Das Kreuz mit dem Zuger Wappen

Ein SVP-Gemeinderat verlangt, die Fahnen mit den zwölf goldenen Sternen auf blauem Grund auf öffentlichem Grund zu entsorgen. Sie seien mit dem Gemeindewappen der Stadt Zug zu ersetzen.

Marco Morosoli
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Ein Fahnenschwinger mit der Europa- und der Schweizer Fahne.

Ein Fahnenschwinger mit der Europa- und der Schweizer Fahne.

Bild: Keystone/Martin Ruetschi

Die Wappen der Kantone Schwyz, Luzern, Bern, Zürich, Zug, Solothurn, Genf und des Halbkantons Basel-Stadt sind mit denjenigen ihrer Hauptorte identisch. Das Schweizer Kreuz dient ebenso dem Internationalen Roten Kreuz. Letzteres hat sich dieses einfach mit der umgekehrten Farbgebung als Markenzeichen verpasst. Weltweit einzigartig ist das Schweizer Kreuz aber mit seiner quadratischen Form – nur noch das Emblem von Vatikanstadt hat die gleiche Ausmasse.

Der SVP-Gemeinderat Thomas Dubach will an zehn Orten in der Stadt Zug, so ist in seinem Postulat zu lesen, die Europafahnen vom Mast holen. Diese Forderung hat er in ein Postulat verpackt, das dem Grossen Gemeinderat der Stadt Zug Ende September zugegangen ist. Um die wappenmässige Einöde – zweimal Weiss, Blau, Weiss – zu verhindern, macht er beliebt, dem Gemeindewappen der Stadt Zug eine Burg mit drei Wehrtürmen aufzupfropfen. Dubach will so die beiden gleichen Wappen des Kantons respektive der Stadt Zug unterscheidbar machen.

Zwischen einer Flagge und einem Wappen besteht ein Unterschied. Ein Wappen ist gemäss Wikipedia ein schildförmiges Zeichen. Die Fahne hingegen leitet sich vom althochdeutschen Wort «fano» ab. Das bedeutet Tuch. Auf diesem befinden sich Bilder oder Symbole. Diese bedruckten Stoffe sind in der Regel rechteckig ausgeführt. Als Flagge bezeichnen wir «eine abstrakte, zweidimensionale Anordnung von Farben, Formen und Flächen». Sie sind meist in rechteckiger Form ausgeführt.

Flagge ist auch ein Zeichen für den Europarat

Die Europaflagge, welche der SVP-Gemeinderat weghaben will, ist jedoch nicht nur das Zeichen der EU, sondern vielmehr des Europarats. Dieser hat das heute auch in der Stadt Zug gehisste Tuch seit 1955 als sein Zeichen präsentiert. 1983 hat sich die EU dann beim Europarat bedient. Das Erkennungszeichen hat zwölf goldene Sterne, welche um einen Kreis gruppiert sind. Die Zahl zwölf gilt dabei als Symbol für die Vollkommenheit, Vollständigkeit und Einheit. Es werden die zwölf Apostel genannt oder die zwölf Monate des Jahres. Im Umkehrschluss ist die Schweiz ein Bestandteil von Europa, denn ohne diese lokale Definition könnte sie ja nicht Mitglied im Europarat sein. Dass die zwölf Sterne Staaten symbolisieren sollen, ist falsch.

Der Postulant Thomas Dubach bemüht auch noch den Zuger Bannerherr Peter Kolin, der am 30. Juni 1422 in Arbedo – in unmittelbarer Nähe von Bellinzona gelegen – gefallen ist. Die Darstellung, dass Kolin das Zuger Banner gerettet haben soll, gehört ins Reich der Legende. So schreibt der «Geschichtsfreund – Mitteilungen des Historischen Vereins der Zentralschweizer», Ausgabe 1930, zu den Begleitumständen des Todes des Zuger Bannerträgers Peter Kolin, dass «Einzelheiten des Gefechts» spätere Zutaten seien.

Undisziplinierter Trupp

Fakt ist, dass die Zuger einen Trupp aus mehreren Ständen in den Süden begleitet haben, um dort auf Eroberungszug zu gehen. Der heutige Tessin war längere Zeit ein Zankapfel zwischen der Eidgenossenschaft und Mailand. Die alten Eidgenossen belagerten 1422 erfolglos Bellinzona. Sie zogen sich dann nach Arbedo zurück. Wie das Historische Lexikon der Schweiz (www.hls.ch) schreibt, hätten sich daraufhin Mannschaften des wenig disziplinierten Trupps der gewesenen Belagerer ins Misox abgesetzt, um dort zu plündern. Ein Mailänder Heer fügte den ausharrenden Truppen von ennet dem Gotthard eine schmerzliche Niederlage zu. Peter Kolin starb beim Kampf ums Zuger Panner, welches letztlich Jeckli Landtwing in Sicherheit brachte.

An den Namen Peter Kolin müsste sich die Zuger eigentlich aus einem anderen Grund erinnern. Als Kolin 1414 den Posten des Ammanns übernahm, war er der erste Zuger auf dieser Position. Nach dem Eintritt von Zug in die Eidgenossenschaft im Jahre 1352 hatten die anderen Stände Zug bevormundet und jeweils den Ammann aus ihren Reihen bestellt. Dieser Epochenwandel ging als «Zuger Emanzipation» in die Geschichte ein. Zudem erhielt Zug die Reichsfreiheit. Das heisst, alle habsburgischen Herrschaftsrechte erloschen.

Zur Farbgebung des Zuger Banner ist, zu sagen, dass die erste farbige Darstellung von Weiss-Blau-Weiss in einer Bilderchronik des Berner Ratsherren Benedicht Tschatlan zu finden ist. Dieser ist 1420 geboren. Die Chronik entstand um 1470.