Das Künstlerhaus in Boswil im Freiamt wird wach geküsst

Mit Musiktagen unter dem Motto «We are back» vom 2. bis 9. August taucht der Ort der Musik aus der Coronapause auf und zeigt einen Querschnitt durch sein künstlerisches Schaffen.

Cornelia Bisch
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Ab 2. August kehren die klassischen Klänge an den Ort der Musik in Boswil zurück.

Ab 2. August kehren die klassischen Klänge an den Ort der Musik in Boswil zurück.

Bild: Maria Schmid (14. Juni 2019)

Wo sonst emsiger Betrieb herrscht und regelmässig klassische Töne erklingen, wo geprobt und konzertiert wird, wo sich Künstler aus der ganzen Welt mit dem Publikum austauschen, ist während der letzten Monate eine traurige Stille eingekehrt. Die Coronakrise liess auch das Künstlerhaus Boswil gründlich verstummen. «Als dann die ersten Lockerungen bekanntgegeben wurden, haben wir uns gesagt: Lasst uns diese Chance nutzen!», erzählt Projektleiterin Stefanie Braun. Innert kürzester Zeit hätten sie und das Team des Künstlerhauses ein fünfteiliges Programm zusammengestellt, das sämtliche Formate und die Besonderheit des Ortes der Musik widerspiegele. «Es gibt ein Meisterkonzert, ein Kinderkonzert sowie einen Auftritt des Orchesters Chaarts, welches das Festival Boswiler Sommer repräsentiert.»

Der am Boswiler Sommer beliebte Programmteil «Walk and Wonder» findet in kleinem Rahmen ebenfalls statt. Ausserdem präsentieren sich das Jugendorchester Freiamt (JOF) und das Jugend-Sinfonieorchester Aargau (JSAG). «Wir haben dieses Jahr viele Jubiläen: 15 Jahre JSAG, 20 Jahre Boswiler Sommer, 25 Jahre JOF. Es ist ein Glück, dass wir das doch noch gemeinsam mit unserem Publikum feiern können», betont Braun. Nun sei es besonders schön, alle Formate konzentriert zeigen zu können.

Stiftungsrat Stefan Hegi führt die Festivalgäste zudem durch das neu renovierte Sigristenhaus, in dem einige Gästezimmer, Proberäume und Büros entstehen werden.

Von Beethoven bis zum tapferen Schneiderlein

Für das Meisterkonzert treten die Geigerin Patricia Kopatchinskaja und der Pianist Joonas Ahonen mit zwei Sonaten von Beethoven und je einem kurzen Werk von Schönberg und Webern auf. Mit einem Surprise-Amuse-Bouche stimmt das JOF auf diese Werke ein. Die jungen Musiker des JSAG machen auf ihrer Jubiläumstournee Halt in Boswil und schliessen mit ihrem Programm «Showtime», in dem sie eine Schweizer Erstaufführung sowie die achte Sinfonie von Dvořák präsentieren, die Musiktage ab. Solist ist der international gefeierte finnische Pianist und Komponist Iiro Rantala.

Chaarts, das Festivalorchester des Boswiler Sommers, spielt unter der Leitung von Gábor Takács-Nagy Werke von Mozart und Tschaikowsky. Solist ist der Geiger Mark Bouchkov.

«Die meisten Musiker spielten schon einige Male am Künstlerhaus und haben daher eine persönliche Bindung zu diesem Ort»

erzählt Stefanie Braun.

Eröffnet wird das Festival vom Kinderkonzert «Frida, die gfitzti Flüge» mit Domenica Ammann und Marco Friedmann, auch sie sind keine Unbekannten in Boswil. «In Mundart wird die Geschichte des tapferen Schneiderleins aus der Perspektive einer Fliege sehr lebendig geschildert», verrät Braun. Dabei kämen einige aussergewöhnliche Instrumente zum Einsatz. «All diese grossartigen Künstler und das Publikum werden dem Ort der Musik wieder Leben einhauchen und ihn zum Klingen bringen», freut sich Braun.

Strenge Auflagen

Natürlich gebe es eng gestrickte Auflagen des Kantons. «Gewisse Räume dürfen nicht betreten werden, der Personenfluss muss klar geregelt und die Zuschauerzahl um mehr als die Hälfte reduziert werden.» Die Zuschauer würden im Schachbrettmuster platziert werden, und das Contact-Tracing sei gewährleistet. «Das sind grosse Herausforderungen für das Künstlerhaus und sein Team, aber es ziehen alle am gleichen Strang.»

Eine langfristige Lösung sei das natürlich nicht, räumt Braun ein. Dies sei eine Ausnahme. «Boswil ist einer der Aargauer Kulturleuttürme. Es ist uns wichtig, ein Zeichen für Publikum, Künstler und uns selbst zu setzen.» Hinter den Kulissen sei auch in der ruhigen Phase viel passiert, um soweit möglich langfristig Planungssicherheit für Künstler und Publikum zu gewährleisten.

Da für die 60 Mitglieder des JSAG zeitgleich ein Orchesterlager auf dem Gelände stattfinde, könnten die Künstler nicht auch noch dort wohnen. «Aber es gibt für alle reservierte Bereiche zum Proben und Entspannen, sodass trotzdem das schöne Boswil-Gefühl entstehen kann.»

Boswil sei ein Ort, wo sich Menschen aufgehoben fühlten. «Die Musik tut der Seele gut, gerade auch in dieser Zeit», ist Braun überzeugt. Solch konzentrierte Erlebbarkeit sämtlicher Formate habe es in Boswil noch nie gegeben. «Eine Krise kann eben auch etwas Neues, etwas Besonderes schaffen. Das erlebt man jetzt bei uns im Künstlerhaus.»

Hinweis: Weitere Informationen unter www.kuenstlerhausboswil.ch

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