Das können Eltern tun, um Kinder vor Übergriffen im Internet zu schützen

Eltern sollten vor allem Ruhe bewahren und die Schule einbeziehen, erklärt Marcel Küng, Jugend- und Familienberater der Fachstelle punkto Eltern, Kinder & Jugendliche, im Interview.

Laura Sibold
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Marcel Küng, Jugend- und Familienberater der Fachstelle punkto Eltern, Kinder & Jugendliche.

Marcel Küng, Jugend- und Familienberater der Fachstelle punkto Eltern, Kinder & Jugendliche.

Bild: PD

Was sind mögliche Anzeichen dafür, dass ein Kind oder ein Jugendlicher online gemobbt wird?

Marcel Küng: Veränderungen beim Kind wahrzunehmen ist wichtig, weil Opfer, Täter oder Zuschauer von Cybermobbing oft Hemmungen haben, sich mitzuteilen. Mögliche Anzeichen können sein: Das Kind kommt bedrückt nach Hause. Es spricht leise, schweigt häufig, kann aber auch unerwartet aggressiv oder übellaunig reagieren. Das Kind wirkt unsicher, angespannt und zieht sich in sich zurück. Es kann zu einem Abfall der schulischen Leistungen kommen, die Konzentration lässt nach. Betroffene können auch körperliche Beschwerden wie Bauchweh, Kopfschmerzen oder Appetitlosigkeit zeigen. Das Kind ist müde und schläft schlecht. Freunde melden sich immer weniger.

Was können Eltern tun, die glauben, ihr Kind wird gemobbt?

Wenn ein Mobbingvorfall aufgedeckt wird, sollten Eltern Ruhe bewahren, dem Kind zuhören und sich einen Überblick verschaffen. Betroffene brauchen Zeit und Sicherheit, um zu berichten, was passiert ist. Handy- und Internetverbote sind nicht sinnvoll. Eltern sollten ihrem Kind ermöglichen, einen bewussten Umgang mit digitalen Medien zu lernen. Belästigende Personen werden online gesperrt. Beweismaterial wird mit Hilfe von Screenshots gesichert oder Gesprächsverläufe kopiert. Eltern sollten die Schule einbeziehen, da Mobbingdynamiken in der Regel nicht im Umgang mit Fremden, sondern meist mit Schulkollegen entstehen. Lehrperson, Schulsozialarbeiter und Schulleitung sind zu informieren. Eventuell ist eine Anzeige bei der Polizei notwendig. Die Eltern sollten nicht selber mit Tätern oder deren Eltern sprechen, sondern externe Hilfe holen. Mögliche Anlaufstellen sind die kantonale Opferberatungsstelle sowie psychologische und psychosoziale Beratungsangebote.

Was kann man zur Prävention unternehmen, um das eigene Kind zu schützen?

Hilfreich ist, wenn das Thema in der Schule behandelt wurde. Gute Materialien gibt es unter www.klicksafe.de. Eltern können mit offenen Gesprächen das Kind unterstützen. Diskutieren sie darüber, wann Grenzen überschritten sind und wie sich Betroffene verhalten sollen. Es fällt Kindern und Jugendlichen häufig leichter, über das Erleben anderer zu sprechen. Das Kind soll Vertrauen haben, um sich mit dem Thema an seine Eltern wenden zu können. Kinder sollten lernen, sich nicht provozieren zu lassen und nicht auf Beleidigungen einzugehen. Wenn Kinder und Jugendliche mitbekommen, wie andere unter Mobbing leiden, sollten sie Hilfe holen, um die Betroffenen zu unterstützen.

Betroffene Kinder, Jugendliche und deren Eltern können sich bei punkto Eltern, Kinder & Jugendliche (041 728 34 40) oder bei der Opferberatung Eff-Zett (041 725 26 50) melden. Hilfe finden Jugendliche auch über die Dargebotene Hand unter der Nummer 143 oder über die Nummer 147 von Pro Juventute.

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