Kolumne

Das Leid des Allergikers

Redaktor Andreas Faesslers Krankheitssymptome sind harmlos, in der heutigen Zeit aber besonders unangenehm. 

Andreas Faessler
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Ich habe mir einst nicht vorstellen können, wie sich Heuschnupfen anfühlt. So viele Menschen in meinem Umkreis beklagten Jahr für Jahr das Übel, meinten, dass sie das Ende der Blütezeit kaum erwarten können. War ich froh, davon verschont zu sein. Blöd nur, dass bei mir vor drei Jahren damit Schluss war: Zum ersten Mal hat sich auch bei mir eine Pollenallergie bemerkbar gemacht. Wirklich lästig, Arzneimittel bringen nur vorübergehend Linderung, wenn überhaupt. Seither nervt mich der Heuschnupfen jährlich und nicht zu knapp – hauptsächlich in Form von Niesen, einer laufenden Nase und gelegentlich sogar Reizhusten.

Letzteres ist ja in Zeiten wie diesen besonders spassig, wo trockener Husten als eines der Hauptsymptome bei einer Covid-19-Erkrankung gilt. Was tun, wenn mal wieder eine Ladung Pollen im Rachen das Unvermeidliche provoziert? Hält sich jemand in der Nähe auf, sind einem entsprechende Blicke sicher. Würde dann am liebsten ein Schild hochhalten – «Keine Angst, isch nur Heupfnüsel».

Und folgt etwa noch ein Nieser – natürlich brav in die Armbeuge oder ins Fazenettli –, oder putzt man sich trötend das Näschen, so könnten Beobachter denken, man sei hochgradig erkältet oder gar todkrank. Dabei weiss ich, mich einer ausgesprochenen Robustheit erfreuen zu dürfen, zumal ich kaum je richtig verkühlt, geschweige denn bettlägerig bin. Umso ärgerlicher, wenn einen etwas an sich Harmloses derart plagt.

Tant pis, da muss ich wohl durch und heuer halt vermehrt zum Niesen und Husten in den Keller. Hoffe, nächstes Jahr sind die Umstände für Pollenallergiker nicht mehr so delikat.