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Zuger Regierungsratswahl: Das Kriterium Wohnort steht hinten an

Bei der Kandidatenliste für den Regierungsrat fällt auf: Keine Person kommt aus den Berggemeinden. Die Nachfrage bei den Kantonalparteien zeigt, dass das wohl eher ein Zufall ist.
Muff Andrea
Auch künftig werden keine «Bergler »im Zuger Regierungsrat vertreten sein. (Bild: Stefan Kaiser, 26. Oktober 2016)

Auch künftig werden keine «Bergler »im Zuger Regierungsrat vertreten sein. (Bild: Stefan Kaiser, 26. Oktober 2016)

Auf einer guten Menükarte hat es essenstechnisch für jeden etwas dabei. Das wünscht man sich zumindest. Dies gilt auch für eine Kandidatenliste bei Wahlen: Gemeinsamkeiten mit den Stimmbürgern, sei es das Geschlecht, der Wohnort oder gar der Beruf, können für den Kandidaten zum Zünglein an der Waage werden. Für die Zuger Regierungsratswahlen am 7. Oktober haben sich insgesamt zehn Kandidaten portiert. Auf den ersten Blick sieht die Liste ausgewogen aus: Frauen und Männer, mit mehr und weniger Erfahrung, jünger und älter. Doch wirft man ein Auge auf den Wohnort der Kandidierenden, fällt auf: Vier kommen aus der Stadt Zug, drei wohnen in Baar, zwei sind von Steinhausen und einer ist in Walchwil daheim. Wo bleibt der «Berg»?

Für Thomas Aeschi, Präsident SVP Kanton Zug und Nationalrat, eine leichte Frage: «Der Berg ist in den eidgenössischen Räten gut vertreten. Da bin ich der Einzige aus dem Tal.» Aber hier geht es um die Vertretung in der kantonalen Regierung und dort sind bei diesen Gesamterneuerungswahlen die Berggemeinden aussen vor. «Bei den Regierungsratswahlen setzten wir auf die Erfahrung und die Bekanntheit der Kandidaten.

Für politisch ganz Unerfahrene empfehlen wir die Kandidatur nicht», erklärt Aeschi und fügt hinzu: «Bei einer Nomination steht die fachliche Kompetenz an erster Stelle.» Die Geografie sei in einem kleinen Kanton wie Zug zwar wichtig, dürfe jedoch nicht überwertet werden. «Diskriminiert werden die Berggemeinden sicher nicht», stellt Aeschi klar. Die Partei versuche, möglichst viele Kriterien zu berücksichtigen. Bei diesen Wahlen zählt die SVP auf die beiden Bisherigen Heinz Tännler und Stephan Schleiss. Thomas Aeschi: «Es gibt den Bisherigenbonus, aber genauso gibt es den Bisherigenmalus.»

Eine Partei, die nicht auf den Bisherigenbonus hoffen kann, ist die FDP. Matthias Michel und Urs Hürlimann treten nicht mehr an. In ihre Fussstapfen treten, wollen Florian Weber und Andreas Hostettler. Letzterer erklärt aus Sicht des Präsidenten der Kantonalpartei die Suche: «Seit dem Sommer 2016 haben wir Gespräche geführt und eine entsprechende Loglist geführt.»

«Es ist von Vorteil, 
wenn man 
bereits einen 
Leistungsausweis 
vorweisen kann.» Monika Barmet, Vizepräsidentin CVP Kanton Zug

Das Ziel: An der Nominationsversammlung eine echte Auswahl zu bieten. «Das haben wir mit vier Kandidaten für zwei Kandidaturen sehr gut erfüllt», sagt Hostettler und fügt hinzu: «Wir hatten eine ausgewogene Ortsverteilung.» Der Wohnort sei ganz bewusst bei der Suche in die Überlegungen einbezogen worden. «Sehr gerne hätten wir auch einen Kandidaten aus dem Ennetsee gehabt als Ersatz von Urs Hürlimann.» Bei der Kandidatensuche werde neben anderen Kriterien auf fachliche, persönliche und führungsmässige Fähigkeiten geachtet.

