maria Schmid, Zug, 15. November 2019)

«Unsere Schule platzt aus allen Nähten», sagt Simone Fehlmann-Streich. Was dramatisch klingen mag, ist für die Leiterin des Lernortes Moosbachhof am Blumenweg im Zuger Loreto-Quartier eine durchaus freudige Feststellung.

Der nach dem Montessori-Bildungskonzept geführte Bildungsort für Kinder und Jugendliche ist begehrt – bis über die Kantonsgrenzen hinaus, wie die Schulleiterin sagt. Seit das Angebot von der Kindergarten- und Primarstufe auf die Oberstufe ausgeweitet worden ist, hat die Schule einen beispiellosen Zuwachs erfahren. «Als wir angefangen haben, zu unterrichten, waren es gerade mal sechs Kinder», so die Schulleiterin rückblickend. Heute sind es fast zehnmal so viel.

Behördlicher Spiessrutenlauf

Diese Erfolgsgeschichte, welche im Jahre 2004 mit dem Betrieb einer Kindertagesstätte begonnen hat, schreibt jedoch auch ein unschönes Kapitel: Nachdem die Fehlmanns 2012 zusätzlich eine Primarstufe eingeführt und dafür das Stöckli des Moosbachhofes ausgebaut hatten, gab es zwei Einsprachen aus der Nachbarschaft. Es folgte ein behördlicher Spiessrutenlauf, zuweilen drohte der Schule gar die sofortige Einstellung, was jedoch dank einer grossen Solidarität aus der Bevölkerung und dem guten Willen der Stadt Zug abgewendet werden konnte.

Einer der hartnäckigen Einsprecher legte der Schulleitung jedoch weiterhin Steine in den Weg und torpedierte Bewilligungsgesuche für den Schulbetrieb mit weiteren Einsprachen. 2016 gab ihm das Verwaltungsgericht recht und hielt fest, dass der Betrieb einer Primarschule mit 32 Kindern eine Umnutzungsbewilligung erfordere. So eine lag zu dem Zeitpunkt nicht vor. Schliesslich beantragten die Schulleiter die erforderlichen Genehmigungen. Als jedoch die Stadt beim Verfahren einen Fehler machte, wurde der aufmerksame Nachbar erneut aktiv und legte eine Beschwerde ein.

Freuderfülltes, aktives Lernen

Die ganze Geschichte ist bis zum heutigen Tag gebremst wie auch hängig, die endgültige Bewilligung noch immer ausstehend. Immerhin: Der Lernort Moosbachhof wird in Ruhe gelassen und kann seinen Betrieb ungestört aufrechterhalten. «Denn auch in den Augen der Stadt Zug steht das Kind ganz klar im Zentrum», ist Simone Fehlmann überzeugt und sieht in diesem Grundsatz auch das Wohlwollen seitens Behörden begründet.

Und dass die Kinder und Jugendlichen sich im Moosbachhof und in den ausgelagerten Lernräumen im Zuger Quartier Geissweid wohlfühlen, zeigt sich am hohen Zuspruch und der eingangs erwähnten Nachfrage. Das Montessori-Konzept sieht erklärtermassen freuderfülltes, aktives und selbstgesteuertes Lernen miteinander und voneinander vor – ohne Leistungsdruck. «Wir arbeiten mit jedem Kind individuell und fokussiert. So kann jedes mit Spass lernen, seine Neugier beibehalten und ausleben», sagt Simone Fehlmann.

Die Wirkung zeige sich allein in der überaus positiven Grundstimmung am Lernort Moosbachhof – und vor allem auch im hohen Selbstmotivationsgrad der Kinder und Jugendlichen. «Sie sind wissbegierig und ausgesprochen lernwillig. Man kann das Konzept mit den Worten ‹begleitetes freies Lernen› zusammenfassen, und es fördert vor allem auch den gegenseitigen Respekt unter den Kindern und Jugendlichen», sagt die Schulleiterin und wiederholt den Grundsatz ihres Betriebes: «Das einzelne Kind steht bei uns im absoluten Mittelpunkt.»

Ausweitung über die Oberstufe hinaus

Gestern Vormittag wurden die Schülerinnen und Schüler im Moosbachhof anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Lernstätte mit einer Feier überrascht. Sie hatten zuvor nichts davon gewusst, weshalb die Freude umso grösser war.

Aktuell ist die Schulleitung mit konkreten Plänen beschäftigt, das Angebot in einem weiteren Schritt sogar bis ins angehende Berufsleben der Montessori-Schüler auszuweiten, wo die Selbstgestaltung einer Ausbildung ein wichtiger Aspekt ist. «Wir tauschen uns derzeit mit Bildungseinrichtungen in der Ostschweiz aus, die solches bereits praktizieren», sagt Simone Fehlmann hierzu und blickt erwartungsvoll in die Zukunft.

Die Jahre des Wachstums im Moosbachhof – sie gehen freudig weiter.