Fokus auf die «kompetente Geschlechtervielfalt»

Auch bei der SP steht die Kompetenz bei der Kandidatenauswahl im Vordergrund, wie Barbara Gysel, Präsidentin der Kantonalpartei sagt. «Wichtig ist auch die Zugkraft der Kandidatur. Wir haben darauf geachtet, wer bei den letzten Wahlen am meisten Stimmen gemacht hat», erklärt sie weiter. Bei den Ständeratswahlen traf dies auf linker Seite auf die Kantonalpräsidentin selbst zu.

Die Stadtzugerin stellt fest: «Wenn die SP zwei Sitze im Regierungsrat hätte, würden wir hier sicher auf die Berg-Tal-Vielfalt achten. Jetzt kümmern wir uns gerade stärker, um die kompetente Geschlechtervielfalt in der Zuger Regierung.» Denn in diesem Bereich präsentiere sich die Ausgangslage «ungewöhnlich unausgeglichen.» Barbara Gysel: «Es droht, dass Zug der fünfte Kanton ohne Frau in der Regierung wird.» Der «Berg» werde aber auf keine Weise vernachlässigt: «Die früheren Berg-Regierungsräte sind heute halt in Bern im Bundesparlament ohne Stadtzuger-Vertretung. Ich denke, das geht in Zyklen und ist zu einem gewissen Grad auch Zufall.»

Mit der Ankündigung von Manuela Weichelt gegen Ende April, dass sie nicht für eine weitere Legislatur in den Regierungsrat möchte, wurde bei der Alternative-die Grünen (ALG) das Kandidatenkarussell von neuem angeschoben. In Andreas Hürlimann, Gemeinderat in Steinhausen, habe die Partei einen geeigneten Kandidaten gefunden, ist sich Parteipräsident Andreas Lustenberger sicher.

«Über die Parteigrenzen hinaus überzeugen»

«Bei uns zeichnet es sich jeweils relativ bald ab, wer für ein Amt in Frage kommt», sagt Lustenberger. «Kriterien wie Wohnort und Geschlecht stehen dabei hinten an.» Um in ein Exekutivamt gewählt zu werden, müsse der Kandidat Erfahrungen aus der Wirtschaft und in der Führung mitbringen. «Der Kandidat muss über die Parteigrenzen hinaus überzeugen», präzisiert der ALG-Kantonsrat. Es sei aber sicher schwieriger eine Person politisch aufzubauen und bekannt zu machen wenn, wie etwa in Neuheim nur zwei Sitze für den Kantonsrat zur Verfügung stehen.

Dies findet auch Monika Barmet, Vizepräsidentin CVP Kanton Zug: «Es ist von Vorteil, wenn man bereits einen Leistungsausweis vorweisen kann.» Die CVP geht mit den bisherigen Martin Pfister und Beat Villiger an den Start. Mit Silvia Thalmann hat die Partei auch eine Frau nominiert. «Wir können eine sehr ausgewogene Liste präsentieren», so die Vizepräsidentin.

Ihre Erfahrung habe aber gezeigt, dass vor allem der Zeitpunkt für eine Kandidatur stimmen muss. «Wir suchen kompetente Leute, die bereits politische Erfahrungen sammeln konnten. Auch Führungserfahrung im Beruf ist ein wichtiges Kriterium», erklärt die CVP-Kantonsrätin weiter. Sie gibt zu: «Es wäre natürlich schön, wenn die Regionen besser verteilt wären, aber es ist nicht entscheidend, woher die kandidierende Person kommt. Gewählt wird die Person.» In einem kleinen Kanton wie Zug kenne man sich auch über die Gemeindegrenzen hinaus.

Partei zu klein, um Wohnort zu berücksichtigen

Daniel Stadlin, Vizepräsident der GLP und Wahlkampfleiter der Partei, sieht dies ähnlich. Er kandidiert selbst für den Regierungsrat. «Ich denke, es ist eher Zufall, dass in diesem Jahr niemand aus den Berggemeinden kandidiert», sagt Stadlin und fügt hinzu: «Die Wahl ist schnell auf mich gefallen. Ich bin seit acht Jahren im Kantonsrat und relativ bekannt.» Um die Kriterien Geschlecht und Wohnort zu berücksichtigen, sei die GLP aber eher zu klein.

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